Literarisch-musikalischer Dialog im Wörther Pfarrheim (stehend, v. l.): Vera Naab vom Bildungskreis sowie Vroni Vogel, Dieter Knirsch und Quirin Vogel.  Foto: red

Literarischer Dialog mit anschließender Dichtung

Nach der Lesung dichten die Zuhörer selbst

Wörth - Zu einem literarischen Dialog mit Musik hat der Bildungskreis Wörth-Hörlkofen geladen. Die Zuhörer dichteten am Ende selbst.

Es war ein offenes Konzept zu einem literarisch-musikalischen Dialog, das die drei „Knirschvögel“ aus der Nachbargemeinde Walpertskirchen, die Autorin Vroni Vogel und die Pianisten Dieter Knirsch und Quirin Vogel für die Veranstaltung des Bildungskreises der Pfarreien Wörth-Hörlkofen entwickelt hatten. Die Offenheit, mit der die Zuhörer reagierten, ließ die Lesung mit Musik zu einem runden Ganzen werden.

In die Epoche des Sturm und Drang führte das „Mailied“ von Johann Wolfgang von Goethe, schwelgend, enthusiastisch in Ausrufesätzen mit individuellem Ausdruck formulierte hier ein selbstbewusster „Junger Wilder“ der neuen Dichtergeneration die innige Verbindung des lyrischen Ichs mit der Natur. Dazu spielte der 14-jährige Quirin Vogel die emotionsgeladene Exposition aus dem Kopfsatz von Ludwig van Beethovens erster Klaviersonate. In Joseph von Eichendorffs Gedicht „Die Blaue Blume“ wurde die Natur zu einem metaphorischen Ort. Schließlich ging es hier um das Sehnsuchtssymbol der Romantik schlechthin - die blaue Blume eben. Knirsch ließ sie musikalisch in einer Eigenkomposition erblühen. Die friedvolle und die brüchige, verfallende Natur: Ein Idyll mit düsteren Gegenbildern entwickelte der frühverstorbene Salzburger Georg Trakl in seinem Sonett „Verfall“. Der Dichter ist einer der wichtigsten und eigenwilligsten Vertreter des Expressionismus’. Quirin Vogel hatte dieses Gedicht am Klavier vertont und klanglich die kontrastierenden Stimmungen umgesetzt - das Publikum erlebte mit seiner Instrumentalfassung eine Uraufführung.

Den Abschluss bildete ein Text der „Trümmerlyrik“ Günter Eichs, entstanden im Nachkriegsdeutschland: „Wald, Bestand an Bäumen“. In einer stark reduzierten Sprache fokussierte der Autor den Blick auf die wirtschaftlich ausgebeutete Natur der „Zivilisationslandschaft“, um gleichzeitig auf ihren reichen, märchenhaften Mythos zu verweisen, den „Zauberwald Merlins“, eine verloren gegangene Erinnerung - „die vergessene Zukunft“. Knirsch reagierte auf diese zwei Welten mit kargen, harten und magischen Klängen.

Nach der Pause trauten sich die Zuhörer, spontan Gedichtetes vorzutragen, die Natur und ihre Missachtung war ebenso Thema wie die augenzwinkernde Betrachtung über das Schicksal einer Tanne als Christbaum oder die Poesie von „Wintertau“. Ob es eine Fortsetzung geben könnte, fragte Vera Naab vom Bildungskreis: „Gerne!“ war die Antwort des Walpertskirchener Trios.

Es kamen 200 Euro an Spenden zusammen, die an die Flüchtlinge in der Gemeinde gehen. red

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