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Krisentreffen vor Ort: Der Vorsitzende der IG Hochwasserschutz Wörth Gerhard Schauer (r.) begrüßte die vielen Teilnehmer beim Ortstermin, darunter Politiker, Vertreter des Wasserwirtschaftsamts München sowie Anwohner. 

Ortstermin mit der IG Hochwasserschutz Wörth 

Ein kleinerer Damm wäre vorstellbar

Kleiner Erfolg für die Interessensgemeinschaft Hochwasserschutz Wörth: Das Wasserwirtschaftsamt will weiter nach Lösungen suchen, um ohne einen riesigen Damm bei Niederwörth auszukommen.

Niederwörth– Bewegung bei der Dammlösung in Niederwörth: Das Wasserwirtschaftsamt München hat gestern Vormittag beim Ortstermin auf die Anregungen und Bedenken der Interessensgemeinschaft Hochwasserschutz Wörth mit Angeboten reagiert. Bei den Berechnungen zum Grundwassermodell sollen zusätzlich nun auch die Gewässer dritter Ordnung betrachtet werden. Dabei soll geklärt werden, ob nach einer Renaturierung ein kleinerer Damm ausreichen würde. Wie berichtet, wird seitens der Gemeinde Wörth ein vier Meter hoher, 1400 Meter langer und 18 Meter breiter Damm befürchtet.

Außerdem ist vorgesehen, vor einer Entscheidung über die Dammlösung einen runden Tisch mit Fachleuten und Betroffenen zu bilden. Zusätzlich soll es eine Bürgerversammlung geben.

„Wir sehen das als Erfolg an“, sagte IG-Vorsitzender Gerhard Schauer zum Gesprächsergebnis. Zu den Zielen der Interessensgemeinschaft Hochwasserschutz erklärte er: „In den kühnsten Träumen bleiben wir am liebsten ohne Damm.“ Realistisch gesehen wäre jedoch ein minimierter Damm ohne Spundlösung mit der Renaturierung von Gewässern dritter Ordnung und dem linearen Hochwasserschutz entlang der Bach- und Flussläufe vorstellbar.

Sehr angetan war Schauer von der großen Resonanz des Termins vor Ort. Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU), SPD-Landtagsabgeordneter Florian von Brunn, Grünen-Kreissprecherin Helga Stieglmeier, Vertreter von Wasserwirtschaftsamt und Gemeinde sowie betroffene Bürger waren der Einladung nach Niederwörth gefolgt.

Der Naturschutzbeirat im Landratsamt, Helmut Trinkberger, plädierte erneut für eine Sempt-Allianz mit allen Gemeinden entlang des Flusses und dem Wasserwirtschaftsamt, um den Hochwasserschutz gemeinsam zu schultern. Wie berichtet, hatte Trinkberger seine Idee bereits im Herbst 2016 öffentlich gemacht, nach der weder ein hoher Damm mit riesigen Becken noch Mauern im Ort Erding vor Hochwasser schützen sollen, sondern viele kleinere naturnahe Maßnahmen. Sein Credo: Würde man alle Gewässer dritter Ordnung renaturieren, fiele der Damm nicht so hoch aus. Trinkberger betonte, dass auch die Stadt Erding „sehr um den Hochwasserschutz bemüht“ sei.

Beim Termin gestern forderte ein Diskussionsteilnehmer, Trinkbergers Vorschläge fachlich zu überprüfen. Das Wasserwirtschaftsamt schlug vor, diesen Ansatz ebenfalls zu berechnen. Allerdings machten die Behördenvertreter keinen Hehl daraus, dass eine technische Lösung dennoch nötig sei, um gerade auch für 100-jährliche Hochwasser gewappnet zu sein.

Scharf brach eine Lanze für die Fachkompetenz des Wasserwirtschaftsamts: Man solle Vertrauen in die Berechnungen haben. Die Umweltministerin unterstrich mit Blick auf die „wahnsinnigen Schäden durch Naturkatastrophen“, dass Prävention entscheidend sei. Zudem trat Scharf Ängsten entgegen, die Lasten einseitig zu verteilen: „Wir machen nichts, was den einen hilft und den anderen schadet. Das wäre aberwitzig.“

Sowohl die Ministerin als auch die Vertreter des Wasserwirtschaftsamts baten um Geduld bei der Erstellung des zeitaufwändigen Grundwassermodells. Laut Behördenleiter Christian Leeb wurden 15 Bohrungen gemacht, von denen drei zu Beweissicherungsmodellen ausgebaut werden. Zur Zeitplanung informierte Leeb, dass man wohl im ersten Quartal dieses Jahres Ergebnisse habe.

Wörths Bürgermeister Thomas Gneißl (ÜPWG) begrüßte den offenen Meinungsaustausch und auch, dass das „Trinkberger-Gedankengut“ nun betrachtet werde. Die Gemeinde selbst komme ihrer Zuständigkeit für die Gewässer dritter Ordnung nach und sei eine von 40 Pilotkommunen für das brandneue Programm des Freistaats Bayern zum Sturzflutrisikomanagement.

Die IG Hochwasserschutz setzte bei der Bewirtung unter freiem Himmel auch ein Zeichen für den Naturschutz: Der mitgebrachte Kaffee wurde bewusst in Tassen statt in Einweg-Bechern ausgeschenkt.

Von Vroni Vogel

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