Sturzflutrisikomanagement der Gemeinde Wörth: Darüber informierten Wasserfachmann Gerhard Frühe (l.) und Bürgermeister Thomas Gneißl (r.), hier beim Ortstermin am Harlachener Graben in Wifling.
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Sturzflutrisikomanagement der Gemeinde Wörth: Darüber informierten Wasserfachmann Gerhard Frühe (l.) und Bürgermeister Thomas Gn eißl (r.), hier beim Ortstermin am Harlachener Graben in Wifling. 

Wörth veröffentlicht Berechnungsergebnisse für jede Hausnummer

„Riesengroßer Meilenstein“ im Kampf gegen die Fluten

Um beim Kampf gegen die Fluten möglichst jeden Bürger ins Boot zu holen, hat die Gemeinde Wörth einen individuellen Bürgerservice entwickelt.

Wörth – Als Pilotgemeinde in Bayern hat Wörth ein eigenes Starkregenrisikomanagement auf den Weg gebracht, das staatlich gefördert wird. Die Gemeinde hat einen individuellen Bürgerservice entwickelt, um möglichst jeden für Vorsorgemaßnahmen ins Boot zu holen. Die Gefahrenkarten und detaillierten Fachberichte sind öffentlich zugänglich und zeigen, welche Auswirkungen Starkregenereignisse auf den persönlichen Lebensbereich haben können.

Bürgermeister Gneißl: „Riesengroßer Meilenstein“

Für jede Hausnummer in der Gemeinde sind die Berechnungsergebnisse aufgelistet. Damit sei ein „riesengroßer Meilenstein“ erreicht worden, meinte Bürgermeister Thomas Gneißl beim Pressegespräch, an dem auch Diplomingenieur Gerhard Frühe teilnahm. Der Hofsingeldinger Wasserexperte steht der Kommune beratend zur Seite. Mit der umfangreichen Berechnung und Darstellung hatte die Gemeinde das Ingenieurbüro Dr. Blasy/Dr. Øverland beauftragt.

Wörth will nicht nur die Bürger zur Prävention motivieren, sondern auch selbst Vorsorgemaßnahmen für die eigenen Liegenschaften und für gefährdete Ortsbereiche umsetzen. Hier sei man allerdings auch auf die Mitwirkung der Grundstückseigentümer angewiesen, betonte Gneißl. Allen Interessierten werde auf der gemeindlichen Homepage ein umfassender Bericht zur Gefahren- und Risikobeurteilung für die einzelnen Ortsteile zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus seien Karten mit Gebäudegrundrissen einzusehen, anhand derer man für jede Liegenschaft weitergehende Informationen abrufen könne. Das Material soll laut Gneißl auch dem Staatlichen Bauamt Freising und der Bahn zur Verfügung stehen. Die Ergebnisse sollen zudem in die Bauleitplanung und den Katastrophenschutz der Gemeinde einfließen.

Wifling ist einer von neun Brennpunkten

Einer von neun Brennpunkten ist Wifling. Hier wäre auf dem Hang beim Harlachener Bach ein quer gesetztes Mauerbauwerk mit Drosselungsvorrichtung sinnvoll, um einen Regenrückhaltebereich von rund 10 000 Kubikmetern zu schaffen. Damit könnte verhindert werden, dass bei Starkregen die Wassermassen über die steile Harlachener Straße nach unten schießen und die unteren Siedlungsbereiche überfluten würden. Eine weitere Maßnahme ist der Umbau des Einlaufbauwerks im Harlachener Graben, um eine Verstopfung zu verhindern.

In Hörlkofen habe man eine andere Gefahrenlage. Hier ströme bei Extremregen das Wasser „aus allen Richtungen in den Ort“. Im Ortsteil Stallering könnten die bestehenden Regenrückhaltebereiche vergrößert und Veränderungen im Regenwasserkanalnetz vorgenommen werden.

Gefahr auch durch Stromschläge und auslaufendes Heizöl

Doch damit die Gemeinde Schutzmaßnahmen umsetzen könne, seien Grundstücksverhandlungen und das Entgegenkommen der Eigentümer nötig.

Bei großen Unwetterereignissen bestünden „erhebliche Gefahren für Leib und Leben durch schnell fließende, mitreißende Wasserströme auf überfluteten Verkehrswegen und Grundstücken“, warnte Wasserexperte Frühe. Man könne sich verletzen oder sogar ertrinken, dasselbe gelte bei plötzlicher Flutung von Kellern und Tiefgaragen. Auch Stromschläge bedeuteten eine lebensbedrohende Gefahr.

Grundsätzlich verursache Sturzflutwasser in Gebäuden Verschlammungen und Vernässungsschäden. Austretendes Heizöl aus aufschwimmenden Tanks würde einen besonders hohen Sanierungsaufwand nach sich ziehen. Eine Vorsorge fürs Eigenheim seien bauliche Vorkehrungen. Auch sollte man den Versicherungsschutz überprüfen. Im Bedarfsfall könne das Beratungsangebot der Gemeinde genutzt werden.

„Es kann grundsätzlich jeden überall treffen.“

Als nächster Schritt seitens der Gemeinde erfolgt nun die Maßnahmenentwicklung. Erfahrungsgemäß sei es sehr zeitaufwendig, Schutzmaßnahmen gegen Wasser aus den Außenbereichen zu verwirklichen. Doch Sturzfluten und Starkregenereignisse würden immer öfter und intensiver auftreten. Gneißl: „Es kann grundsätzlich jeden überall treffen.“ Deshalb sei es der Gemeinde ein großes Anliegen, „die Ergebnisse der Untersuchungen transparent zu machen, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und zur Eigenvorsorge zu animieren“. Alle Infos gibt’s auf www.vg-hoerlkofen.de.

Vroni Vogel

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