Stark engagiert: Ulla Dieckmann ist Koordinatorin des Helferkreises.
+
Stark engagiert: Ulla Dieckmann ist Koordinatorin des Helferkreises.

Interview: Ulla Dieckmann berichtet von Problemen des Helferkreises Hörlkofen in Asylunterkünften

„Wir brauchen einen Pandemie-Notfallplan“

Bereits zum vierten Mal war die Hörlkofener Asylunterkunft von Corona betroffen – eine herausfordernde Situation für die Bewohner und die ehrenamtlichen Helfer. Darüber sprachen wir mit Ulla Dieckmann, Koordinatorin des Helferkreises Hörlkofen.

Hörlkofen – Bereits zum vierten Mal war die Hörlkofener Asylunterkunft von Corona betroffen – eine herausfordernde Situation für die Bewohner und das ehrenamtliche Helferteam. Vor der Containeranlage haben sich vergangene Woche Security-Leute postiert, um auf die Einhaltung der Quarantäne zu achten, die für alle Bewohner galt, da sie als Hausgemeinschaft betrachtet werden.

Den Helferkreisen im Landkreis ist es ein großes Anliegen, dass behördlicherseits funktionierende Internetanschlüsse für Homeschooling, Ausbildung und Beruf eingerichtet werden, um in den Unterkünften Unterricht und Kommunikation in Distanz zu ermöglichen und das Recht auf Bildung zu gewährleisten. Die Helfer haben zudem die Bitte an das Landratsamt gerichtet, einen verbindlichen Pandemie-Notfallplan mit verlässlichen Notfallnummern zu erstellen, der gerade an Feiertagen und Wochenenden die Ehrenamtlichen unterstützt.

Ulla Dieckmann engagiert sich als Koordinatorin des Helferkreises Hörlkofen für ein tragfähiges Krisenmanagement. Wir sprachen mit ihr.

Ist es üblich, bei einem Corona-Fall in einer Asylunterkunft Security einzusetzen, und wer entscheidet das?

Ja, das ist eine gängige Praxis. Es ist wichtig, dass die Quarantäne von allen eingehalten wird. Dies entscheidet das Landratsamt in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt. Es dient dem Sicherheitsgefühl sowohl der Nachbarn als auch der Bewohner und Bewohnerinnen der Unterkunft. Wir haben mit den Security-Diensten sehr gute Erfahrungen gemacht, die auch für die Geflüchteten direkte Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner vor Ort waren.

Wie meistern Sie die aktuelle Situation, und welche Aufgaben haben Sie übernommen?

Ich war mit den Bewohnern und Bewohnerinnen der Unterkunft und der Sozialpädagogin des Landratsamts über Telefon in gutem Kontakt, und wusste daher, was benötigt wurde. Die Kommunikation ist wesentlich mit der Gemeinde und der Feuerwehr, falls es einen Notfall gibt. Diesmal war das größte Problem das instabile Internet. So konnten die Auszubildenden in der Unterkunft nicht am Berufsschulunterricht teilnehmen. Aktuell steht ein Bewohner kurz vor der Zwischenprüfung. Der ausbildende Betrieb weist darauf hin, dass der Auszubildende aufgrund der vierten Quarantäne Probleme bekommen wird, den Unterrichtsstoff nachzuholen.

Wie wurden die Bewohner mit Lebensmitteln und Artikeln des täglichen Bedarfs in der Quarantäne versorgt?

Sie wurden von einem Cateringservice mit Mahlzeiten versorgt, beauftragt vom Landratsamt. Besondere Artikel des täglichen Bedarfs und Medikamente, die benötigt wurden, wurden vom Asylmanagement des Landratsamtes besorgt und verteilt. Während der dritten Quarantäne in der Weihnachtszeit haben wir vom Helferkreis Lebensmittel und Spiele zusammengestellt, um vor allem den Kindern die Zeit erträglicher zu gestalten.

Was sind die größten Herausforderungen im Corona-Krisenmanagement?

Wir wissen überhaupt nicht, wie sich das Infektionsgeschehen in der Unterkunft entwickelt, da alle auf engem Raum zusammenleben. Ende Dezember ging es einer Bewohnerin aufgrund ihrer Infektion sehr schlecht, eine Hochschwangere stand kurz vor der Geburt ihres Kindes. Aufgrund der Feiertage konnten wir niemanden im Landratsamt und im Gesundheitsamt erreichen. Es ist eine Herausforderung, den Ernst der Lage über das Telefon zu beurteilen. So waren wir zum Handeln gezwungen. Hinzu kam Anfang Januar, an einem Freitagabend, noch ein Schwelbrand in der Unterkunft.

Wie sind die Bewohner mit der angespannten Situation umgegangen?

Sie waren erstmal geschockt, dass sie schon wieder in Quarantäne sind. Einige hatten Angst, aufgrund der erneuten Quarantänezeit den Arbeitsplatz zu verlieren oder den Anschluss an die Berufsschule. Für die Kinder war es auf dem engen Raum besonders schwierig. Sie haben es alle sehr gut gemeistert, und es gab offensichtlich keine größeren Konflikte.

Was wäre alles noch nötig, um die Lage für alle Betroffenen nachhaltig zu verbessern?

Wir brauchen dringend eine stabile Internetverbindung in allen Unterkünften. Dies fordern die Helferkreise im Landkreis schon lange, und das kann nicht auf die Ehrenamtlichen abgewälzt werden. Das Landratsamt zeichnet für die Unterbringung und das Asylmanagement verantwortlich, dazu gehört auch der Vertragsabschluss für einen stabilen Internetzugang – und das bitte zeitnah. Zudem brauchen wir einen transparenten, nachvollziehbaren Notfallplan, Notfallnummern am Wochenende, in Coronazeiten, aber auch danach. In unserem Fall ist es ein Glücksfall, dass Helferkreis und Gemeinde eng zusammenarbeiten.

Das Interview führte Vroni Vogel.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare