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Im Sempttal wollen die Brüder Franz (l.) und Stefan Mayr Blumenwiesenpatenschaften anbieten.

25 Cent pro Quadratmeter und Jahr

Blumenwiesenpatenschaft als Alternative zur Nutzpflanze

Die Brüder Franz und Stefan Mayr bieten beim Wörther Gemeindeteil Berg Blumenwiesenpatenschaften an – für 25 Cent pro Quadratmeter und Jahr mit einer Laufzeit von zwei Jahren.

Wörth– Die Brüder Franz und Stefan Mayr wollen in der Gemeinde Wörth auf einem idyllischen Flecken entlang der Sempt, gegenüber dem Ortsteil Berg, Blumenwiesenpatenschaften anbieten. Insgesamt stehen rund 2,4 Hektar zur Verfügung. Maschinenbauer Franz Mayr kümmert sich ums Management, Landwirt Stefan Mayr um die Umsetzung.

„Wir möchten dem Wunsch nachkommen, einen Lebensraum für Bienen, Insekten und Wildtiere zu schaffen, aber nicht zum üblichen Preis von 50 Cent pro Quadratmeter, sondern zum halben Preis – besser gesagt, wir verlängern die Laufzeit auf zwei Jahre“, erläutert Franz Mayr. Man sehe die Patenschaften als Alternative zur Nutzpflanze und nicht als „großes Geschäft“. So komme man am Ende mit dem Preis dorthin, was mit einer durchschnittlichen Feldfrucht verdient sei. „Das soll reichen“, so Franz Mayr.

Da er selbst auf einem Bauernhof aufgewachsen sei, wisse er, wie viel Arbeit hinter der Bewirtschaftung stecke. Sein Bruder Stefan weist darauf hin, dass die Anlage einer Blumenwiese Neuland sei, man den Boden gut vorbereiten und pflegen müsse.

Der Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands, Gerhard Stock, sagt auf Nachfrage, dass es sich dabei um ein „sehr faires Angebot“ handle. Man habe einen deutlich höheren Aufwand, als beim herkömmlichen Getreideanbau. Es gehe „nicht primär ums Geldverdienen“, sondern darum, „ein Zeichen für die Ökologie zu setzen“, betont Stock.

Die in Wörth ansässige Naturschützerin und Gemeinderätin der Grünen, Monika Wenger, war von Franz Mayr wegen des Blumenwiesenprojekts kontaktiert worden. „Die Idee ist gut. Das könnte eine Biotop-Vernetzung sein“, sagt Wenger mit Blick auf den naturnahen Standort im Sempttal. Doch es komme auf die richtige Umsetzung an: Man brauche hochwertiges, regionales Saatgut, um die richtige Mischung zu säen. Eine mehrjährige Lösung wäre wünschenswert. „Fünf Jahre wären sehr schön“, so Wenger. Wie die Fachfrau ausführt, gehören unter anderem Glockenblumen, heimischer Klatschmohn, Kornblume, Wegwarte, einige Gräser, Natternkopf und Königskerze zu den geeigneten Pflanzen. Die „Kunst der richtigen Mischung“ sei entscheidend. Wenger weist daraufhin, dass es über 500 verschiedene Arten an Wildbienen gibt. Grundsätzlich sei sie gerne bereit, das Blumenwiesenprojekt mit fachlicher Beratung zu begleiten und sich weiter „schlau zu machen“.

Thomas Gneißl (ÜPWG) sagt zum Vorhaben der Brüder Mayr: „Eine pfiffige Idee ist das allemal.“ Wörths Bürgermeister ist überzeugt, dass das Thema Artenschutz nicht alleine zu stemmen sein wird. „Es ist gut, wenn sich jeder damit auseinandersetzt“ – Privatleute, Landwirte, Kommunen.

In der Gemeinde will man sich Gedanken über die öffentlichen Freiflächen machen. Geeignete Areale sollen als Blumenwiesen angelegt werden, bei anderen Bereichen will man die Grünpflege und die Mähfrequenzen anders gestalten. Einen entsprechenden Gemeinderatsbeschluss gibt es bereits.

Beim Volksbegehren zur Artenvielfalt war die Gemeinde Wörth mit knapp 25 Prozent Spitzenreiter im Landkreis Erding. Es bleibt spannend, wie hier das Blumenwiesenprojekt angenommen wird.

Weitere Infos

zum Projekt gibt es online auf www.Blumenwiese-Woerth.de.

Vroni Vogel

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