Die Gleisanlage zeugt von der früheren Kiesförderung im Baggerweiher – ein Bild aus den 70ern.
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Die Gleisanlage zeugt von der früheren Kiesförderung im Baggerweiher – ein Bild aus den 70ern.
Ein vertrautes Bild mit Oldtimer-Charme: Bereits in den 70er Jahren war der Weiher ein beliebtes Freizeitgelände.
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Ein vertrautes Bild mit Oldtimer-Charme: Bereits in den 70er Jahren war der Weiher ein beliebtes Freizeitgelände.
Ein Gewässer verändert sein Gesicht: Rudi Borgo zeigt einen Plan zur Weihergestaltung. Wörths Altbürgermeister hat viele historische Fotos vom Weiher in seinem Archiv.
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Ein Gewässer verändert sein Gesicht: Rudi Borgo zeigt einen Plan zur Weihergestaltung. Wörths Altbürgermeister hat viele historische Fotos vom Weiher in seinem Archiv.
Der Weiher im Wandel der Zeit: Derzeit ist das Gelände wegen der Corona-Krise für längere Aufenthalte gesperrt.
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Der Weiher im Wandel der Zeit: Derzeit ist das Gelände wegen der Corona-Krise für längere Aufenthalte gesperrt.
Historisches Foto (v. l.): Renate Urban, Ursula Borgo, Josefa Urban und ein Mädchen Anfang der 60er am Weiher.
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Historisches Foto (v. l.): Renate Urban, Ursula Borgo, Josefa Urban und ein Mädchen Anfang der 60er am Weiher.

Vor 60 Jahren ist der Wörther Weiher entstanden

Vom kargen Kiesweiher zum beliebten Badesee

Vor rund 60 Jahren ist der Baggerweiher in der Gemeinde Wörth entstanden. Eine Spurensuche zu einem Gewässer, das im Laufe der Zeit vieles erlebt hat – vom kargen Kiesweiher bis hin zum naturnah gestalteten Badesee.

Wörth– Derzeit ist das beliebte Weihergelände wegen der Corona-Krise für längere Aufenthalte auf Betreiben der Polizei gesperrt worden, darf aber von Spaziergängern weiter passiert werden.

Für Gemeinderätin Renate Speer gibt es einen klaren Weiher-Geburtstag: „Beim Stöbern bin ich auf das Arbeitswochenbuch meines Vaters Fritz Neumaier von 1960 gestoßen, der damals bei der Gemeinde Wörth arbeitete“, erzählt sie. Ihr Vater habe dort seine Tätigkeiten festgehalten. Am 4. April sei demzufolge der Bagger abgeholt, am 5. April der Kiesweiher „abgeräumt“ und am 6. April dort weiter gearbeitet worden. „Somit habe ich wohl die Geburtsstunde unseres so geliebten Badesees gefunden“, freut sich die Hörlkofenerin.

Anfangs nicht für Badevergnügen, sondern zum Kiesgewinn

Im Arbeitsbuch sei auch die Vorgehensweise festgehalten worden: „Es wurde mit dem Ausbaggern im Nordosteck begonnen – Richtung Westen, die ganze Nordseite runter.“ Speer sei schon als Kind dort Schwimmen gegangen, jetzt bevorzuge sie die Abendstunden, manchmal ergebe sich „ein kleiner Ratsch“.

Der Weiher im Wandel der Zeit: Derzeit ist das Gelände wegen der Corona-Krise für längere Aufenthalte gesperrt.

Zunächst war der Weiher nicht zum Freizeitvergnügen ausgebaggert worden, sondern um Kies für Bauprojekte zu gewinnen. Historische Aufnahmen aus dem Archiv von Altbürgermeister Rudi Borgo vermitteln eine nahezu industrielle Werksatmosphäre des damals kaum beschatteten Geländes, zu dem Fördergleise und Maschinen gehörten. In der Wörther Chronik ist zu lesen: „Ende der 50er Jahre leitete die Gemeinde Wörth unter Bürgermeister Niedermaier umfangreiche kommunale Baumaßnahmen ein.“

„Mächtiges Kiesvorkommen“ zwischen Wifling und Wörth

„Um den erforderlichen Kiesbedarf kostengünstig decken zu können, erwarb die Gemeinde ein Areal im Sempt-/Schwillachtal zwischen den Orten Wörth und Wifling“ – mit einem „mächtigen Kiesvorkommen“ unter einer „dünnen Schicht Mooserde“. Borgo verweist auf ein Foto von Anfang der 60er, auf dem neben anderen Kindern seine Schwester Ursula vor dem Weiher fotografiert worden sei. 

Ein vertrautes Bild mit Oldtimer-Charme: Bereits in den 70er Jahren war der Weiher ein beliebtes Freizeitgelände.

Am 29. Dezember 1964 ist laut Gemeindechronik das Fischereikonsortium Wörth gegründet worden, damals als „Interessengemeinschaft zur Ausübung der Fischerei“. Ein wichtiger Ideengeber sei hier mit anderen Gründungsmitgliedern Gemeindeschreiber Josef Grüner gewesen, so Borgo.

Mitte der 60er Jahre wurde der Weiher für den Badebetrieb immer beliebter

1965 sei für 56 400 Mark ein Eimerleiterbagger zur Kiesförderung gekauft worden. Vorher habe man den Kies mit einem sogenannten Fuchsseilbagger aus der Tiefe geholt, berichtet der Altbürgermeister mit Verweis auf Aussagen eines ehemaligen Bauhofarbeiters. Man habe früher zudem ein Schürfrecht für eine Kiesgrube in Reithofen besessen, das unter Borgos Amtszeit in den 90er Jahren zurückgegeben worden sei.

Ein Gewässer verändert sein Gesicht: Rudi Borgo zeigt einen Plan zur Weihergestaltung. Wörths Altbürgermeister hat viele historische Fotos vom Weiher in seinem Archiv.

Mitte der 60er Jahre sei der Baggerweiher in der Gemeinde Wörth für den Badebetrieb immer beliebter geworden. Bilder aus den 70er Jahren belegen den regen Besuch. Laut Gemeindechronik ereignete sich der erste tödliche Badeunfall im Juli 1967 – Anlass, um darüber nachzudenken, wie das Schwimmen gefahrloser werden könne. In der Folge wurde die Wörther Wasserwacht gegründet, die 2018 ihr 50-jähriges Bestehen feierte.

Bürgermeister Gneißl: Als Bub vom Bagger ins Wasser gesprungen

Auf die Frage, ob Borgo selbst gerne den Weiher besucht habe, meint er: „Bis ich Bürgermeister geworden bin, bin ich auch zum Schwimmen gegangen. Aber dann wäre ich dort auch im Dienst gewesen.“ Der amtierende Gemeindechef Thomas Gneißl erinnert sich noch gut daran, dass er als Bub, wie andere Kinder auch, auf den Bagger gekraxelt und von der Schaufel ins Wasser gesprungen sei.

Historisches Foto (v. l.): Renate Urban, Ursula Borgo, Josefa Urban und ein Mädchen Anfang der 60er am Weiher.

Wiflinger Weiher? Wörther Weiher? Eine Frage der Perspektive

Doch wie heißt er denn jetzt überhaupt, der lauschige, kleine See zwischen den Bäumen – Wörther oder Wiflinger Weiher? Das sei eine Frage des Blickwinkels, wo man wohne und von welcher Seite aus man den Weiher ansteuere, erzählen erfahrene und treue Weiherbesucher. Wie auch immer man ihn nennt – der Badesee wird auch in Zukunft Stoff für Erinnerungen bieten. Ein Sehnsuchtsort vieler Menschen, der hoffentlich auch in diesem Sommer für Badefreuden offen steht.

Vroni Vogel

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