Eine Klasse für sich ist der Kirchenchor Dorfen unter Leitung von Ernst Bartmann (l.). Foto: Mini-TV

Kirchenchor Dorfen

Wunderbar stimmungsvoll

Dorfen - Mit zwei Adventskonzerten in Algasing und Dorfen hat der Kirchenchor Dorfener sein Publikum eindrucksvoll auf das bevorstehende Weihnachtsfest eingestimmt.

Ganz bewusst stellte Kirchenchor-Leiter Ernst Bartmann das „Tollite hostias“ von Camille Saint-Saens an den Anfang des Programms. Zwar ist diese Vertonung des 96. Psalms Teil von Saint-Saens Weihnachts-Oratorium. Doch drückt es im Text („Die Erde sei fröhlich vor dem Herrn, denn er kommt“) mehr adventliche Erwartung aus als ein weihnachtlicher Lobpreis der Geburt Jesu. Als vielleicht einzig weihnachtliches Stück konnte Max Regers „Mariä Wiegenlied“ gelten. Die Solistin Petra Bartmann verlieh ihm mit hellem Sopran und exzellentem Gespür für Dynamik stimmungsvoll Ausdruck.

Im weiteren Teil des Programms wechselten klassische Werke mit weniger gängigen und populären ab. Da waren etwa David Hamiltons „Christmas Cradle Song“, Romuald Jermaks „Der Weg nach Bethlehem“ oder „Theo Fischers „Es wandert ein Licht“ ebenso zu hören wie Mendelssohn-Bartholdys grandioses Choralwerk „Richte mich Gott“, eine weitere berühmte Psalmenvertonung. In diesem kamen die große Klasse des Dorfener Kirchenchors und ihres Dirigenten besonders ausdrucksstark zur Geltung, wenn Ernst Bartmann acht Stimmen, dynamisch ausgewogen, souverän durch alle antiphonischen Wechsel zwischen weiblichen und männlichen Stimmen führte. Diese Antiphon steigerte bis sie beim dritten Psalmen-Vers erstmals Männer- und Frauenstimmen im homophonen, klanggewaltigen Ausruf „Sende Dein Licht“ zusammenführte. Glänzend intonierte der Chor dabei den Tonart-Wechsel von Moll zu Dur und überzeugte zum Ende hin, bei schnellerem Tempo, mit einer herrlich befreiend wirkenden Interpretation des „Harre auf Gott, denn ich werde Ihm noch danken“.

Wunderbar stimmungsvoll interpretierte der Chor auch das inzwischen zu einem modernen Weihnachts-Klassiker gewordene „O magnum mysterium“ von Morten Lauridsen mit seinen übereinander gelagerten Vokallinien. Ein Star, ja der Star des Adventskonzerts schlechthin, war Marika Cecilia Riedl an der Harfe. Nicht nur, dass sie mehrere der Chor-Werke meisterhaft begleitete. Ihre Professionalität zeigte sich in drei Solo-Stücken, in denen sie ihrem Instrument ein beeindruckendes Spektrum von Emotionen entlockte und bis zum letzten Takt voll überzeugte. Dabei wurde einem erneut bewusst, wie gesegnet Dorfen mit solchen Musikern und einem solchen Chor ist, dessen hohe Qualität für eine bescheidene Kleinstadt absolut außergewöhnlich ist.

Stefan Teplan

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