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Der neue Vorstand mit Ehrengästen (vorne, v. l.): Matthias Anzinger, Mathias Lohmeier, Philipp Greimel, Bernhard Lanzinger; (hinten, v. l.) Rainer Mehringer (Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung), Jakob Schwimmer (2. Landrat), Johann Eicher, Hans Altmann, Markus Haunolder, Korbinian Taubenthaler, Thomas Zollner und Referent Dr. Thomas Grupp. 

Zahl im Landkreis sinkt

Immer weniger Milchviehbetriebe

„45 Betriebe haben 2018 im Landkreis aufgehört“: Mit dieser Meldung schockierte Vorsitzender Mathias Lohmeier aus Dorfen in der Kreisversammlung des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) im Gasthaus Obermaier in Hörgersberg die gut drei Dutzend Besucher.

VON FRIEDBERT HOLZ

Hörgersberg – „45 Betriebe haben 2018 im Landkreis aufgehört“: Mit dieser Meldung schockierte Vorsitzender Mathias Lohmeier aus Dorfen in der Kreisversammlung des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) im Gasthaus Obermaier in Hörgersberg die gut drei Dutzend Besucher. Und er hatte einen Referenten mitgebracht, der bereits eine Idee darlegte, wie das Geschäft mit der weißen Flüssigkeit doch wieder rentabel und zukunftssicher sein könnte – mit einer A 2-Milch-Produktion.

„18 Prozent beträgt ganz aktuell die Unterdeckung für uns Milchbauern, wenn wir den Milchpreis und unsere Kosten gegeneinander rechnen“, gab Lohmeier als warnende Zahl an seine Kollegen weiter. Er stellte außerdem ein sogenanntes nationales Milchmarktmodell vor, wie es sich Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner vorstellt. „Zudem sollen wir bis 2030 eine eigene Branchenorganisation aufbauen“, gab der Kreisvorsitzende zu bedenken. Doch dafür gab’s nicht viel Beifall im Saal, vielmehr hörbares Unverständnis über diese Theorie aus Berlin.

Spannender fanden hingegen die rund 30 Milchbauern, die Mitglieder im BDM sind, den Vortrag von Dr. Thomas Grupp. Der 59-jährige Geschäftsführer der Bayern-Genetik aus Grub bei Poing, gelernter Tierarzt, Landwirt und Besamungstechniker, plädierte für eine mittelfristig notwendige Umstellung der Produktion auf sogenannte A 2-Milch. Denn sie enthalte kein Beta-Kasein, das nicht nur bei vielen Konsumenten in der herkömmlichen Kuhmilch für Unverträglichkeit sorge. „Auch in weiten Teilen Afrikas, Arabiens, Chinas, Indiens, Südamerikas und Asiens wird nur noch diese Art der A 2-Milch getrunken und verlangt, die einst in Neuseeland entdeckt wurde.“

Auch Grupp beobachtet diese Entwicklung schon seit 2006 und wirbt für die Herstellung der neuen Sorte, „doch Pioniere gelten nicht viel“. Erschreckend sei aber, dass allein Deutschland jährlich rund 250 000 Milchkonsumenten verliere, weil diese mit Allergien oder Laktose-Intoleranz durch die herkömmliche Milch zu kämpfen hätten. „Das sollten und können wir so nicht akzeptieren, schließlich ist Milch das einzige Lebensmittel auf der Welt, das nur für den Menschen gemacht ist.“

Die A 2-Milch könne jeder vertragen, nicht nur empfindliche Menschen. Denn sie habe, ähnlich wie Ziegenmilch, viele natürliche Abwehrstoffe und sei auch gut für die Regeneration der Muskeln, zum Beispiel für Sportler. Dafür aber müsste in Tests das notwendige A2-Fleckvieh herausgefunden oder speziell gezüchtet werden. „Derzeit gibt es hierzulande etwa 33 Prozent solcher Tiere, und im Herbst wollen erste Molkereien nur noch solche A 2-Milch verarbeiten“, so Grupp.

Doch der große Absatzmarkt sei gar nicht Deutschland oder Bayern. „Wir müssen größer denken: Momentan benötigen rund 4,3 Milliarden Menschen auf der Welt diese Art von Milch, und die Zahl wird noch steigen – eine unglaubliche Marktchance auch für uns“. In Australien und Neuseeland sei diese Milch bereits ein riesiger Erfolg, demnächst eröffne auch eine A 2-Milchfabrik in Österreich.

Die Versammlung wählte turnusgemäß noch einen neuen Vorstand, der unverändert blieb.

Der neue Vorstand:

Vorsitzender: Mathias Lohmeier (Dorfen/KD); Beisitzer: Korbinian Taubenthaler (KD), Johann Eicher, Bernhard Lanzinger (alle Dorfen), Matthias Anzinger (Hohenpolding/KD), Markus Haunolder (Pyramoos), Hans Altmann (Pastetten), Thomas Zollner (Eitting) und Philipp Greimel (Lengdorf); KD = Kreisdelegierter.

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