Stimmten polnische Weihnachtslieder an: Organisatorin Margarethe Markwica (2. v. r.), Taufkirchens Pater Paul (3. v. r.) und Holzland-Pfarrer Jacek Jamiolkowski (r.). mel

Zehn Jahre polnische Gemeinde: Eine Weihnachtsfeier im Januar

Taufkirchen - Die polnische Gemeinde im Landkreis wird immer größer. Zum 10. Mal haben sich die Mitglieder in Taufkirchen getroffen, um im neuen Jahr noch einmal ihr Weihnachtsfest zu feiern.

In Taufkirchen treffen sich die Mitglieder der polnischen Gemeinde alle Jahre, um ihr landestypisches Weihnachten zu feiern - auch wenn die Weihnachtstage längst vorbei sind. Es wird gesungen, Oblaten werden geteilt, als Zeichen der Freundschaft, Versöhnung und Zusammenhalt, außerdem werden bei einem großen Büfett ein paar schöne Stunden miteinander verbracht.

Wie immer lud Margarethe Markwica dazu ein. Heuer war es das 10. Jubiläumstreffen im Pfarrsaal. Nach dem offiziellen Teil ist eine Tanzparty angesagt. Seit 27 Jahren lebt Markwica mit ihrer Familie in Taufkirchen. Als ehrenamtliche Helferin für polnische Bürger engagiert sie sich auch im Mehrgenerationenhaus. Das erste Treffen mit und für ihre Landsleute veranstaltete sie 2006. „14 Teilnehmer waren es damals, heute sind es über 100“, erzählt sie strahlend.

Sie begrüßt alle in ihrer Muttersprache, stimmt am Mikro polnische Weihnachtslieder an und führt durch den Abend. Eine neu zugezogene Familie hat sich spontan bereit erklärt, den Abend musikalisch zu begleiten. Anwesend sind viele deutschstämmige Familien aus Polen: Familien, die seit 1989 oder später in Taufkirchen leben, hier ihre zweite Heimat gefunden und teilweise Deutsche geheiratet haben. Auch junge polnische Familien, die erst vor kurzem hergezogen sind, feiern mit. Die Männer arbeiten vor allem bei Himolla und haben ihre Frauen und Kinder nachgeholt. Sie fühlen sich in der Vilsgemeinde so wohl, dass sie hier bleiben wollen. „Wir nehmen sie in Obhut“, erklärt Markwica.

Sie weiß noch genau, wie sie damals nach Taufkirchen kam und ihr Anja Wolf, eine gebürtige Schlesierin, half, sich einzuleben: „Sie war 1989 die einzige Dolmetscherin. Heute ist sie 88 Jahre alt.“ Bei der Jubiläumsfeier ist sie natürlich dabei. Wolf ist eine der nur noch wenigen Vertriebenen, die schon seit 70 Jahren Taufkirchen ihre neue Heimat nennen.

Von Anfang an dabei ist auch Holzland-Pfarrer Jacek Jamiolkowski. Er hat zum Jubiläumstreffen die Ehre, alle Gäste zu begrüßen, obwohl er nicht Hausherr ist. Dieser Part obliegt Pater Paul, der später die Gebete spricht. Jamiolkowski erinnert an die ersten Treffen der polnischen Gemeinde im Pfarrsaal. Damals war hier noch Thomas Zeltler der Pfarrer. In Richtung Bürgermeister Franz Hofstetter meint er: „Sie staunen wahrscheinlich, dass so viele Menschen hier sind. Das Ganze hat sich unter ihrer Obhut entwickelt.“

Die Polen seien da, um zu arbeiten. Inzwischen hätten sie sich auch organisiert und einen polnisch-christlichen Verein gegründet, erzählt der Pfarrer weiter und betont: „Taufkirchen ist sehr freundlich für Ausländer. Sie organisieren das Leben perfekt für die Flüchtlinge und für die Hiesigen, die seit Jahrzehnten das sind.“ Dass sich hier „die ganz Alten und die ganz Jungen“ treffen können, dazu brauchte es eine Idee, eine Initiative, die Margarethe Markwica ergriffen habe, sagte Jamiolkowski und dankte ihr. Auch er lädt seine Landsleute einmal im Jahr ein, zum Sommerfest zu sich nach Hause in den Pfarrhof Steinkirchen.

Die Vorsitzende des polnischen Vereins, Malgorzata Maidl, ergreift danach das Wort. Sie erklärt die Vereinsziele, internationale Gesinnung, Toleranz, kulturellen Austausch, Völkerverständigung, Kontakte zu knüpfen und Traditionen zu pflegen. „Die christlichen Werte an die neue Gemeinde weiterzugeben, ist uns wichtig“, betont sie, deshalb auch das Gebet und der Gesang bei diesem Treffen. Am 17. Juli wird in Erding die Vereinsfahne mit deutschem und polnischem Wappen eingeweiht, kündigt sie an und dankt Markwica mit einem Blumenstrauß.

Als Letzter spricht Bürgermeister Hofstetter und erhält gleich zweimal spontan Applaus. Als er die Anwesenden mit „dobry wieczór“ (guten Abend) begrüßt, wie ihm Pater Paul ins Ohr geflüstert hat, und als er seiner Dankbarkeit über die polnischen Pfarrer in der Region Ausdruck verleiht. Er erwähnt die Vertriebenen, Ausländer und Flüchtlinge, die über die Jahrzehnte nachkamen und den Ort bis heute prägen. Die Griechen und die Polen sind mittlerweile gleich stark „die größten Bevölkerungsgruppen in Taufkirchen“. In der aktuell weltweit schwierigen Phase sei es wichtig „dass man zueinander steht, egal welcher Nation“, betont er. Nur so kann es gelingen, dass man sich gegen den IS-Terror absichert und Integration funktioniert. Alle sollten zur Völkerverständigung beitragen, damit der Zustrom nach Deutschland „letztlich eine Bereicherung für alle“ ist, schloss der Bürgermeister.

Birgit Lang

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