Einige der Filmstars nach der Premiere, in der Mitte Walter Mooser mit Zenzi. foto: aichele

Zenzi und ihre „Hundsbuam“

Wartenberg - Schüler, Lehrer und Schulhund Zenzi sind die Hauptakteure eines Dokumentarfilms über die Ganztagsintensivklasse im Josefsheim.

Zenzi ist der Star im Wartenberger Josefsheim. Die Labrador-Hündin ist quasi die Lehrassistentin von Walter Mooser, dem verantwortlichen Pädagogen der dort angesiedelten Ganztagsintensivklass. In dieser Funktion brachte es die hübsche Blonde sogar zu Leinwandruhm - mit ihr Moosers Team und neun Jugendliche, die in Wartenberg um den Hauptschulabschluss kämpfen. Das erlebten 150 geladene Gäste am Mittwoch im Erdinger Cineplex-Kino bei der Premierenvorstellung eines Dokumentarfilms über die GIK hautnah mit.

„Hundsbuam - Die letzte Chance“ - der Titel ist gleichzeitig Inhaltsangabe der Langzeitdokumentation. Die 14- bis 16-Jährigen sind Zenzis Jungs und Hundsbuam im bayerischen Wortsinn. In der Regel sind sie von ihren bisherigen Schulen geflogen. Bei der letzten Chance auf einen Abschluss werden sie von einem mehrköpfigen Pädagogenteam begleitet. Nach diesem Konzept wird an der Heimvolksschule des Josefsheims seit September 2008 gearbeitet, daneben nur an vier weiteren Schulen in Bayern (wir berichteten).

Regisseur Alexander Riedel drehte im Auftrag von BR-alpha, dem Bildungskanal des Bayerischen Rundfunks, eine Langzeitdokumentation über das Projekt. An rund 100 Drehtagen entstanden in den Jahren 2010 und 2011 über 40 Stunden Filmmaterial. Das 94-minütige Endprodukt zeigt einfühlsame Blicke auf die pädagogische Arbeit in Wartenberg, auf Erfolg und Scheitern im Leben der Jugendlichen und sogar auf die Gefühlswelt einiger Eltern.

„Wir gehen mit unserem Film einen schmalen Grat“, sagte Werner Reuß von BR-Alpha bei der Begrüßung des Publikums aus Landkreispolitikern, Persönlichkeiten der Bildungslandschaft und Betroffenen im Kinosaal. Doch der Film sei „kein voyeuristisches Dokument“, so Reuß, „sondern eine berührende Dokumentation“. Tatsächlich kommen die Filmer und damit die Zuschauer den Betroffenen manchmal geradezu schmerzhaft nah. Wenn Harry mit seinem punkigen Blondschopf und bayerischem Sturkopf einfach den dritten Tag seiner Kochlehre schwänzt, dann möchte man den Burschen aus dem Kino- oder Fernsehsessel heraus zur Vernunft bringen.

Diese Aufgabe übernehmen Mooser und sein Team. Der Lehrer, Sozialpädagogin Lisa Walde und Sonderpädagogin Petra Reichel besprechen das Problem mit Wirt Andreas Mayr. Das Fernsehteam ist dabei. Harry bekommt noch eine Chance - und vertut sie wieder. Seine Eltern sind so mutig und legen vor der Kamera ihre Sicht der Dinge dar.

Die Szenen zeigen, dass die Mitarbeiter der GIK viel mehr als nur Dienst nach Vorschrift tun. Harry ist zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr ihr Schüler, aber die Pädagogen sind zur Stelle. Moosers Handynummer haben die Burschen und ihre Familien sowieso. „Die Lehrer setzen sich für die Kinder ein. Respekt“, sagte Harrys Vater dazu bei der Premierenfeier.

Lisa Walde und das Pädagogenteam konnten ohne Lampenfieber ins Kino gehen. Sie hatten den Film schon auf den Hofer Filmtagen im Oktober gesehen. Damals sei sie sehr nervös gewesen, berichtete Walde. Ihr Fazit: „Ich finde den Film total gelungen.“ Zenzi war im Kinosaal die Ruhe auf vier Pfoten. Das ist auch ihre Aufgabe als Schulhund. „Allein ihre Anwesenheit bewirkt viel“, erzählte Mooser, „die Schüler können etwas Verantwortung für Zenzi übernehmen, und sie beruhigt alle“. Zuweilen auch ihn, gab der Lehrer zu.

Der Ausstrahlungstermin steht noch nicht fest. Der 90-Minüter und eine Fassung mit drei Mal einer halben Stunde werden im Herbst auf BR-alpha gezeigt. Danach womöglich im Bayerischen Fernsehen. (Timo Aichele)

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