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Zuständig für Südbayern

Große Betriebe im Visier

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Es riecht nach frischer Farbe, aus dem zweiten Stock dringt noch etwas Baulärm, das Büro ist ziemlich kahl – an der Bayerischen Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (KBLV) ist alles neu.

Schwaig – Anfang Oktober wurde die Dienststelle im Gewerbegebiet Schwaig bezogen, in angemieteten Räumen neben dem Logistiker ITG und der Airport Academy als Zimmernachbarn. Zum Jahreswechsel beginnen 86 Mitarbeiter der neu gegründeten Behörde mit der Überwachung von rund 600 Lebensmittel-Großbetrieben in ganz Bayern. Der Hauptsitz ist in Kulmbach. Mit 52 Beschäftigten und der Zuständigkeit für 400 Unternehmen in Südbayern ist die Filiale im Gemeindegebiet Oberding aber die größere.

Reaktion auf Bayern-Ei

Nach Lebensmittel-Skandalen wie Müller-Brot und Bayern-Ei hat der Landtag im Juli eine Reform der Lebensmittelüberwachung beschlossen. Die Hälfte der dafür bewilligten vier Millionen Euro sei in die Gründung der KBLV geflossen, berichtet die Leiterin Dr. Claudia Thielen im Pressegespräch am Montag.

„Der interdisziplinäre Ansatz mit Kontrolle und Vollzug in einer Hand ist das, was uns auszeichnet“, erläutert die studierte Tierärztin. Veterinäre, Lebensmittelchemiker und -technologen, aber auch Juristen und Vollzugsbeamte arbeiten in Schwaig in gemeinsamen Büros. Und sie werden auch gemeinsam zu Kontrollen ausrücken. „Das ermöglicht uns, schnell zu handeln“, sagt die Leitende Veterinärdirektorin.

Auch die Kommunikation obliegt künftig der KBLV. „Wir werden unmittelbar zuständig sein für öffentliche Warnungen“, erklärt Thielen.

Das Geschäft der Behörde ist die Überwachung von 600 sogenannten komplexen Betrieben im Freistaat. Es sind Großmolkereien, Großbäckereien, Hersteller von Babynahrung oder Geflügelmastbetriebe, die jeweils mit ihren Erzeugnissen ein Gebiet von mehr als 1,5 Millionen Menschen erreichen. „Wir haben in den letzten Tagen die Bescheide an die Firmen geschickt“, berichtet die KBLV-Chefin.

Insgesamt gibt es laut Thielen in Bayern rund 200 000 Lebensmittelbetriebe. Der Großteil von ihnen werde weiterhin von den Veterinärämtern und weiteren zuständigen Stellen an den Landratsämtern überwacht. In manchen Fällen hätten die Kontrolleure vor Ort aber die Hilfe der Spezialeinheit des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) anfordern müssen. Diese Einheit werde weiter bestehen. „Mit der Übernahme der Kontrolle der Geflügelbetriebe werden aber weitere 20 Stellen vom LGL zu uns kommen.“ Dieser Teil der KBLV-Stelle in Schwaig werde für ganz Bayern zuständig sein.

Auch die Grenzkontrollstelle des Flughafens wird in die KBLV integriert. Damit kommen drei Mitarbeiter des Erdinger Veterinäramts unter Thielens Leitung. Das sei ein wichtiger Grund für die Wahl des Landkreises Erding als Standort gewesen. „Wir sind ja auch zuständig für den Export“, erklärt die Leiterin. Da gebe es einige inhaltliche Überschneidungen. Außerdem habe Oberbayern die größte Dichte an komplexen Betrieben.

Umzug nach Erding in ein paar Jahren

Die Büros in Schwaig sind nur eine Übergangslösung. Das Reformgesetz nennt ausdrücklich Erding als Standort. Doch dort war keine Immobilie zu bekommen. Thielen rechnet mit vier bis fünf Jahren im Gewerbegebiet. „So wie’s aussieht, wird der Dienstsitz neu errichtet“, sagt die Chefin. Wo genau, sei noch nicht geklärt.

Die Mitarbeiter seien ohnehin viel im Außeneinsatz. Doch wegen der Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel werde sich sicher der eine oder andere auf den Umzug nach Erding freuen, meint Thielen. Einer der Beschäftigten komme aber mit dem Fahrrad. Er wohne in Oberding, andere in Erding, München oder Rosenheim. Die 51-jährige Behördenleiterin pendelt aus dem Landkreis München an ihre beiden Arbeitsplätze in Schwaig und Kulmbach. In Oberfranken habe sie aber einen Zweitwohnsitz nehmen müssen. Mit dabei ist meist Thielens Schäferhundmischling Potter. Eine schöne Gassi-Strecke rund um Schwaig sucht sein Frauchen aber noch. 

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