Oberdeife in Dorfen: Achmed Saho (2. v. l.) aus dem Senegal. Mit ihm freuen sich Martine Lefortier (l.) und eine Asylbewerberin mit ihrem Kind. Foto: Weingartner

Ein Flüchtling im Fasching

Zwischen Gaudi und Abschiebe-Angst

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Dorfen - Es ist eine närrische Völkerverständigung: Achmed Saho aus dem Senegal ist Oberdeife bei den Dorfener Faschings Deifen. Der 25-Jährige Flüchtling ist damit seit dem 11.11. das Aushängeschild des Dorfen Faschingsvereins. Doch die Gaudi ist getrübt.

„Wir sind anders. Bei uns ist jeder willkommen!“, heißt das Motto der Dorfener Faschings Deifen. Und darum stand schnell fest, dass in diesem Fasching ein Asylbewerber den Oberdeifi machen sollte – der Verein will dies auch als Zeichen gegen Ausgrenzung verstanden wissen.

Wenn Achmed lacht, stechen einem seine schneeweißen Zähne in die Augen. Doch so richtig Grund zum lustig sein hat der Senegalese nicht. Le Koke, wie er in Dorfen genannt wird, droht die Abschiebung. Achmed hat zwar in Deutschland Asyl beantragt, aber aufgrund des Dublin-Abkommens muss er eigentlich in das Land zurückkehren, von dem aus er Europa betreten hat. In seinem Fall wäre das Italien. Zudem gilt der Senegal in der Asylpolitik Deutschlands als sicheres Herkunftsland, in dem es keine Gefahr für Leib oder Leben gibt.

Achmed Lebenserfahrung ist hier ganz anders. Er hat Angst vor der Abschiebung – fürchtet um sein Leben. Achmed stammt aus dem Süden des Senegal, aus der Casamance. Dort kämpft eine gewalttätige Partisanentruppe seit 1945 um die Unabhängigkeit der Region. Einer der führenden Leute der Partisanen ist Achmeds Vater. Von seinem Sohn hat der Rebellenführer verlangt, mit ihm zu kämpfen. Doch Achmed wollte nicht töten. Sein Vater sieht das als Schande: Er entehrte den jungen Mann und gab ihm zur Verfolgung frei. Achmed musste fliehen. Wenn er erwischt wird, erwartet ihn in seiner Heimat der Tod.

Fünf Jahre lang war Achmed auf der Flucht. Er hat eine lange und gefährliche Odyssee durch Libyen hinter sich, die Überquerung des Mittelmeers war lebensgefährlich. In einem Camp in Sizilien musste er unter menschenunwürdigen Zuständen leben, erzählt er.

Seit er in Dorfen ist, hat sich sein Leben zum Guten entwickelt. Er ist schon gut integriert. Schon seit geraumer Zeit spielt der 25-Jährige bei der Guggamusik der Faschings Deife Trommel. In der 2. Mannschaft des TSV Dorfen spielt er Fußball. Der junge Mann besucht Deutschkurse und arbeitet halbtags als Helfer eines Hausmeisters in einer städtischen Einrichtung.

In Dorfen wird Achmed unter anderem durch Martine Lefortier betreut. Durch sie kam der Senegalese auch zu den Dorfener Faschings Deifen. Hier bleiben zu können, wäre Achmeds Traum. Doch der kann schon in den nächsten Wochen zu Ende gehen – noch bevor der ohnehin kurze Fasching vorbei ist.

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