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Den letzten Schliff verpasst bekommt der Satellit als neues markantes Gebäude (vorne), wenn man sich dem Münchner Flughafen von Osten nähert. Dahinter sind das Terminal 2, das München Airport Center (Bildmitte) mit Parkhaus P 20 (Mitte, links), Hilton Hotel (Mitte, rechts) sowie das Terminal 1, die Zentralallee und Besucherpark (hinten) zu erkennen. Der Neubau wird am Freitag offiziell eingeweiht.

Terminal 2-Satellit am Flughafen

1900 Eröffnungsgäste und zwei prominente Absagen

Flughafen – In 24 Stunden wird das größte Bauprojekt in der Region seit 13 Jahren eingeweiht: Der Satellit vor dem Terminal2 am Münchner Flughafen. Der erste Flieger wird dort aber nicht am Freitag andocken, sondern erst am Dienstag kommender Woche ab 5.30 Uhr in der Früh.

Der Festakt ist der erste Testlauf unter realen Bedingungen, denn die beiden Bauherren Flughafen München GmbH (FMG) und Lufthansa haben 1900 Eröffnungsgäste eingeladen. Zwei wichtige Persönlichkeiten haben jedoch abgesagt: Kanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Horst Seehofer ziehen den Festakt 500 Jahre Reinheitsgebot in Ingolstadt vor – ein weniger vermintes Gelände. Zugesagt haben dafür Finanzminister und FMG-Oberaufseher Markus Söder, Norbert Barthle, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Münchens OB Dieter Reiter, FMG-Chef Michael Kerkloh, Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr und sein Münchner Statthalter Thomas Winkelmann sowie Architekt Norbert Koch.

Das Gesamtinvest von rund 900 Millionen Euro teilen sich FMG und Lufthansa im Verhältnis 60:40. Neun Banken haben den beiden Konzernen Geld geliehen, der Darlehensvertrag ist 446 Seiten dick. Zuletzt ist es FMG und Kranich-Linie gelungen, durch Nachverhandlungen 13,7 Millionen Euro Zinsen einzusparen.

Der Satellit ist nicht nur finanziell ein Gigant. Etwa 1000 Menschen, schätzt FMG-Sprecher Florian Steuer, finden in der Terminal 2-Erweiterung, die das Ausmaß des gesamten Flughafens Stuttgart hat, Arbeit. Elf Millionen Personen können in dem 608 Meter langen und 53 Meter breiten Gebäude pro Jahr abgefertigt werden. Allein die drei Passagierebenen entsprechen der Fläche von 320 Einfamilienhäusern. Shopping- und Gastroflächen umfassen 7000 Quadratmeter. Herzstück ist die Plaza unter dem 46 Meter hohen Vorfeldtower, der ins Gebäude integriert ist. 27 Flugzeuge können am Satelliten andocken. Die Anbindung ans Terminal erfolgt über eine führerlose U-Bahn. Die Fluggäste checken regulär im Terminal 2 ein. Die Gatekennungen K und L weisen auf eine Satellitenposition hin.

Beschlossen wurde der Satellit 2010 im FMG-Aufsichtsrat, erste Arbeiten fanden 2011 statt. Der Grundstein wurde am 23. April 2012 gelegt, das Richtfest folgte am 12. September 2013. Ein Jahr später wurden Dach und Fassade geschlossen. Der Probebetrieb fand im Januar statt.

Kein Grund zum Feiern sehen die Startbahn-Gegner von Aufgemuckt. Deren Sprecherin Helga Stieglmeier wundert sich, „dass der Satellit nur gebaut wird, um eine Luxus-Umsteigezeit von maximal 30 Minuten zu erreichen. Dabei ist das Terminal 1 nicht ausgelastet.“ Erneut weist die Grünen-Politikerin auf den Bericht des Obersten Rechungshofes hin, der in der Finanzierungskooperation „ein Milliardengeschenk an Lufthansa“ erkennt. Dabei sei die FMG ein zu 100 Prozent öffentliches Unternehmen. Sie kritisiert darüber hinaus, dass die neue Einkaufs- und Gastrowelt „eine weitere Konkurrenz für unsere regionalen Geschäfte bedeutet“.

Hans Moritz

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