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Der Münchner Flughafen ist seit der Eröffnung im Jahr 1992 rasant gewachsen.

25-jähriges Jubiläum

Münchner Flughafen: Die Folgen des Mega-Wachstums

Vor 25 Jahren ist der Münchner Flughafen ins Erdinger Moos umgezogen. Seitdem konnte er extremes Wachstum vorweisen. Das hat jedoch nicht nur positive Konsequenzen.

Erding - Die Nacht vom 16. auf den 17. Mai 1992 planten die Flughafenbetreiber minutiös. Denn in jener Vollmondnacht vor 25 Jahren fand der Umzug des Münchner Flughafens statt. Innerhalb von nur 16 Stunden wurde der Flughafen Riem an seinen neuen Standort bei Erding verlegt. Bis heute handelt es sich dabei um den größten Umzug der europäischen Luftfahrt: 80 Speditionen und 5000 Helfer koordinierten den Transfer der Fahrzeuge, Flugzeuge und des Inventars. Dabei hob die letzte Maschine erst um 23 Uhr in Riem ab. Dennoch lief der Mammut-Umzug weitgehend reibungslos - so dass am 17. Mai 1992 die erste Passagiermaschine, eine Boeing 727 aus London, im Erdinger Moos landen konnte. Zoll und Bundesgrenzschutz empfingen die ersten Gäste damals noch hinter Campingtischen.

Diese Landung war die erste von vielen Millionen am Franz-Joseph-Strauß-Flughafen: Seit der Eröffnung der Flughafens im Erdinger Moos sind 25 Jahre vergangen, 681 Millionen Passagiere wurden abgefertigt und 8,4 Millionen Flugbewegungen verzeichnet. Auch ein Vierteljahrhundert nach der Eröffnung wächst der Flughafen immer weiter, wie ein Blick in die Statistiken verrät.

Starkes Wachstum am Flughafen München

Während im Eröffnungsjahr 1992 „nur“ 192.200 Flugzeuge landeten, waren es 2016 394.400 Starts und Landungen im Gesamtverkehr. Das ist eine Steigerung um mehr als das Doppelte. Allerdings sind die Flugbewegungen seit 2008 zurückgegangen. Ein möglicher Grund für diese Entwicklung: Flugzeuge werden größer, außerdem bemühen sich Fluggesellschaften um eine bessere Auslastung.

Die Zahl der Passagiere erreichte 2016 Rekordergebnisse: Mit 42,3 Millionen Gästen wurden so viele wie noch nie zuvor im Erdinger Moos abgefertigt. 1992 hatte der Flughafen lediglich zwölf Millionen Passagiere im gewerblichen Verkehr. Hier ergibt sich also ein Zuwachs um den Faktor 3,5. Seit 1992 ist nur in zwei Jahren die Passagierzahl am Flughafen München zurückgegangen: Im Jahr 2002 waren es wohl die Terroranschläge vom 11. September 2001, die einige Passagiere abschreckten. 2009 litt der Flughafen München unter der weltweiten Wirtschaftskrise.

Die Maschinen am Franz-Joseph-Strauß-Flughafen transportieren jedoch nicht nur Passagiere, sondern auch Luftfracht - im vergangenen Jahr ganze 355.950 Tonnen. Auch das ist ein enormer Zuwachs im Vergleich zu dem Wert von 1992, damals wurden nur 56,8 Tonnen verschickt.

Der Flughafen München freut sich über die Rekordergebnisse und betont die positiven Effekte auf die Wirtschaft der Region. So hat sich die Zahl der Beschäftigten seit der Eröffnung des Flughafens verdreifacht: Inzwischen sind dort rund 35.000 Arbeitnehmer beschäftigt, womit der Standort zu einem der wichtigsten Arbeitgeber der Region geworden ist. Nicht zuletzt bringt der Flughafen den umliegenden Gemeinden hohe Gewerbesteuereinnahmen ein - Florian Steuer, Sprecher des Flughafens, beziffert diese auf 35 Millionen Euro im Jahr 2016. 

Rekordergebnisse nicht unbedingt positiv

Dass diese Entwicklung allerdings auch negative Konsequenzen haben kann, darauf weist Helga Stieglmeier, Pressesprecherin des Aktionsbündnisses AufgeMUCkt hin: „Ein weiteres Wachstum verträgt die Region nicht“, betont die Gegnerin einer dritten Startbahn. Nicht zuletzt aufgrund des Flughafens sei der Zuzug in das Erdinger Moos explodiert. Die Konsequenzen: Steigende Miet- und Kaufpreise bei Wohnraum. Außerdem könnten regionale Betriebe nur schwer mit dem großen Arbeitgeber konkurrieren.

Darüber hinaus bedeute die Zunahme an Starts und Landungen auch eine Erhöhung der Lärm- und Feinstaubbelastung. „Der Lärm ist immer da“, sagt Helga Stieglmeier. Der Flughafen München betont auf seiner Homepage, dass man den Fluglärm ernst nehme. Man habe seit der Eröffnung im Jahr 1992 62 Millionen Euro in Schallschutz investiert. Dabei seien beispielsweise Schallschutzfenster und Lüfter eingebaut worden. Darüber hinaus wird darauf hingewiesen, dass aufgrund des günstigen Standorts des Flughafens nur vergleichsweise wenig Menschen belastet werden. Den individuell Betroffenen hilft das natürlich nicht weiter.

Sie können den Lärm in der interaktiven Karte der Fluglärmüberwachung des Münchner Flughafens verfolgen, in der die Belastung an verschiedenen Punkten beinahe in Echtzeit abgefragt werden kann. Ein Blick in die Karte zeigt, dass in der Umgebung des Flughafens in der Tat ständig sogenannte „Fluglärmereignisse“ gemessen werden. An der Messstelle Achering im Westen des Münchner Flughafens ist die Häufigkeit von Lärm über 65 dB seit 2008 sogar gewachsen, wie unsere Grafik veranschaulicht. Das liegt unter anderem daran, dass inzwischen vermehrt größere Flugzeugtypen eingesetzt werden, erläutert der Flughafen München. Allerdings könnte die Messung auch verzerrt sein, weil die Messstelle 2016 über einen längeren Zeitraum aufgezeichnet hat als 2008. Darüber hinaus konzentriert sich laut Flughafen der Lärm zunehmend auf das Gebiet westlich des Flughafens, während er im östlichen Teil abnimmt. Bei der Entwicklung handelt sich dementsprechend um ein lokales Phänomen an der Messstelle Achering. So sagt auch Helga Stieglmeier, dass die verbesserte Technik die Zunahme des Flugverkehrs teilweise kompensiert habe.

Streit um die dritte Startbahn hält an

Der Flughafen München zieht derweil die Konsequenzen aus dem Wachstum und erweitert das Areal: Im vergangenen Jahr konnte der sogenannte Satellit als Erweiterung des Terminal 2 eingeweiht werden. Zukünftig soll außerdem das Terminal 1 modernisiert und erweitert werden. Weiterhin umstritten bleibt das Projekt „3. Startbahn“. 

Florian Steuer, Sprecher des Flughafens, verweist auf positive Wachstumsprognosen. So sei beispielsweise der Anteil der Billigflieger in München nach wie vor unterrepräsentiert: Momentan liegt der Lowcost-Anteil bei rund sieben Prozent. Deshalb geht der Flughafen davon aus, dass das Angebot an Billigflügen aus und nach München in den kommenden Jahren wachsen wird. Beispielsweise kündigte die Lufthansa-Tochter Eurowings an, mehr Maschinen in München zu stationieren, berichtete airliners.de. Die Billig-Airline Transavia hat sich jedoch wieder aus München zurückgezogen.

Helga Stieglmeier, die gegen eine dritte Startbahn ist, hält auch deshalb dagegen: Das Wachstum sei gekauft und nicht nachhaltig, beispielsweise Billigflieger würden subventioniert. Zu den Plänen des Flughafens, das Billigflugangebot erweitern zu wollen, sagt Stieglmeier: „Dadurch werden vermehrt Flüge produziert, die eigentlich nicht nötig wären.“

Der Streit um die dritte Startbahn bleibt damit auch nach Jahren weiterhin eine Hängepartie. Wenn die Fluggastzahlen weiterhin steigen, könnte es jedoch 2018 ein neues Ratsbegehren geben. Bis dahin fühlt sich der Stadtrat an das Bürgervotum von 2012 gebunden, bei dem sich eine Mehrheit gegen eine zusätzliche Startbahn aussprach.

So feiert der Flughafen das Jubiläum

Am Flughafen München will man sich von den Diskussionen um die zusätzliche Startbahn das Jubiläum nicht verderben lassen. Ab dem 17. Mai sollen die Erfolge der letzten 25 Jahre kräftig gefeiert werden. Es ist ein Festakt in der Residenz geplant und eine Campus-Party für alle Mitarbeiter des Flughafens. Außerdem wird es ein Musikfestival zusammen mit „Bayern 3“ geben, einen Nachbarschaftsabend „für unsere Partner in der Region“ und zwei große Familien-Tage. Dazu kann sich jeder auf der Homepage des Münchner Flughafens anmelden. „Wir werden richtig Party machen“, verspricht der Flughafen-Chef Michael Kerkloh.

bau

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