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Hochprozentiges in rauen Mengen stahl der Münchner (26). Angeklagt war er wegen zweier Straftaten im Herbst 2017 im Edeka im Zentralbereich des Flughafens.

Amtsgericht Erding 

Alkoholsucht macht Berliner zum Serientäter

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Diebstähle ziehen sich durch sein Leben wie ein roter Faden. Vermutlich über Wochen und Monate ist er am Flughafen München auf Beutezug gegangen. Nun musste er sich vor dem Amtsgericht Erding verantworten

Flughafen/Erding Die Rede ist von einem 26 Jahre alten Berliner, der heute in München lebt. Ganz offensichtlich ist er alkoholkrank, aber finanziell nicht so flüssig, dass er seine Sucht auf legalem Weg finanzieren kann. Um Haaresbreite ist der junge Mann an einer Gefängnisstrafe vorbeigeschrammt. Richterin Michaela Wawerla machte ihm unmissverständlich klar, dass das seine letzte Chance gewesen sein dürfte.

Nicolas Wächter von der Staatsanwaltschaft Landshut warf dem 26-Jährigen, der ohne Anwalt im Erdinger Amtsgericht erschienen war, vor, am 16. September und am 21. November 2017 im Edeka im Zentralbereich Flaschen und Dosen mit Hochprozentigem gestohlen zu haben.

Es waren keine großen Mengen, und auch der Warenwert hielt sich in Grenzen. Auf die Anklagebank musste der Münchner, weil es – vorsichtig formuliert – nicht seine ersten Vergehen waren. Wawerla listete ein kaum zu überblickende Vielzahl an Delikten, Geldstrafen und Jugendarresten auf. Allein in den vergangenen zehn Jahren hatte es der 26-Jährige stolze elf Mal mit der Justiz zu tun. Das Delikt: immer das Gleiche – Diebstahl von Alkohol.

Und das dürfte nur die Spitze des Eisbergs sein. Denn der als Zeuge geladene Zivilfahnder der Flughafenpolizei berichtete, dass er den Angeklagten sehr gut kenne. „Er ist immer wieder in dem Edeka-Markt aufgefallen. Immer wieder haben wir ihn beim Klauen erwischt.“ So sei es auch im September und November vergangenen Jahres gewesen. „Entweder ist er an der Kasse vorbei, oder er hat den Eingang als Ausgang benutzt“, so der Polizeibeamte. Auch dem Edeka-Personal sei der Mann bekannt. Längst habe er Hausverbot.

Er wandte laut dem Zeugen immer die gleiche Masche an: „Regelmäßig ist er kurz vor Ladenschluss, also gegen Mitternacht gekommen, wenn nur noch eine Kasse besetzt ist und die Glasfassade bereits geschlossen wird.“ Weiter sagte der Beamte aus: „Zuletzt ist es ruhig geworden um ihn.“ Er glaubt freilich nicht an eine Läuterung: „Wir gehen davon aus, dass ihm der Flughafen zu heiß geworden ist. Jetzt hält er sich woanders auf – und klaut wahrscheinlich dort.“

Der Münchner machte keine Anstalten, die Taten zu bestreiten. Er gab aber an, diesmal gestohlen zu haben, um den Alkohol zu Geld machen. Das habe er heute nicht mehr nötig. Denn seit diesem Jahr habe er einen Job in einem Callcenter.

Wie er sich denn seine Zukunft vorstelle?, wollte Richterin Wawerla wissen: „Ohne Diebstähle“, sagte er. Er wolle zu seinem Vater, der in Spanien lebt. Zur im Raum Traunstein lebenden Mutter habe er kaum Kontakt.

Staatsanwalt Wächter hatte genug. Er plädierte für eine siebenmonatige Haftstrafe – ohne Bewährung. „Die Sozialprognose ist einfach zu schlecht“, zu viel sei vorgefallen.

Wawerla zeigte sich gnädig(er) – und verurteilte den jungen Mann zu fünf Monaten Haft, die für vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt sind. Zudem muss er 1000 Euro an die Suchthilfeorganisation Condrobs zahlen. Die Richterin erklärte, dass er nur sehr knapp am Gefängnis vorbeigeschrammt sei. Sie würdigte aber sein Geständnis, den geringen Wert der Beute und den geglückten Einstieg ins Berufsleben. 

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