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Im Transitbereich des Flughafens ist der Polizei der Geschleuste aufgefallen. Symbolbild

Amtsgericht Erding 

Zehn Monate Bewährungsstrafe für türkischen Schleuser

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Ein 37-Jähriger Türke hatte versucht einen Landsmann von Istanbul nach Deutschland zu schleusen, dafür gab es zehn Monate auf Bewährung.

Flughafen/Erding– Ein Türke hat einen Landsmann über Marokko nach Deutschland geschleust und dafür 5000 Euro kassiert. Wegen gewerbsmäßigen Einschleusens von Ausländern wurde der 37-Jährige, der seit Mitte März in Untersuchungshaft in der JVA Mühldorf sitzt, vor dem Amtsgericht Erding zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Laut Anklage sind die beiden Türken im März gemeinsam von Istanbul über Marrakesch nach München gereist. Dort, im Transitbereich des Flughafens, habe der Geschleuste seinen Pass und seine Bordkarte für den ursprünglich gebuchten Weiterflug in die Ukraine zerrissen und in einen Mülleimer geworfen. Dabei sei er von der Polizei beobachtet worden. Der Schleuser selbst habe seinen Flug nach Kiew antreten wollen – vorher klickten die Handschellen.

Die ermittelnde Polizeihauptmeisterin der Bundespolizei am Moos-Airport berichtete, dass nach ihren Recherchen Geschleuster und Angeklagter gemeinsam in Marrakesch eingecheckt hätten. Auch die Buchung der Tickets sei fast zeitgleich erfolgt. Der 37-Jährige gab an, seinen Landsmann in Marokko zufällig getroffen und ihm beim Check-In geholfen zu haben. Dagegen sprachen mehrere Whats-App-Anrufe zwischen den beiden.

Bereits zu Beginn der dreistündigen Verhandlung räumte der Angeklagte durch seinen Pflichtverteidiger Patrick Schladt aus Landshut den Vorwurf ein, jedoch mit der Maßgabe, kein Geld dafür erhalten, sondern seinen Landsmann lediglich unterstützt zu haben. Nach einem Rechtsgespräch zwischen Gericht, Staatsanwältin und Verteidiger gab er jedoch auch das zu.

Zuvor noch hatte er aus der Haft heraus die Tat in Briefen an Staatsanwaltschaft und Gericht abgestritten. Richter Björn Schindler verlas die Schriftstücke, in denen der Mann beteuerte, für den Geschleusten nur gedolmetscht zu haben. „Ich will von Ihnen Gerechtigkeit, ich habe nichts Illegales getan“, schrieb der Angeklagte und beteuerte, „in einem jämmerlichen Zustand“ zu sein: Seine Familie in der Türkei – der Steuerberater ist verheiratet und Vater von vier Kindern zwischen zwei und zwölf Jahren – „bleibt hungrig“.

Die Staatsanwältin honorierte das Geständnis, so ganz kaufte sie ihm die späte Reue aber nicht ab. „Ich glaube, dass er bis heute nicht einsieht, rechtswidrig gehandelt zu haben“, sagte sie und forderte eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten ohne Bewährung – auch als Abschreckung für andere Schleuser. Der Verteidiger plädierte für sieben Monate auf Bewährung. „Ich bereue das alles und habe genug Lehren aus dieser Sache gezogen“, übersetzte der Dolmetscher die letzten Worte des Angeklagten. Das Schöffengericht beließ es bei einer Bewährungsstrafe.

Dabei hätte das beim Blick in die Anklageschrift auch ganz anders ausgehen können. Dem Angeklagten wurde eine weitere Schleusung zur Last gelegt. Er soll gemeinsam mit seinem Bruder im Juni 2017 einer vierköpfigen türkischen Familie ohne aufenthaltsrechtliche Erlaubnis geholfen haben, ebenfalls über Marokko nach Paris zu kommen. Das Ehepaar, das mittlerweile in Hameln lebt, habe 20 000 Euro bezahlt.

Im Gegensatz zum ersten Fall bestritt der Angeklagte, damit etwas zu tun zu haben. Die Eheleute selbst, die mit Hilfe des Dolmetschers aussagten, konnten zur Aufklärung nichts beitragen. Zwar schilderten beide ausführlich ihre Ausreise aus der Türkei, um in Deutschland Asyl zu beantragen. Dabei hätten ihnen zwei Männer geholfen, der Angeklagte sei jedoch keiner davon gewesen. „Den sehe ich hier zum ersten Mal“, sagte die Ehefrau (31). Bei seiner Vernehmung in Paris hatte das Paar den Angeklagten noch auf Fotos als ihren Schleuser identifiziert, dessen Bruder gar namentlich als Täter genannt. Nun gab der Zeuge an, von der Polizei unter Druck gesetzt worden zu sein.

Die Bundespolizistin erklärte, dass die Zeugen auch bei einem älteren Schleusungsfall, in den der Angeklagte ebenfalls involviert gewesen sei, ihn später ebenfalls nicht mehr erkannt haben wollten – womöglich aus Angst vor negativen Auswirkungen auf ihr Asylverfahren in Deutschland.

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