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Der symbolträchtige Höhepunkt der Kundgebung war das Zu-Grabe-Tragen der Startbahn. Die Lufthansa-Werbung als Kulisse entbehrte nicht einer gewissen Ironie.

Anti-Startbahn-Demo im MAC

Mit Transparenten und Trillerpfeifen in die Höhle des Löwen

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Flughafen - Die Startbahngegner glauben an den Erfolg ihrer Proteste. Rund 200 Demonstranten trafen sich am Montag zur Kundgebung mitten im Flughafen: im Munich Airport Center.

Trauermarsch und das Transparent „Drehkreuz-Wahn“ vor dem Lufthansa-Kranich – die Freisinger Totengräber hatten sich für ihre Protestaktion am Montagabend eine symbolträchtige Kulisse gewählt: die Werbung der Airline an der Fassade des Terminals 2 im Munich Airport Center. Wie schon bei anderen Demonstrationen zuvor trugen sie die geplante dritte Start- und Landebahn zu Grabe, dieses Mal mitten im Herzen des Flughafens. Die gut 200 Teilnehmer der Aufgemuckt-Kundgebung im MAC quittierten das mit Applaus, grimmigen Rufen, Trillergepfeife und Hupen. Sie gaben sich siegessicher. „Die Startbahn wird nicht gebaut werden“, rief Versammlungsleiter Gerhard Müller-Starck seinen Mitstreitern entgegen.

Neben ihm sprachen Freisings Vize-Landrat Robert Scholz (FW), MdL Christian Magerl (Grüne) und MdB Ewald Schurer (SPD). Unter anderem Kranzberg und Attaching waren stark vertreten, und sogar einzelne T-Shirts der BI Altomünster (Kreis Dachau) waren zu sehen. Die Erdinger Farben hielten wie immer die Berglerner Gelb-Hemden hoch. Den musikalischen Rahmen gab eine spontan zusammengewürfelte Blaskapelle aus dem ganzen Kreis Freising. Aber nicht nur bei der von den Bläsern in Tracht begleiteten Bayernhymne am Schluss hatten die Demonstranten Gelegenheit zum Singen. „O mei, O mei. Was fallt denn euch bloß ei, juche“, johlte der Protestchor mit jeder Wiederholung lauter mit. Ernst Schussers Anti-Startbahn-Gstanzl begleitete Manfred Neumeier aus Freising zwischen den Reden mit seinem Akkordeon.

„Wir haben es satt, derart getäuscht zu werden“, erklärte Müller-Starck. Die Klagen der FMG über Kapazitätsengpässe seien falsche Behauptungen, erklärte er. Die eigenen Zahlen des Airport-Betreibers würden zeigen, dass die beiden existierenden Pisten nicht einmal zu 90 Prozent ausgelastet seien. „Das hat mit Überlastung nichts tun.“ Zudem hinke München im Vergleich zu anderen Airports bei der Umstellung auf große Flugzeuge hinterher.

Scholz erinnerte an den Juli 2005, als die Entscheidung zum Bau von Startbahn 3 verkündet worden sei. „Wir befinden uns damit im elften unseres Kampfes.“ Dank des Bürgerentscheids in München seien die Chancen der Startbahngegner aber sehr gut. Das Ausbauprojekt sei überflüssig und würde nur den wirtschaftlichen Interessen von Lufthansa und FMG dienen, erklärte der FW-Politiker – „und das auf unsere Kosten. Die Region ist in punkto wohnen und Verkehr sowieso schon überhitzt“.

Anti-Startbahn-Demo am Flughafen München

In diese Kerbe hieb auch Schurer. „Wir brauchen in der Region zehntausende bezahlbare Wohnungen“, sagte er. Der Startbahnbau würde diese Not nach seinen Worten nur verschärfen. „Wir haben keinen Engpass bei der Mobilität in der Luft, sondern im öffentlichen Nahverkehr“, erklärte der Bundestagabgeordnete. Der Erdinger S-Bahn-Ringschluss werde bereits seit 20 Jahren versprochen. Gleichzeitig werde die Startbahn mit „vordemokratischen“ Mitteln, also ohne Einbeziehung der betroffenen Kommunen, durchgedrückt. Schurer berichtete von Gesprächen mit seinem Genossen, Münchens OB Dieter Reiter über einen eventuellen neuerlichen Bürgerentscheid: „Er ist überzeugt: Wenn es noch einmal zur Abstimmung kommt, dann wäre die Ablehnung noch eindeutiger.“

Für Magerl wäre die dritte Startbahn ökonomisch und ökologisch schädlich. Die Luftfahrt werde stark subventioniert. Bei einem jährlichen Verbrauch von zehn Milliarden Liter in Deutschland ergebe die Mehrwertsteuerbefreiung für Kerosin „ein Steuergeschenk von 6,5 Milliarden Euro pro Jahr“. Nach seinen Worten „eine eklatante Verzerrung des Wettbewerbs“ im Verkehrssektor. In München züchte die FMG den Bedarf künstlich hoch, unter anderem durch Marketingzuschüsse für Airlines. „Seit 2005, also seit Bekanntwerden der Startbahn-Pläne, hat man viel Geld in die Hand genommen, um Fluggesellschaften anzulocken. Das Wachstum ist ein gekauftes.“ Das führe zum Beispiel zur subventionierten Ansiedlung der Billig-Airline Transavia mit Verbindungen zu Zielen, die andere schon anböten. „Was mich aber am meisten betrifft, ist der Umgang mit Mensch und Natur“, rief der promovierte Biologe. Das Projekt liege mitten in einem europäischen Vogelschutzgebiet. Magerls Fazit: „Wir werden nicht aufhören zu kämpfen, bis die Pläne gestoppt sind.

Feier zum Jahrestag:

 „Ohne den Münchner Bürgerentscheid würden wir hier nicht so hoffnungsfroh stehen“, brummte Hartmut Binner am Ende ins Mikro. Daher rief er dazu auf, möglichst zahlreich an der Feier zum Jahrestag des Bürgerentscheids 2012 am Freitag, 17. Juni, teilzunehmen. Treffpunkt zu der Kundgebung ist um 11 Uhr der Richard-Strauss-Brunnen an der Neuhauser Straße in München

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