+
Bayern und die Welt im Bild: FMG-Kommunikationschef Hans Joachim Bues, die Preisträger-Fotografen Florian Bachmeier und Sachelle Babbar, Jury-Vorsitzender Hans-Eberhard Hess und BJV-Vorsitzender Michael Busch (v. l.) bei der Vernissage.

Ausstellung Pressefoto Bayern im Terminal 2

Bilder, die laut schreien

  • schließen

Ein deutsch-türkischer Journalist im Gefängnis, ein Medienhasser als US-Präsident, Lügenpresse schreiende Pegida-Chöre – Medien haben derzeit einen schweren Stand. Wie wichtig Pressefotos in einem freien Land sind, demonstriert die Ausstellung Pressefoto Bayern im Terminal 2.

Flughafen - Zum 17. Mal hat der Bayerische Journalistenverband (BJV) die besten Pressefotos gekürt. Zum zwölften Mal gastiert die Wanderausstellung am Flughafen. Am Dienstagabend wurde sie auf der Abflugeebene des Terminals 2 eröffnet.

Es war keine übliche Vernissage, in der man die Schönheit der Exponate lobt. Im Gegenteil: Die Reden waren geprägt von Sorge über die weltpolitische Lage sowie von Kritik an der Behandlung der Fotografen durch einige Medienhäuser.

Die Besonderheit der Einführung: An ihr nahmen zwei Preisträger teil. Das Pressefoto des Jahres zeigt schwer bewaffnete Polizisten am Stachus während des Amoklaufs am Olympia Einkaufszentrum am 22. Juli. Aufgenommen wurde es von Sachelle Babbar. Er erklärte, er habe bewusst nicht das OEZ aufgesucht, sondern wollte zeigen, wie es am Stachus zuging, wo irrtümlicherweise auch von einer Schießerei die Rede war. „So konnte ich einen Beitrag gegen Fake News leisten“, sagte Babbar.

Florian Bachmeier gewann in der Kategorie Serie – mit beklemmenden Fotos aus dem griechischen Flüchtlingscamp Idomeni.

Hans-Joachim Bues, Kommunikationschef der Flughafen München GmbH (FMG) erklärte, es sei wichtig, dass es professionelle Bildjournalisten gebe. Sie hätten einen immer schwereren Stand, seit jeder mit seinem Handy knipsen könne. Auch sprach er die schwierige wirtschaftlichen Lage durch niedrige Honorare an. Es sei gerade in der heutigen Zeit wichtig, den Blick wieder auf den Qualitätsjournalismus zu richten. Bues sagte das vor dem Hintergrund des „aus fadenscheinigen Gründen inhaftierten“ deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel, US-Präsident Donald Trump, der Medien als „Verräter des Volkes“ bezeichnet, der Mode gewordene Beschimpfung „Lügenpresse“ sowie der grassierenden Fake News im Netz und Alternativen Fakten.

BJV-Vorsitzender Michael Busch erklärte, einige Bilder legten Zeugnis von den schwierigen Bedingungen ab, unter denen Journalisten oft arbeiten müssten. Damit meinte er in erster Linie die Krisenherde.

Busch ging aber auch mit so manchem Verlag hart ins Gericht, „die Honorare zahlen, die nur als Geringschätzung der Arbeit der Kollegen gewertet werden können“. Er kenne Häuser, die gerade einmal 3,57 Euro pro Bild zahlten. „Das ist nicht fair“, so Busch, der an eine Einigung des BJV mit den Verlagen erinnerte. „Viele halten sich nicht daran.“

Jury-Vorsitzender Hans-Eberhard Hess äußerte die Hoffnung, dass gerade im Flughafen viele Menschen die Bilder zu Gesicht bekämen. Er animierte dazu, die Bilder zu lesen.

Die 80 ausgestellten Motive – insgesamt wurden 900 Bilder eingereicht – zeigen nicht nur politische und zeitgeschichtliche Motive etwa von Flüchtlingen, dem Hochwasser in Niederbayern und dem Bahnunglück in Bad Aibling. Es gibt auch Motive, die bayerisches Lebensgefühl vermitteln, darunter einer Serie aus dem Wallfahrtsort Altötting. Eine populäre Kategorie ist die Sportfotografie.

Auch die Region findet sich in der Ausstellung wieder. Von Stefan Rossmann, Fotograf der Ebersberger Zeitung, sind zwei Motive. Vertreten ist auch der Erdinger Fotograf Alexander Hassenstein.

Die Ausstellung „Ereignisse brauchen Bilder – Pressefoto Bayern 2016“ ist bis Montag, 1. Mai, auf der Abflugebene des Terminals 2 zu sehen. Der Eintritt ist frei. Zusätzlich werden die Preisträger früherer Jahre gezeigt.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Schwerer Unfall auf der Flughafentangente: Skoda kracht in Mercedes 
Glück im Unglück hatten die Beteiligten an einem schweren Unfall am frühen Samstagabend auf der Flughafentangente Ost.
Schwerer Unfall auf der Flughafentangente: Skoda kracht in Mercedes 

Kommentare