Versammelte Prominenz: Über 200 geladene Gäste verfolgten gestern den Starkbieranstich in der Airbräu-Tenne (Bild 1). Die schäumende Rede ließen sich unter anderem die kommunalpolitischen Vertreter aus der Flughafenregion nicht entgehen. Unter den Besuchern waren auch Werner Brombach, Inhaber des Erdinger Weißbräu, Edda Huther vom Nachbarschaftsbeirat und FMG-Chef Michael Kerkloh. Bereits zum zehnten Mal erwiesen sich Ingo Anspach und Stoiber-Double Wolfgang Krebs als kongeniales Duo. (Bild 2/v. l.)
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Versammelte Prominenz: Über 200 geladene Gäste verfolgten gestern den Starkbieranstich in der Airbräu-Tenne (Bild 1). Die schäumende Rede ließen sich unter anderem die kommunalpolitischen Vertreter aus der Flughafenregion nicht entgehen. Unter den Besuchern waren auch Werner Brombach, Inhaber des Erdinger Weißbräu, Edda Huther vom Nachbarschaftsbeirat und FMG-Chef Michael Kerkloh. Bereits zum zehnten Mal erwiesen sich Ingo Anspach und Stoiber-Double Wolfgang Krebs als kongeniales Duo. (Bild 2/v. l.)
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Aviator-Starkbierrede 2017 

Dom, Domina und ein beschissenes Erding

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Da kann München nicht mithalten: Der Salvator von Paulaner ist nicht nur das schwächere Starkbier als der Aviator aus dem Airbräu. Die Rede von Ingo Anspach, vorgetragen von Edmund Stoiber alias Wolfgang Krebs, war auch stärker als die von Mama Bavaria auf dem Nockherberg.

Flughafen – Kabarettist Wolfgang Krebs muss aufpassen. Am Flughafen hat er starke Konkurrenz als Starkbierredner. Schon die Begrüßung von Allresto-Chef Gerhard Halamoda strapazierte die Zwerchfälle von über 200 geladenen Gäste bei der Aviator-Starkbierprobe im Airbräu am Flughafen. Halamoda bekannte mit Hinweis auf seinen christlichen Glauben: „Mir ist ein Starkbier im Diesseits lieber als 72 Jungfrauen im Jenseits.“

Aufpassen müssen aber auch die Gäste: Der Gerstensaft, den Braumeister René Jacobsen gestern in der Airbräu-Tenne anzapfte, hat es in sich: 20,2 Prozent Stammwürze und 8,9 Prozent Alkohol. Halamoda konnte sich den Hinweis nicht verkneifen, dass der am Vorabend auf dem Nockherberg angestochene Salvator „nur“ 18 Prozent Stammwürze und 8,0 Prozent Alkohol aufweise.

Autor Ingo Anspach führte er als „Flughafenliterat“ ein, dem er schon längst den Nobelpreis verliehen hätte. „Aber es fragt mich ja keiner.“

Danach überließ der Allresto-Chef Wolfgang Krebs die Bühne, der als Edmund Stoiber heuer schon zum zehnten Mal am Flughafen kräftig derbleckte.

Vom Gutmenschen zum Wutmenschen

Stoiber feierte sich – wen wundert’s – zunächst einmal vor allem sich selbst. Als er vor zehn Jahren das erste Mal hier gesprochen habe, war Barack Obama noch nicht Präsident. Und Fidel Castro verabschiedete sich in Kuba von seinen Staatsämtern. „Inzwischen hat Castro seinen letzten Urnengang hinter sich. Ich bin noch da.“

Über Obamas Nachfolger Trump spottete er: „Unsere westliche Wertegemeinschaft steht fassungslos vor einer nie da gewesenen Frisur, äh Zäsur.“ Die Amis hätten mit der Wahl Trumps, dem Häuptling Tweeting Bull, dem „Trumpelstilzchen der Weltpolitik“, den „Schritt vom Gutmenschen zum Wutmenschen gewagt“.

Den bayerischen Wählern riet er, bei der Bundestagswahl das Kreuzchen bei der CSU zu setzen. „Damit wählen Sie direkt CSU, kriegen aber auch die Ferkel zu Massen, äh die Merkel zu fassen.“ Und: „Mit Ihrer Stimme verhelfen Sie dem Sauhofer zu neuer Sehstärke, äh dem Seehofer zu neuer Saustärke.“

Mit Spannung erwartet wurden Stoibers Einlassungen zur Kommunalpolitik. An der Krähenplage und der geplanten Logistikhalle in Erding kam er freilich nicht herum. „Hier ist das Wachstum der Saatkrähen zur Zeit größer als das der Bevölkerung. Von den Vögeln gibt es in Erding mittlerweile so viele, dass es für einige Teile der Stadt bereits ziemlich beschissen aussieht.“

Die Logistikhalle könnte doch perfekt genutzt werden, um alle Krähen sowie sämtliche Zugvögel dort das ganze Jahr über anzusiedeln. „Bisher fürchten die Erdinger ja eher, dass sich hier Heuschrecken ausbreiten.“

Von den Eiern der Krähen kam Stoiber auf Umweltministerin Ulrike Scharf. „Ihr wird ja vorgeworfen, sie habe bei Bayern-Ei zu lange herumgeeiert. Da stellt sich die alte Frage, wer zuerst da war, die Henne oder das Bayern-Ei.“ Sollte Scharf straucheln, könnte der Erdinger Landrat Martin Bayerstorfer unter Ministerpräsident Markus Söder Landwirtschaftsminister werden. „Dann wird der Oberbayer zum Oberbauern.“

In Oberding mache der Bürgermeister angesichts der hohen Steuereinnahmen die (Bernhard) Mücke zum Elefanten. Weil es keine Zinsen mehr gebe, werde auch im Flughafendorf das Geld eher unter der Matratze gehortet. „Die haben so viel Kohle, dass sie eine Dreifachturnhalle bauen, damit sie dort die überdimensionierten Matratzen unterbringen können.“

Max Gotz als neuer Heinrich der Löwe

Stoiber will zudem erfahren haben, dass die Startbahngegner bereits Sturm laufen gegen die Pläne des Freisinger Museums, während der Umbauzeit als fliegende Sammlung durch die Region zu ziehen, um einzelne Exponate zu zeigen. „Die sehen darin den durchsichtigen Versuch, die Flugbewegungen künstlich hochzuschrauben.“

Mit über 50 000 Einwohnern stehe Freising nun „im neuen Spannungsfeld zwischen Dom und Domina. Denn jetzt sei die Prostitution nicht mehr aufzuhalten. „Das bedeutet, dass die Lichterzeichen demnächst wohl auf Rot gestellt werden.“

Zwischen den beiden Städten sieht Stoiber neues Konfliktpotenzial heraufziehen, wenn in Erding die Freisinger Brücke abgerissen wird. „Freisings OB Tobias Aschenbecher, äh Eschenbacher hält das Argument der Baufälligkeit für vorgeschoben und vergleicht seinen Erdinger Amtskollegen Gotz mit Heinrich dem Löwen, der 1158 ebenfalls eine Freisinger Brücke zerstört hat. Das hat bekanntlich zur Gründung Münchens am heutigen Standort geführt.“

Von Hans Moritz

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