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In München ruft der Nochkehrberg, am Flughafen die Airbräu-Tenne: Über 200 geladene Gäste ließen sich den elften Auftritt von Stoiber-Double Wolfgang Krebs nicht entgehen – hier marschiert er zum Bayerischen Defiliermarsch der „Lustigen Holledauer“ durch die Stuhlreihen.

Aviator-Starkbierrede im Airbräu

Gartenschau: Fliegerhorst wird Fliederhorst

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Am Tag nach dem Tag der Muttersprache wurden am Flughafen deutliche Worte gesprochen. Kabarettist Wolfgang Krebs schlüpfte zum elften Mal in die Rolle des sprachstolpernden Edmund Stoiber. Damit ist die Starkbierzeit am Airport eröffnet. Aviator heißt der Trunk.

Flughafen – Es gibt nicht Wenige, die die Starkbierrede im Airbräu am Flughafen für wortwitziger und tiefgründiger halten als die auf dem Nockherberg. Die über 200 geladenen Gäste in der Tenne erlebten am Donnerstag einmal mehr den genialen Wortakrobaten Wolfgang Krebs, Kabarettist und Autor aus dem Allgäu, in seiner Paraderolle als Edmund Stoiber. Geschrieben hatte die Rede FMG-Pressechef Ingo Anspach (Interview unten).

Zuvor ergriff einer das Wort, der ebenfalls um keinen flotten Spruch verlegen ist: Allresto-Chef Gerhard Halamoda. Der heißt in Starkbierzeiten wahlweise Halalmoda oder Allrestoteles. Er begrüßte zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft und vom Flughafen. Der Aviator weise neun Prozent Alkohol und 20 Prozent Stammwürze auf. „Vielleicht kann man ihn als Treibstoff einsetzen, wenn das Dieselverbot tatsächlich kommt.“ Zu den neun Prozent merkte Flughafenchef Michael Kerkloh an: „Das ist ja so viel wie beim Wein.“ Halamoda konterte: „Der Aviator schmeckt aber besser.“

Kloturm in Freising: Ein Gotteshäusl

Besonders gespannt war das Publikum, was nach am Anzapfen durch Braumeister René Jacobsen Wolfgang Krebs als Edmund Stoiber zum Flughafenumland zu sagen, äh zu stottern hatte. Doch zunächst einmal bemühte er die ganz Großen aus Musik und Literatur: „Herzlich willkommen hier in der schönen Airbräu-Tenne, von der ja schon der große Johann Wolfgang Amadeus von Goethe einst sagte: ,Von all den Schänken, die ich kenne, ist mir die liebste doch die Tenne.‘ Gefallen seien diese Worte bei Goethes Italienreise mit Air Dolomiti in einem seiner viel zitierten Briefe an Neckermann.

Stoiber fragte sich, „was eigentlich die Uli Scharf macht, wenn die Staatskanzlei erst mal zum Markusplatz wird?“ Ihre Nominierung mit 99,2 Prozent sei besser als die 100 Prozent von Martin Schulz, „weil man ja gesehen hat, wohin sowas führt“. Nun komme es aber erst mal darauf an, „wie die Uli aus dem Ei kommt, also aus dem Bayern-Ei“. In der neuen Kontrollbehörde in Schwaig werde dank ihr jetzt „sehr scharf“ überwacht.

Eine mögliche schwarz-grüne Koalition in Bayern lehnte Stoiber strikt ab: „Das ist ja wie Schweinsbraten mit Vanillesoße. Das können doch nur Leute wollen, die beide Parteien hassen.“

Über Freising meinte er: „Die Innenstadt erinnert Freunde der Archäologie inzwischen an Troja zum Zeitpunkt des Besuches von Heinrich Schliemann.“ Am meisten Furore habe in Freising allerdings ein ganz anderes Bauvorhaben gemacht – das Oktogon. „Nein, keine Freisinger Tintenfischart, sondern der frühere Toilettenturm am Domberg. Also kein Gotteshaus im engeren Sinn, eher schon ein Gotteshäusl.“ Stoiber erinnerte daran, dass der Stadtrat den Abriss abgelehnt und daraufhin die Diözese laut über eine Verlegung des Museums nachgedacht habe. „Dabei hätte man auf dem Domberg doch eigentlich wissen müssen, dass die Freisinger Stadträte grundsätzlich immer erst einmal alles ablehnen, und dies aber keineswegs persönlich meinen.“

Garten Erding statt Garten Eden

Schwierige Zeiten prognostizierte er Neufahrn, im Sommer wegen einer Gleisbaustelle kaum zu erreichen. „Da geht es nur noch auf Umwegen oder mit Hilfe von Schleusern nach München.“

Auch das Machtgerangel ums Erdinger Klinikum hatte Stoiber erreicht. Er empfahl Landrat Martin Bayerstorfer, die eingekaufte wöchentliche Sendezeit bei TV München doch zu nutzen, das chronisch margenkranke Klinikum Erding dauerhaft in die Gewinnzone zu führen. „Medizinthemen laufen ja immer gut im Fernsehen, da gibt es von der Schwarzwaldklinik bis zum Bergdoktor viele Vorbilder. Und Sie, lieber Herr Bayerstorfer sitzen bei diesem Thema mittlerweile ohnehin praktisch ganz allein im Regiestuhl.“ Denn alle im Klinikum müssten auf ihn hören. „Wie es hieß, haben Sie damit ab sofort auch mehr Kompetenzen im operativen Geschäft der Klinik. Ist das so zu verstehen, dass Sie jetzt da auch schon mal selber zum Skalpell greifen? Ich bin mir nicht ganz sicher, ob solche Einschnitte der richtige Weg zur Kostensenkung sind“, lästerte Stoiber, um sich gleich den nächsten Versprecher zu leisten: „Herr Landarzt, äh Herr Landrat.“

Flughafen: Biotop für veganes Fliegen

Eittings Bürgermeister Georg Wiester zollte er angesichts der Rewe-Frischelager-Expansion seinen Respekt, „weil Ihre Gemeinde beste Chancen hat, zur europäischen Gurkenmetropole Nummer eins zu werden“.

Zu den Landesgartenschau-Bewerbungen der Städte Erding und Dorfen merkte Stoiber an, dass Dorfen somit die „schöne Gelegenheit hat, in unmittelbarer Nachbarschaft zu erleben, wie man so was macht“. In Erding würde aus dem „Fliegerhorst ein Fliederhorst, wenn zwischen Sempt und Fehlbach tausend Blumen blühen. Der Garten Eden war gestern, die Zukunft gehört dem Garten Erding, wie OB Max Gotz ihn erschaffen wird.“ Sollte es mit der Bewerbung nicht klappen, könne Gotz ja angesichts der nur langsam vorankommenden Ringschluss-Tunnelpläne „immer noch zu einer Landesgrabenschau einladen“.

Ein bisserl wehmütig wurde Stoiber, als er den Abschied von Rudolf Strehle zum Jahresende ankündigte, „Der Regionalbischof, äh Regionalbeauftragte ist ja gewissermaßen der sprechende Geldautomat der FMG für Vereine und soziale Einrichtungen.“

Den Airport-Ausbau streifte Stoiber nur: „Bei der dritten Start- und Landebahn geht weiter überhaupt nichts vorwärts, weil ja mal wieder Wahlen anstehen und die Politik das Thema deshalb nicht anfassen will.“

Wahl: Worst Case oder Horst Case?

Zum Hin und Her seit der Bundestagswahl merkte er an: „Sollen wir die Bundesregierung komplett austauschen oder reicht vielleicht auch ein Software-Update bei Angela Merkel?“ Die Verluste für die CSU seien der Worst Case gewesen, an dem Seehofer schuld sei, „deshalb Horst Case“. Nun komme eine Doppelspitze: „Markus Seehofer und Horst Söder, die wohl innigste politische Brüderschaft seit Kain und Abel.“

Noch desolater ist für Stoiber die Lage der SPD: „Wie konnten die überhaupt zulassen, dass ihr scheidender Parteichef selbst beim Abgang noch mal so ein Chaos anrichtet. Das hätte man dem doch sagen müssen, dass das Auswärtige Amt keine Wiederaufbereitungsanlage für ausgebrannte SPD-Führungsstäbe ist.“

Auch die Lufthansa nahm sich der Starkbierredner zur Brust: Er rechnete vor, dass man nur zehn Flüge mit dem Riesen-Airbus A 380 – eine „fliegende Wohnsiedlung“ – benötige, um alle 50 538 Freisinger nach China zu bringen. Ob das nicht Kerklohs finsterer Plan sei? Die Bemühungen der FMG, bis 2030 klimaneutral zu werden, hätten das Ziel, „den Flughafen in ein Biotop für veganes Fliegen zu verwandeln“.

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