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Hatte gut lachen: Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte gute Nachrichten für München. Das Drehkreuz des Süden gewinnt an Bedeutung. Hier steht er vor einem der neuen Flugzeuge: dem neuen Langstreckenjet A350-900. Zehn sollten nach München kommen, nun werden es 15.

Bilanzpressekonferenz erstmals im Erdinger Moos

Lufthansa will in München kräftig wachsen

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„Ab in den Süden“ heißt es fürdie Lufthansa. Deutschlands größte Airline will am Flughafen München kräftig wachsen – vor allem mit ihrer Tochter Eurowings. Im Rücken hat der Konzern trotz Rekordstreiks ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2016.

Ein sichtlich zufriedener Konzernchef trat gestern vor die Presse: Lufthansa-Vorstandsvorsitzender Carsten Spohr hat nicht nur mit den streikenden Piloten eine Einigung erzielt. Zwei Tage vor der Bilanzpressekonferenz wurde das Terminal 2 am Münchner Flughafen zudem von Skytrax zur weltweiten Nummer eins erkoren – wohl wegen des vor fast genau einem Jahr eröffneten Satelliten, ein Gemeinschaftsprojekt der Airline und der Flughafen München GmbH (FMG). Der Flughafen selbst liegt, wie gestern berichtet, europaweit auf Platz eins, weltweit auf Platz vier.

In eben diesem Satelliten stellten Spohr und sein Finanzvorstand Ulrik Svensson den Geschäftsbericht 2016 vor – eine doppelte Premiere. Es war die erste Bilanzpressekonferenz in München. Zum anderen steht neben der unlängst erfolgten Vorstellung des A350 als neuer Langstrecken-Jet der Start der Low-Cost-Airline Eurowings aus dem Erdinger Moos unmittelbar bevor. So stark, versichert der Konzern, ist Eurowings von keiner seiner zwölf Basen abgehoben: Ende März kommt Eurowings mit vier Flugzeugen vom Typ Airbus A 320 ins Erdinger Moos.

Diese werden 89 Flüge pro Woche zu 32 Zielen absolvieren – darunter zehn, die bisher von der Lufthansa-Gruppe am München noch nicht angeflogen wurde. Bei den Maschinen handelt es sich teils um frühere, umlackierte Flugzeuge der Air Berlin, die mitsamt Crews im Rahmen eines so genannten Weat-Lease-Abkommens („Warmmiete“) übernommen wurden.

So will der Konzern den Punkt-zu-Punkt-Verkehr verbessern – vor allem zu Urlaubszielen und europäischen Metropolen.

Neu war Spohrs Botschaft, dass es nicht bei zehn neuen Langstreckenflugzeugen vom Typ A350-900 am Standort München bleiben werde: „Es werden 15.“ Nach Informationen unserer Zeitung sollen die ersten sieben noch heuer in Dienst gestellt werden, die anderen acht in den nächsten Jahren.

Für Spohr steht fest: „München wird im Vergleich zu unseren Drehkreuzen in Frankfurt, Österreich, der Schweiz und Belgien eine größere Rolle übernehmen als heute.“ Das war als klarer Seitenhieb gegen den Flughafen Frankfurt zu verstehen. Mit dem liegt Lufthansa im Clinch, weil Fraport dem Billigflieger Ryan-Air als Neukunden kräftige Rabatte bei den Gebühren gewährt – auch für Strecken, die beide Gesellschaften bedienen.

Dissonanzen waren gestern im Erdinger Moos nicht zu spüren. Im Gegenteil: Spohr lobte die gute Zusammenarbeit mit FMG-Chef Michael Kerkloh. „Hier geht alles sehr schnell“, so der Airboss und meinte damit unter anderem den Umzug des Golf-Staaten-Fliegers Etihad als neuen Kooperationspartner ans Terminal 2 zur Star-Alliance. Der ungeliebte Konkurrent Emirates muss mit seinen A 380 am vergleichsweise veralteten Terminal 1 bleiben.

Auch bei der dritten Startbahn ist man sich einig: „Ein größeres Portfolio wird sich in München nicht mehr darstellen lassen, wenn nicht die Kapazität vergrößert wird. Wir brauchen die dritte Bahn nicht morgen, aber in ein paar Jahren“, so Spohr. Es könnten nur noch einzelne zusätzliche Maschinen stationiert werden. Daher erwarte er zeitnah ein positives Signal der Politik. „Wir haben uns hier mühsam einen Spitzenplatz erarbeitet. Ohne Ausbau werden wir ihn nicht halten können.“

Mit dem Geschäftsjahr, in dem mit 124 000 Mitarbeitern über eine Million Flüge abgewickelt wurden, zeigten sich Spohr und Svensson zufrieden. „Wir stehen wiederum ein bisschen besser da als vor einem Jahr“, bilanzierte Spohr. 31,7 Milliarden Euro hat Lufthansa Group voriges Jahr umgesetzt, 1,2 Prozent weniger als 2015. Als Gewinn wurden 1,8 Milliarden Euro (+4,6 Prozent) erzielt – und das trotz 100 Millionen Euro Kosten für den längsten Arbeitskampf in der Konzerngeschichte. Lufthansa musste an sechs Streiktagen rund 4500 Flüge streichen.

2,2 Milliarden Euro wurden brutto investiert (-13%), Dazu merkte Spohr an: Wir haben fast jede Woche ein neues Flugzeug erhalten. Die Aktionäre sollen 50 Cent Dividende pro Aktie bekommen.

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