Vor Gericht

Bleichungscremes lassen Richter erblassen

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Eine Nigerianerin hat 288 Bleichungscremes über den Flughafen nach Deutschland gebracht. Die sind gesundheitsschädlich – und verstoßen deshalb gegen das Arzneimittelgesetz.

Erding/Flughafen – Zu 750 Euro Geldstrafe ist eine Nigerianerin verurteilt worden, die im großen Stil gesundheitsschädliche Aufhellungscremes in die Bundesrepublik eingeschleust hat. Wegen eines Vergehens gegen das Arzneimittelgesetz musste sich die 38-Jährige vor dem Amtsgericht Erding verantworten.

Die Staatsanwältin aus Landshut warf der Mutter zweier sieben und neun Jahre alter Kinder vor, am 28. April 2017 aus ihrem Heimatland insgesamt 288 Bleichungscremes über den Münchner Flughafen ins Land gebracht zu haben. Am Zoll flog die Afrikanerin auf. Gegen einen Strafbefehl über 60 Tagessätzen je 15 Euro hatte sie Einspruch eingelegt.

Vor Gericht erschien sie ohne Anwalt. Ihren Einspruch begründete sie mit ihrer Auffassung, dass sie sich keiner Schuld bewusst sei. Richter Andreas Wassermann erklärte sie über eine Dolmetscherin, dass sie keineswegs geschäfts- beziehungsweise gewerbsmäßig vorgegangen sei. Sie habe lediglich vier Bekannten den Wunsch erfüllt, die Cremes mitzubringen. In ihrem Heimatland seien sie deutlich günstiger als in Deutschland. Bezahlt worden sei vorab.

„Es waren wohl eher 40 als vier Kunden“, meinte Wassermann. Er belehrte die Nigerianerin, dass Unwissenheit nicht vor Strafe schütze. „Da hätten Sie sich vorher informieren müssen.“ Er kreidete der Frau nicht nur die hohe Menge an, sondern auch den Stoff an sich.

Am Rande des Prozesses erklärte ein Zollbeamter, dass es die Salben in sich hätten. Einerseits handle es sich um Kosmetika. Andererseits seien es aber auch kortisonhaltige Arzneimittel, weil die Substanzen aggressiv seien und Hauterkrankungen bis zu Krebs Vorschub leisten könnten. „Die Anwendung ist ein Teufelskreis“, so der Zöllner. Wassermann erklärte der Nigerianerin deshalb, dass es einen guten Grund gebe, warum die Einfuhr beschränkt sei.

Er riet ihr, den Einspruch auf das Strafmaß zu beschränken, „weil es für Sie sonst auch teurer werden kann“. Die Frau willigte ein.

Weil sie arbeitslos ist, zwei Kinder ernähren muss und noch nie straffällig geworden ist, plädierte die Staatsanwältin auf 55 Tagessätze je 15 Euro. Wassermann verurteilte sie zu 50 Tagessätzen. Für die Begleichung in Raten hat die 38-Jährige zwei Jahre Zeit. Hinzu kommen die Verfahrenskosten.

Rubriklistenbild: © dpa

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