Vor Gericht

Dementer Opa als Drogenkurier

Flughafen – Ein 76-jähriger Weltenbummler landete als Drogenkurier vor dem Landshuter Landgericht, konnte aber strafrechtlich nicht belangt werden. Denn wegen einer fortgeschrittenen Demenz ist er inzwischen verhandlungsunfähig.

Zollfahnder hatten den Rentner am 22. April vergangenen Jahres nach der Landung der Maschine aus Puerto Plata in der Dominikanischen Republik direkt am Flieger abgeholt und festgenommen. In seinem Handgepäck führte er 28 Gramm flüssiges Kokain mit sich. Vorausgegangen war ein Hinweis der Deutschen Botschaft in Santo Domingo, dass der 76-Jährige hilf- und orientierungslos von einem deutschen Auswanderer am Stand der Hauptstadt aufgegriffen worden sei. Dabei habe er gefaselt, dass er Rauschgift für einen gewissen Manni aus Frankfurt schmuggeln sollte.

Im Rahmen der Ermittlungen stellte sich heraus, dass der Rentner bereits im Dezember 2014 rund 300 Gramm Kokain aus Kolumbien eingeschmuggelt hatte. Die ihm als Kurierlohn versprochenen 5000 Euro hatte er aber nie erhalten. Ein weiterer Schmuggel im März 2015 sei dann geplatzt.

Wegen der psychischen Auffälligkeiten erhob die Landshuter Staatsanwaltschaft gegen den 76-Jährigen keine Anklage wegen der illegalen Einfuhren, sondern leitete ein Sicherungsverfahren ein. Infolge seines Zustandes, so die Begründung, seien von ihm weiterhin rechtswidrige Taten zu erwarten, so dass er eine Gefahr für die Allgemeinheit darstelle. Der Rentner wurde deshalb vorläufig im Bezirkskrankenhaus Mainkofen untergebracht.

Der 76-Jährige hat ein bewegtes Leben hinter sich: In ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, schlug er sich vor seiner Verrentung in erster Linie mit Gelegenheitsarbeiten durch. Zwischendurch saß er mehrere Jahre in Haft – zum Beispiel wegen Drogendelikten in Portugal.

Der psychiatrische Sachverständige Bernhard Edlhuber aus dem Bezirksklinikum Mainkofen bescheinigte dem 76-Jährigen Demenz im fortgeschrittenen Stadium. Zeitweise sei er völlig desorientiert, und schon einfachste Tätigkeiten überforderten ihn. Beispielhaft führte der Gutachter an, dass er eine ihm übergebene Duschflasche interessiert betrachtet und dann einen Pfleger gefragt habe, was denn das sei. Ein Simulieren schloss der Sachverständige aus, allerdings wollte er sich nicht festlegen, inwieweit die Steuerungsfähigkeit bei den früheren Drogenschmuggeleien schon eingeschränkt gewesen sei. Eine Gefahr für die Allgemeinheit stelle der Rentner in seinem Zustand nicht mehr dar. Wenn ihn jemand zu einem neuerlichen Kurierflug auffordern würde, wäre er zwar dazu bereit, aber mit der Organisation einer solchen Reise völlig überfordert.

Wie bereits Staatsanwältin Sara Oeß und Verteidiger Alexander Eckstein, so kam auch die 4. Strafkammer aufgrund des Gutachtens zu dem Ergebnis, dass die Unterbringung in einer geschlossenen Psychiatrie für den Rentner nicht infrage komme: Einerseits sei er verhandlungsunfähig, so dass ein dauerhaftes Verfahrenshindernis vorliege, andererseits stelle er im jetzigen Zustand keine Gefahr mehr dar. Auch das weitere Schicksal des 76-Jährigen ist so gut wie geklärt: Er steht inzwischen unter Betreuung und wird dieser Tage aus der „Geschlossenen“ in eine beschützende Einrichtung umziehen.

Von Walter Schöttl

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