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Nur zur Probe: Ein- und Aus-Checken bei der Lufthansa.

Flughafen München

Von MEX nach MUC: Erster Test im Satellit

Flughafen - Von außen ist das neue Satellitengebäude am Flughafen München fast fertig, der Innenausbau jedoch läuft noch auf Hochtouren. Doch schon jetzt gibt es einen Probebetrieb mit gut 2800 Statisten, die als Fluggäste An- und Abflüge simulieren. Eindrücke vom ersten Probebetriebstag.

Von Vancouver über München nach Paris, dann von München nach Tokio und schließlich noch einmal von Mexiko City via München nach Nizza – einmal um die Welt in unter sechs Stunden, das geht nur am Flughafen München, und auch nur noch bis Mitte März. An 20 Probebetriebstagen von Mitte Januar bis Mitte März, immer dienstags und donnerstags, wird mit insgesamt rund 2800 Statisten die Passagierabfertigung im neuen Satelliten des Terminal 2 geprobt. Finden sich auch Laien zurecht? Sind die Zeiten für das Boarding und den Weg zum Anschlussflug ausreichend bemessen? Und: Arbeiten alle Computersysteme und die Elektronik korrekt? Schließlich sollen Probleme bereits vor der Eröffnung des Satelliten im April beseitigt werden.

10.00 Uhr: Check-in

„Stellen Sie sich vor, Sie steigen aus Ihrem Golf I oder II um in eine aktuelle Luxuslimousine mit den neuesten Hightech-Spielzeugen.“ Mit diesem Vergleich beginnt die Sicherheitsunterweisung im Raum Curbside am Flughafen München. Das neue Satellitenterminal sei ein derart komplexes Gebilde, dass nicht nur die Passagiere, sondern vor allem die Mitarbeiter viele Prozesse neu erlernen müssen. 105 Freiwillige haben sich am ersten Probetag versammelt, ausgestattet mit grünen Westen, die sie deutlich als „Passagier“ ausweisen. Während der Einweisung werden die Teilnehmer in zehn Gruppen eingeteilt, bevor es mit dem Bus zum neuen Terminal geht – das Personentransportsystem, eine unterirdische, autonom fahrende U-Bahn, mit der die Passagiere später im Zwei-Minutentakt vom Terminal 2 zum Satelliten gelangen, fährt noch nicht.

12.00 Uhr: YVR-MUC-CDG

Wir starten an Gate K24, im sogenannten „Finger“, dem Ausleger, der später zur Flugzeugtüre führt. „Echte Flugzeuge konnten wir leider nicht für den Probebetrieb abstellen,“ scherzt der Gruppenkoordinator, der sich jovial als Peter vorstellt, während er echte Bordkarten für den imaginären Flug austeilt. Erste Aufgabe: Wir kommen aus Vancouver (YVR) und fliegen über München (MUC) weiter nach Paris (CDG). „Ankunft aus einem non-Schengen-Land“, bemerken zwei der Teilnehmer, die für ein Vielfliegerforum schreiben, fachkundig. Das heißt, wir müssen hinauf ins oberste Stockwerk zur Sicherheitskontrolle, um aus Kanada in den Schengen-Raum einzureisen. Der Weg führt durch die gläserne Klimafassade des Terminals, die Sonnenlicht durchlässt, Hitze aber mit einer speziellen Beschichtung abhält. So soll der CO2-Ausstoß des Gebäudes um 40 Prozent gesenkt werden.

Weiter geht es durch die Sicherheitskontrolle, wir sind nun offiziell in den Schengen-Raum eingereist, zwischen dessen Binnengrenzen es keine Grenzkontrollen gibt. Auch wenn die Flüge imaginär sind, die Sicherheitskontrolle sowie Zoll- und Polizeibeamte sind heute echt – schließlich sollen alle Beteiligten die Abläufe im neuen Terminal proben. „Viel Spaß in Paris“, wünscht dann auch der Beamte am Einreiseschalter, bevor es wieder hinunter zu Gate K10 geht, wo Mitarbeiter der Lufthansa die Bordkarte scannen und sich die Türen zum Finger öffnen.

12.45 Uhr: TXL-MUC-FCO

Das nächste Szenario führt von Berlin-Tegel über München nach Rom. Da wir uns schon im Schengen-Raum befinden, geht es ohne Umweg über die Sicherheitskontrolle von Gate K06 zu K21. „Die Wege sind recht lang“, ist das Zwischenfazit eines Teilnehmers, er erntet beifälliges Murmeln. Der Kollege von Peter, unserem Gruppenkoordinator, schreibt mit, während wir erfahren, das sei auch den Mitarbeitern schon während des internen Probebetriebs im vergangenen Herbst aufgefallen. Immerhin: Koffer schleppen muss nicht geprobt werden, allenfalls Handgepäckstücke werden ausgeteilt. Mehr ist auch nicht nötig, denn ihr Gepäck werden Fluggäste wie bisher im Terminal 2 aufgeben, ankommende Koffer landen dort auf den Gepäckbändern.

Auf dem Weg von Gate zu Gate fällt auf, dass bis April noch eine Menge zu tun ist. Bauarbeiter verlegen Kabel und Fliesen, Metallgestelle warten darauf, mit Sitzbänken bestückt zu werden. Viele Steckdosen und USB-Anschlüsse wird es in den Wartehallen geben, das freut die Smartphone- und Tablet-Nutzer. In den Raucherlounges sollen sogar lebensgroße Kamele aufgestellt werden, ein nicht allzu subtiler Hinweis auf den Sponsor der Räume.

14.30 Uhr: MUC-HND

Nach der Mittagspause geht es von München nach Tokio. Sonderaufgabe für einige Passagiere: Sich die Mehrwertsteuer zurückerstatten lassen – kein einfaches Unterfangen, wie sich herausstellt, da unisono die unzureichende Beschilderung der entsprechenden Stellen bemängelt wird. Das sei doch ein Trick des Staates, um seine Einnahmen nicht gleich wieder abtreten zu müssen, wird in der Gruppe gescherzt, und auch Peter und sein Kollege Oswald halten diese Erklärung für einleuchtend, während die Reaktionen gewissenhaft notiert werden.

15.00 Uhr: MEX-MUC-NCE

Um den Jetlag auf die Spitze zu treiben, führt unser letzter Flug heute von Mexiko City über München nach Nizza. Bei der Einreise winkt der Zoll stichprobenartig Passagiere heraus. Mehrere hundert Szenarien haben sich die Tester für den Probebetrieb ausgedacht, die im Laufe der nächsten Monate getestet werden. So sollen vereinzelt sogar Päckchen mit brisanten Inhalten verteilt werden, damit die Drogenspürhunde im Test auch zum Einsatz kommen. An zwei Tagen wird ein Massenandrang mit jeweils 500 Teilnehmern geprobt. Mehrere Testpersonen sollen dann aufgebrachte und renitente Fluggäste simulieren – die das Bodenpersonal dann beruhigen muss.

Der neue Satellit

für elf Millionen Fluggäste wird im April eröffnet (der genaue Termin ist noch offen) und bietet 27 zusätzliche Flugzeugabstellpositionen. So wird die Kapazität im Bereich des Terminal 2 auf insgesamt 51 Positionen erhöht. Rund 4000 Beschäftigte werden im Satelliten tätig sein. Das Gebäude wird durch ein Joint Venture zwischen der Flughafen München GmbH und der Lufthansa gemeinsam finanziert und betrieben. Die Kosten betragen 900 Millionen Euro.

Christoph Schneider

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