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Bei Anti-Terrorübung in München kam es zu einem folgenschweren Vorfall.

Beamter schwer verletzt

Bei Terror-Übung am Flughafen durchgedreht: Polizist wirft Sprengsatz auf Chef

Eigentlich sollte er mögliche Amokläufer überwältigen, aber weil er bei einer Terror-Übung in München einen Sprengsatz auf seinen Chef warf, steht ein Polizist nun vor Gericht.

München - Er sollte Geiseln aus Gefahrensituationen befreien und Amokläufer überwältigen. Dafür wurde Jörg R. (39) bei der Bundespolizei ausgebildet. Bei einer Übung am Münchner Flughafen tat er das Gegenteil: Laut Staatsanwaltschaft verletzte Jörg R. seinen Vorgesetzten Markus P. (Name geändert) absichtlich mit einem Sprengsatz! Seit Mittwoch muss sich der Polizist wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht verantworten.

Wie brisant der Vorfall ist, zeigt die Tatsache, dass Richterin Anja Fuchs die Öffentlichkeit noch vor Prozessbeginn ausschloss. Offizielle Begründung: Es liege eine Gefährdung der Staatssicherheit vor, zumal die Anti-Terror-Übung am 13. März 2017 „komplexe lebensbedrohliche Situationen“ nachgestellt hätte. Über diese dürfe nichts bekannt werden – es gehe um strengste Geheimhaltung!

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Umso schlimmer, dass der Polizist bei diesem Einsatz wohl durchdrehte. Am Flughafen wurde in leerstehenden Gebäuden trainiert. Laut Anklage waren insgesamt vier Einsatzgruppen mit jeweils fünf Beamten an der Fortbildung beteiligt. Jörg R. sei als Teamleiter der dritten Trainingsgruppe eingesetzt gewesen – den Leiter Markus P. kannte er bereits aus früheren dienstlichen Tätigkeiten. 

Sprengsatz hat Jörg R. wohl selbst gebastelt

Zum angeklagten Vorfall kam es direkt beim ersten Durchgang an diesem Tag: Dabei soll Jörg R. die beiden vor ihm stehenden Beamten seines Teams zurückgezogen haben – laut Anklage entzündete er dann den „von ihm selbst mitgebrachten und an seinem Wohnsitz gefertigten zirka 1,5 Mal sechs Zentimeter großen Sprengsatz“. Diesen habe er „ohne Vorwarnung“ in den Raum geworfen, in dem sich Übungsleiter Markus R. befand. Der schaffte es zwar noch, sich wegzudrehen und die Ohren zuzuhalten – dennoch explodierte der Sprengsatz etwa drei Meter entfernt von seinem Körper.

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Ein potenziell lebensgefährliches Manöver, das Bundespolizist Markus P. mit viel Glück überstand. Der Leiter einer Observations- und Fahndungseinheit erlitt nur Prellungen und Blutergüssen am rechten Oberschenkel sowie zwei Zentimeter lange Hautverluste. Laut Anklage hatte Jörg R. diese Verletzungen „billigend in Kauf genommen“, als er den Sprengsatz auf seinen Übungsleiter warf. Mutmaßlich hatten beide schon vorher Zoff. Jörg R. droht nun im schlimmsten Fall eine Haftstrafe. Zudem ermittelt die Bundespolizei auch intern gegen ihren Beamten.

Bundespolizei-Sprecher Christian Köglmeier sagt: „Es handelt sich um einen absoluten Einzelfall, den wir sehr bedauern. Das Verhalten des Beamten verurteilen wir auf das Schärfste.“

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Was droht Polizisten beim Vergehen? 

Ob Bund oder Länder: Die Maßnahmen sind für alle Polizisten gleich. Wenn bekannt wird, dass ein Beamter etwas Anstößiges getan hat, wird ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Je nach Anlass kann dieses dazu führen, dass der Polizist eine Geldbuße oder Geldstrafe zahlen muss. In manchen Fällen erfolgt auch eine Degradierung bis hin zu zwei Dienstgraden – oder der Ausschluss vom Dienst. Liegt gar eine Straftat vor, ruht das interne Disziplinarverfahren, solange ein Gericht die Sache verhandelt – nach dem Urteil wird das Disziplinarverfahren wieder aufgenommen, und die Polizei straft den Beamten intern nochmals ab, falls er vom Gericht verurteilt wurde. Legt ein Beamter Einspruch ein, geht sein Fall vor das Verwaltungsgericht und wird nochmals von Ermittlern geprüft. 

Andreas Thieme

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