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Bei den Starts und Landungen kommt der Flughafen München nicht an die alten Rekordwerte heran. 

Mehr Flüge, mehr Passagiere, mehr Beschäftigte

Flughafen München bricht wieder Rekorde - aber nicht alle

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Flughafen - Mehr Flüge, mehr Passagiere, mehr Beschäftigte – alle Zahlen beim Flughafen München weisen nach oben. Mit einer - wichtigen - Ausnahme. 

Die Synonyme sind stets die selben, aber der Flughafen-Chef Michael Kerkloh kommt nicht umhin, sie noch einmal zu bemühen, als er am Mittwoch eine neue Beschäftigungsstudie vorstellt. Der Airport also ist ein „Jobmotor“, eine „leistungsstarke Lokomotive für Konjunktur und Beschäftigung“. Gegenüber der letzten Erhebung vor drei Jahren ist die Zahl der Beschäftigten um fast 2500 auf nunmehr 34 720 Mitarbeiter gestiegen.

Flughafen-Chef Michael Kerkloh. 

Größter Arbeitgeber ist die Lufthansa mit 11 100 Mitarbeitern (plus 300), gefolgt vom Flughafen-Konzern FMG mit 8900 Beschäftigten (plus 700). Auf Platz drei rangiert die Bundespolizei. Bedeutend ist der Flughafen vor allem für die angrenzende Region. So leben 7300 Beschäftigte (plus 200) im Landkreis Freising, 7250 (plus 450) in der Stadt München und 5640 (plus 500) im Kreis Erding. Dahinter folgt Landshut (3700 Mitarbeiter).

So wichtig die Zahlen sind – das Augenmerk konzentriert sich im Moment wieder einmal auf die dritte Startbahn. Sonderlich hoffnungsfroh, dass der Bau demnächst beschlossen wird, zeigte sich Kerkloh nicht. Immerhin wachse die Unterstützung der Wirtschaft für das Projekt. Aber: Auch „wenn man einen günstigen Verlauf unterstellt“, könne die Flugpiste „sicher nicht vor 2021 oder 2022“ in Betrieb genommen werden. Dass sie notwendig ist, hält Kerkloh für erwiesen. Es sei „immer schwieriger, freie Zeitfenster für zusätzliche neue Verbindungen in den Hauptverkehrszeiten zu finden“. Als Beispiel nannte Kerkloh die Fluggesellschaft Emirates. Ihr dritter täglicher Flug mit einem A 380 habe eine geringere Auslastung und wackele – weil der Flughafen München Emirates nur eine ungünstige frühe Abflugzeit bieten könne, die nicht mit Anschlussflügen am Drehkreuz in Dubai harmoniere. Auch der neue Billigflieger Transavia, der seit Ende März zu 19 Zielen in Europa startet, kämpft mit ungünstigen Flugzeugumläufen – eine Maschine zum Beispiel starte morgens nach Dubrovnik, komme am Vormittag zurück nach München und starte mittags nach Palermo, von wo sie erst kurz nach 18 Uhr wieder in München landen könne. Für einen dritten Umlauf sei aufgrund ungünstiger Slot-Fenster die Zeit zu knapp. Der Ball, das zu ändern, „liegt im Feld der Politik“, meinte Kerkloh. Doch dort gibt es weiterhin kein Signal – selbst ein Termin für ein Gespräch zwischen der CSU-Landtagsfraktion und Ministerpräsident Horst Seehofer konnte gestern nicht bestätigt werden.

Trotz aller Schwierigkeiten erwartet der Flughafen 2016 nach Jahren des Rückgangs wieder ein Plus von vier Prozent bei den Starts und Landungen. „397 000 oder 398 000“ würden es am Ende wohl sein, meinte Kerkloh. Auch 2017 sind vier Prozent Wachstum das Ziel – „deutlich über 400 000 Flüge“ sollen es dann sein. Viel mehr sei mit den zwei Startbahnen nicht möglich. „Wir laufen auf die ersten Anzeichen eines Deckels zu“, so der Flughafen-Geschäftsführer.

Er gab auch offen zu, dass der alte Spitzenwert der Jahre 2007 und 2008 (jeweils 432 000 Starts und Landungen) mit zwei Bahnen nicht mehr zu erreichen sei. Begründung: Damals hatte der Ferienflieger Condor in München ein Drehkreuz – und das gibt es nicht mehr. Kerklohs schärfster Kritiker, der Freisinger Grünen-Landtagsabgeordnete Christian Magerl, hielt dem Flughafen-Chef genau dies gestern vor. Er wertete den Anstieg der Flugbewegungen als „Strohfeuer“.

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