Nigerianer wegen Arzneieinfuhr zu Bewährungsstrafe verurteilt

Eine halbe Apotheke in 17 Taschen

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Da staunten die Zöllner nicht schlecht, als am 17. Oktober vergangenen Jahres ein Nigerianer mit 17 Taschen durch die Kontrollstelle marschierte. Jetzt gab es ein Wiedersehen vor Gericht.

Flughafen - Der 37-Jährige hatte sogar den „roten Ausgang“ gewählt, den Beamten aber erklärt, er habe keine Waren anzumelden.

Die schauten dennoch nach – und staunten: Der Schwarzafrikaner versuchte nach der Ankunft aus seinem Heimatland, nahezu eine komplette Apotheke ins Land zu bringen. Weil das gegen das Arzneimittelgesetz verstößt, musste sich der vierfache Vater vor dem Amtsgericht Erding verantworten.

Dort gab ihm Richter Björn Schindler eine letzte Chance. Trotz zweier Vorstrafen seit 2014 verurteilte er den Asylbewerber, der 2011 nach Deutschland kam, zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe. Zudem muss der Arbeitslose 400 Euro an die Tierschutzorganisation WWF zahlen.

Die Staatsanwältin aus Landshut brauchte eine ganze Zeit, bis sie alle Pillen, Cremes und Lotions aufgezählt hatte, die der Nigerianer einschmuggeln wollte, darunter Hautaufheller, Paracetamol, Penicillin und Asthma-Medikamente.

Nicht Gegenstand der Verhandlung waren die getrockneten Frösche, die er ebenso im Gepäck hatte wie eine Menge Alkohol, die erheblich über der Freimenge lag, wie zwei Zöllnerinnen im Zeugenstand aussagten.

Der Angeklagte, dessen Verteidiger ihn lediglich mit einem Schriftsatz ausgestattet, ihn in der Verhandlung aber allein gelassen hatte, zeigte sich reuig und geständig. Über eine Dolmetscherin erklärte er, er habe lediglich in Deutschland lebenden Nigerianern bestellte Mittel mitgebracht. Dafür habe er kein Honorar erhalten. Es habe sich lediglich um einen Gefallen unter Landsleuten gehandelt. „Ich habe auch nicht gewusst, was ich da mitbringe.“ In seinem Heimatland seien ihm lediglich zahlreiche Beutel mitgegeben worden.

Von Richter Schindler musste er sich vorhalten lassen, sehr leichtgläubig gewesen zu sein. „Sie haben bedingt fahrlässig gehandelt“, warf er dem Mann vor, der in einer Asylbewerberunterkunft in München lebt.

Die Staatsanwältin würdigte in ihrem Plädoyer das Geständnis, wies aber auf die hohe Menge hin sowie auf zwei Vorstrafen 2014 und 2017. Einmal war er wegen Körperverletzung und Bedrohung verurteilt worden, das andere Mal wegen Leistungserschleichung, Betrugs und Urkundenfälschung. Sie forderte acht Monate auf Bewährung und 500 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung.

Schindler blieb mit sechs Monaten und 400 Euro leicht darunter. Am Schluss bedankte sich der Nigerianer mit einem Lächeln – dafür, dass er nicht in Gefängnis muss.

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