+
Es gibt offenbar eine Sicherheitslücke: Flughafen-Sicherheitskontrolle, hier am Flughafen München.

Keiner hat es gemerkt

Flughafen München: TV-Reporter schmuggelte Bomben-Bausatz durch Sicherheitskontrolle

Ein TV-Reporter ging mit einem Sprengsatz bewaffnet durch die Sicherheitskontrolle am Flughafen München - und kam ohne Probleme durch. Verantwortliche Behörde und Ministerium reagieren ausweichend.

Flughafen München - Am Münchner Flughafen sind die Sicherheitskontrollen offenbar lückenhaft. Das berichtet zumindest ein TV-Magazin in seiner aktuellen Ausgabe. Ein Reporter des ARD-Wirtschaftsmagazins "Plusminus" konnte Bauteile für einen Sprengsatz durch die Sicherheitskontrolle in den Abfertigungsbereich bringen. 

Das berichtet das Magazin in seiner aktuellen Ausgabe. Die Funktionsfähigkeit des Sprengsatzes wurde von einem Experten bei einem Test auf einem Versuchsgelände nachgewiesen. Nach seiner Einschätzung und der eines weiteren Experten reicht die Kraft dieses Sprengsatzes aus, um Personen in unmittelbarer Nähe zu töten und um ein Loch in die Flugzeugaußenwand zu reißen.

Sicherheitsexperte: Schießbaumwolle ist ein generelles Problem

Ein Flugzeugabsturz als Folge der Detonation ist nach Aussage des Leiters der Thüringer Feuerwerkerschule und Fachberater für Explosivstoffe Sven Schrader denkbar. Aus der Sicht von Schrader, der über Jahre Sicherheitspersonal beraten hat, besteht die Sicherheitslücke bei der Kontrolle nicht im subjektiven Versagen eines Kontrolleurs, sondern ist in diesem Fall ein generelles Problem an allen Flughäfen. Der Reporter hatte beim Test freiverkäufliche Pyrowatte (Schießbaumwolle) im Handgepäck. 

Sie ist nicht von Kosmetikwatte zu unterscheiden. "Sicherheitspersonal hat praktisch keine Chance, die Pyrowatte als Gefahrenstoff zu erkennen, weder am Geruch, noch an einem anderen Merkmal. Da hilft auch kein Sprengstoffhund oder kein technisches Gerät", so Schrader.

Behörde und Ministerium wiegeln ab

Nach Auskunft der Regierung Oberbayern, in deren Zuständigkeit der Münchner Flughafen liegt, sorgen für die Sicherheit an deutschen Flughäfen die Bundespolizei oder wie in München die Landesluftsicherheitsbehörde. "Hierbei gilt für alle deutschen Flughäfen eine einheitliche Rechtslage unter Aufsicht des Bundesinnenministeriums", heißt es weiter. 

Das Bundesinnenministerium verweist auf Anfrage von "Plusminus" auf das gesetzliche Verbot, Spreng- und Brandsätze in Sicherheitsbereiche oder an Bord eines Luftfahrzeugs mitzunehmen. Wie die Einhaltung des Verbotes kontrolliert wird und wie diese Sicherheitslücke geschlossen werden kann, dazu macht das Ministerim keine Angaben.

Die Regierung Oberbayern will durch die von "Plusminus" aufgedeckte Sicherheitslücke in Bezug auf Pyrowatte aktiv werden und zusammen mit der Bundespolizei prüfen, "ob und inwieweit Pyrowatte für den vorsätzlichen Eingriff in die Sicherheit des Luftverkehrs Verwendung finden kann", so eine Pressesprecherin.

mm/tz

Lesen Sie auch: Frau rennt mit Flüssigkeit durch Sicherheitskontrolle - ein Protokoll des Chaos-Tags zu Ferienbeginn - und: Opfer der Sicherheitspanne - hier werden sie entschädigt.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Am Flughafen: Münchner macht kuriose Entdeckung an der Sandwich-Theke
Ob ausländische Besucher da zugeschlagen haben? Am Münchner Flughafen sorgte ein kurioses Schild an einer Sandwich-Theke für Erheiterung.
Am Flughafen: Münchner macht kuriose Entdeckung an der Sandwich-Theke
Heimlicher Start: Abschiebehaft am Flughafen in Betrieb - mit extrem ambitionierten Zielen
Es gab keine feierliche Eröffnung, weder Sekt noch Häppchen wurden gereicht. Still und heimlich ist die Abschiebehaft am Münchner Flughafen in Betrieb gegangen.
Heimlicher Start: Abschiebehaft am Flughafen in Betrieb - mit extrem ambitionierten Zielen

Kommentare