Flughafen München

Ein Viertel aller Flüge verlagerbar

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München – Ein Viertel aller Flüge am Flughafen München könnte theoretisch ohne größere Zeitverluste auf die Schiene verlagert werden.

Wie viele Flüge am Flughafen München könnten theoretisch auf die Bahn verlagert werden? Etwa ein Viertel, ergibt sich nun aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion der Linken zum „Potenzial der Verlagerung von Flügen auf die Bahn am Flughafen München“. Die Anfrage liegt unserer Zeitung vor, sie könnte die Diskussion um den Bau der dritten Startbahn neu beflügeln.

Fast zwei Drittel aller Flüge (65 Prozent) ab und nach München liegen demnach in einem Entfernungsbereich von maximal 1000 Kilometern. Bei dem bestehenden Fahrplan der Bahn hätten im vergangenen Jahr 22 451 Flüge – sechs Prozent aller Flüge – durch Eisenbahnfahrten ab/zum Hauptbahnhof München mit weniger als vier Stunden Reisezeit ersetzt werden können. Nimmt man sechs Stunden Bahnfahrtzeit als Grenze, so würde das ausreichen, um auch weiter entfernte Ziele wie Berlin, Hamburg, Wien oder Zürich zu erreichen. 92 383 Flüge – gut 25 Prozent aller Flugbewegungen – fiel 2014 in diese Kategorie. „Ein Viertel aller Flüge könnte derzeit ohne größere Zeitverluste auf die Schiene verlagert werden“, folgert die Fraktion der Linken.

Womöglich wird die Zahl der Flüge, die auf die Bahn verlagert werden könnte, in der Zukunft noch zunehmen: Die Bahn will Ende 2017 die Neu- und Ausbaustrecke nach Berlin in Betrieb nehmen – dann rasen ICE-Sprinterzüge in knapp vier Stunden von München in die Hauptstadt. Heute benötigt selbst der schnellste ICE für München-Berlin (Hauptbahnhof) über sechs Stunden, die Fahrkarte ist meist auch noch teurer als ein Flugticket. Womöglich wird sich dann die Zahl der Flüge von/nach Berlin-Tegel reduzieren – es sind etwa 8000 Flüge im Jahr. Auch die Flugverbindungen von/nach Wien haben eine beachtliche Größenordnung: 64 Mal Flüge in der Woche von Lufthansa, Austrian Airlines und Niki. Wien ist andererseits aber vom Münchner Hauptbahnhof zum Beispiel mit den schnellen Railjet-Zügen in knapp fünf Stunden zu erreichen.

„Die Zahlen sprechen eine klare Sprache“, folgert die Landessprecherin der Linken in Bayern, Eva Bulling-Schröter. Sie belegten „ein außerordentlich beachtliches Verlagerungspotenzial von Flügen auf die Schiene“. Und „weniger Flüge heißt weniger Lärmbelästigung und mehr Klimaschutz.“ Ein ambitionierter Ausbau des Bahnnetzes werde das Bahnreisen noch attraktiver machen. Eine dritte Startbahn, sagt die Bundestagsabgeordnete aus Ingolstadt, sei dann erst recht nicht notwendig. „Die Staatsregierung in München muss endlich aufhören, den Ausbau des Flughafens gegen besseren Wissens und gegen den Willen der Bevölkerung weiter voranzutreiben.“

Die Frage ist freilich, ob gestrichene Inlands-Verbindungen ersatzlos gestrichen würden. Der Flughafen betont immer wieder, dass er frei werdende „Slots“ mit Interkontinental-Verbindungen auffüllen würde. „Das wäre mit Sicherheit so“, erklärte auch gestern ein Flughafen-Sprecher gegenüber unserer Zeitung. Auch Flughafen-Chef Michael Kerkloh hat mehrfach klargestellt, dass er auf Zubringer-Flüge etwa von Stuttgart oder Frankfurt gerne verzichten würde – vorausgesetzt, der Flughafen bekomme endlich Anschluss an das Fernbahn-Netz. In Sicht ist momentan nur die Neufahrner Gegenkurve, die den Bahnanschluss Richtung Regensburg gewährleistet.

dw

Rubriklistenbild: © dpa

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