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Sind nicht der Grund für den Sicherheits-Check am Münchner Flughafen, stellen aber ein Problem dar: Die Sprengstoff-Suchgeräte. 

Ein gravierendes Problem muss bis dahin beseitigt sein

Geheimer Sicherheits-Check am Flughafen

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München - Der Flughafen München wird ab Montag einem Sicherheits-Check unterzogen. Auch die Affäre um defekte Sprengstoff-Suchgeräte hält die Flughafen-Beschäftigten weiter in Atem.

Audit kommt aus dem Lateinischen (Auditio: Anhörung), es wird dabei untersucht, ob regelmäßige Abläufe in einem Betrieb die geforderten Standards erfüllen. Jeder Konzern macht so etwas, auch der Flughafen.

Am Montag ist es nach Informationen unserer Zeitung wieder soweit: Auditorenteams der Bundespolizei prüfen den Flughafen, insbesondere, um das Auftreten von Sicherheitsmängeln zu verhindern. Die Regierung von Oberbayern bestätigt dies grundsätzlich, fügt aber an: „Inhalt und Ablauf jeden Audits sind vom Bundesministerium des Innern als Verschlusssache eingestuft.“

Der Termin ab Montag sei schon seit Anfang des Jahres festgelegt. Eine angekündigte Kontrolle also, auf die sich der Flughafen einstellen kann. Im Gegensatz zu den EU-Audits dürfen auch keine Realtests vorgenommen werden – das heißt, niemand wird probehalber versuchen, Waffen oder Drogen durch die Kontrollen zu schmuggeln. Dieser Test ist dem EU-Audit vorbehalten. Bisher wurde der Flughafen zwei Mal von EU-Inspektoren gecheckt – 2007 und 2011. „Wir rechnen spätestens 2016 mit einem erneuten EU-Audit“, sagt ein Flughafen-Sprecher. Das EU-Audit ist entscheidend, ob der Flughafen als „clean“ oder „unclean“ (rein/unrein) eingestuft wird.

Affäre um Sprengstoffgeräte: Es steht nun Gutachten gegen Gutachten

Bis dahin muss der Flughafen ein gravierendes Problem bereinigt haben: die Affäre um die Sprengstoff-Suchgeräte, die die staatliche Sicherheitsgesellschaft München (SGM) bei der Passagier-Kontrolle einsetzte. 200 Mitarbeiter hatten Ausdünstungen der Detektoren des Typs Sniffer und Itemiser beklagt, die Staatsanwaltschaft Landshut ermittelt. Bei der Ursachenforschung steht jetzt Gutachten gegen Gutachten. Die Dekra hatte beim Sniffer reizende, gesundheitsschädliche und, weil auch Formaldehyd und anderes entwich, sogar giftige Substanzen festgestellt und dringend empfohlen, die Geräte „nicht ohne geeignete Schutzmaßnahmen zu betreiben“.

Ein Gutachten der Planegger Ingenieurgesellschaft Müller BBM, das die Staatsanwaltschaft in Auftrag gab, stellte hingegen „keine Überschreitung der Grenzwerte und auch nicht der Richtwerte“ fest, wie Sprecherin Hildegard Bäumler-Hösl sagte. Auf dieses Gutachten wartet nun die Regierung von Oberbayern, ehe sie entscheidet, wie es weitergeht. Eine dritte Stellungnahme von der Ludwig-Maximilians-Universität stellt schlicht eine „Verkettung mehrerer unglücklicher Umstände“ fest. Mitarbeiter hätten sich nicht ernst genommen gefühlt, die Beschwerden seien eher psychosomatisch und eine Facette des „Sick Building Syndroms“ – dabei fühlen sich Menschen unwohl, wenn sie sich zu lange in einem Raum aufhalten.

Vor allem dieses Kurzgutachten ärgert die Betroffenen. Sie fühle sich als „eingebildete Kranke“ herabgewürdigt, klagt eine SGM-Beschäftigte gegenüber unserer Zeitung. „Das hat mit der Realität nichts zu tun.“ Verdi-Gewerkschaftssekretär Ulrich Feder sieht es ähnlich: „Ich glaube nicht, dass sich 200 Menschen psychosomatische Leiden einbilden können.“ Der Münchner Verdi-Chef Heinrich Birner versichert: Wer Rechtsansprüche wie Schmerzensgeld-Forderung habe, der werde von der Gewerkschaft weiter unterstützt.

Die beschlagnahmten Geräte wurden wieder freigegeben, doch die Regierung von Oberbayern, der die SGM untersteht, hat sich noch nicht entschlossen, sie wieder einzusetzen. Vorerst wird mit veralteten Geräten des Typs „EGIS III“ kontrolliert – es gibt geringfügig längere Wartezeiten. Ein Verdi-Mitglied hofft, dass die SGM ab 2016 völlig neue Geräte einsetzt. „Der Belegschaft liegt daran, dass wir weder den Sniffer noch den Itemiser wieder bekommen.“

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