Nach Körperverletzung am Tegernsee

Verurteilter Araber festgenommen, er zahlt 55 000 Euro Strafe in bar - und reist weiter

Ein Geschäftsmann wird wegen fahrlässiger Körperverletzung am Tegernsee verurteilt, haut nach Abu Dhabi ab, fliegt jetzt wieder nach München und verlässt den Flughafen als freier Mann. Unglaublich? Ja, aber genauso am Dienstag passiert.

Flughafen MünchenDie Bundespolizei berichtet: Bei seinen Geschäften hat er offenbar ein gutes Händchen, anders als im Straßenverkehr. Der Geschäftsmann aus Abu Dhabi war Anfang des Jahres nach einem von ihm verursachten Verkehrsunfall in Bayern zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen à eintausend Euro verurteilt worden. Da der Betrag bis dato nicht bei der Justizkasse eingegangen ist, hat die zuständige Staatsanwaltschaft mit Haftbefehl nach dem 47-Jährigen gesucht. Bundespolizisten nahmen den Gesuchten gestern (10. Juli) bei seiner Ankunft aus Abu Dhabi fest.

Der Mann aus Abu Dhabi lief den Beamten bei seiner Einreise aus seinem Geburtsemirat in die Arme. Den Grenzpolizisten fiel eine Fahndungsnotiz der Staatsanwaltschaft München II ins Auge, als sie die Dokumente des Reisenden überprüften. 

Der Geschäftsmann war laut Vorwurf der oberbayerischen Justiz trotz verhängtem Fahrverbot im Juli letzten Jahres mit seinem Auto am Tegernsee unterwegs. Dabei hatte er wohl beim Abbiegen einen Verkehrsunfall verursacht und einen Rollerfahrer verletzt. 

Deshalb hatte ein Amtsrichter in Miesbach im Februar dieses Jahres gegen den heute 47-Jährigen einen Strafbefehl über 60 Tagessätze zu je 1.000 Euro wegen fahrlässiger Körperverletzung in Tateinheit mit fahrlässigen Fahrens trotz Fahrverbots erlassen. (Anm.: Die Höhe eines Tagessatzes orientiert sich am Tageseinkommen). 

Um den Richterspruch hatte der Emirater sich anschließend offensichtlich genauso wenig gekümmert wie um die deutschen Verkehrsregeln zuvor. Also schrieb ihn die Staatsanwaltschaft München II im April dieses Jahres mit Vollstreckungshaftbefehl zur Festnahme aus. Diesen Haftbefehl vollstreckten Bundespolizisten am Münchner Airport gestern. 

Nicht der einzige Gast in der Region, der sich fragwürdig benimmt: Im Frühsommer 2018 regte sich eine Neu-Weyarnerin über die Kirchenglocken der Dorfkirche auf. Der Pfarrer solle sie abstellen, forderte sie. Pater Stefan reagierte deutlich - und ziemlich souverän.

Zu dem Festnahmeersuchen hatte die zuständige Staatsanwaltschaft die Polizeibehörden auch noch beauftragt, den Führerschein des Emiraters zu beschlagnahmen.

Da die zuständige Polizeiinspektion von dem Verkehrssünder damals bereits 4.500 Euro zur Sicherung des Strafverfahrens kassiert hatte, war der säumige Zahler der bayerischen Justiz jetzt noch 55.500 Euro Geldstrafe plus 70 Euro an Verfahrenskosten schuldig.

Den von der bayerischen Justiz geforderten Geldbetrag zahlte der Festgenommene ohne Umschweife bei den Bundespolizisten ein - in bar. Anders sah es in Bezug auf seinen Führerschein aus. Dass er das geliebte Papier abgeben musste, schmerzte ihn offenbar sehr. 

Nachdem er die Geldstrafe bezahlt und seinen Führerschein widerwillig an die Beamten ausgehändigt hatte, durfte der 47-Jährige die Wache der Bundespolizei dann auch wieder verlassen und seinen Weiterreise an den Tegernsee antreten.

Schon im Mai wurde darüber spekuliert, ob ein Scheich aus Abu Dhabi eine Villa am Tegernseer Seeufer baut. Wir haben die Geschichte aufgeklärt.

Schon mal in einem Sommer sind reiche Araber nicht gerade positiv aufgefallen, als sie auf der A8 mit Vollgas durch eine Blitzer-Kontrolle gefahren sind und dabei ein Victory-Zeichen gemacht haben. Das Bild gab die Polizei damals raus, für die Araber gab es am Flughafen ein böses Erwachen.

mm/tz

Rubriklistenbild: © dpa/Bundespolizei

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