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Das Lachen vergangen ist den meisten der einst 600 Mitarbeiter von Air Berlin am Flughafen München.

Hilferufe an die Politik

Air-Berlin-Mitarbeiter „massiv unter Druck“

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Ende Oktober ging der letzte Air-Berlin-Flug von München nach Tegel. Seitdem sind viele Mitarbeiter im Ungewissen. Ihre Hilferufe an die Politik blieben bislang ungehört.

Flughafen - Knapp vier Wochen ist es her, dass sich Air Berlin vom Flughafen Münchner verabschiedet hat. Für viele Mitarbeiter der Airline – zuletzt waren laut Pressestelle rund 600 Mitarbeiter am Standort München tätig – sind das knapp vier Wochen der Ungewissheit. Bisherige Hilferufe an Ministerpräsident Horst Seehofer sowie die Landräte Martin Bayerstorfer (Erding) und Josef Hauner (Freising, alle CSU) blieben bislang ungehört.

Auch an Andreas Lenz (CSU) haben sich Mitarbeiter der Air Berlin gewandt. „Ich musste mich am gestrigen Tag, so wie die meisten meiner Kollegen, arbeitslos melden“, schrieb etwa eine Frau Anfang November an den Bundestagsabgeordneten. Sie prangert vor allem an, dass „billige Arbeitskräfte, unter anderem aus Osteuropa, zu Dumpinglöhnen angeheuert werden, um unsere ehemaligen Strecken und Flugzeuge zu bedienen“.

Und sie fordert die Politik auf, ein Zeichen zu setzen: „Wir leben in Deutschland und werden mit den miesesten Tricks um unsere Arbeitsplätze betrogen.“ Es gehe um deutsche Mitarbeiter in einer Firma, die ins nahegelegene Ausland ausgegliedert werden solle, um „legal“ deutsche Gesetze zu umgehen. „Bitte helfen Sie uns“, appelliert sie – „uns“, den Kollegen in Kabine und Cockpit, „die wieder zu fairen Bedingungen arbeiten wollen“.

Noch drastischer formuliert es eine Mitarbeiterin, die knapp 30 Jahre unbefristet als Flugbegleiterin beschäftigt war. „Was sich nach Bekanntwerden des Käufers Lufthansa an unternehmerischer und sozialer Verantwortungslosigkeit den Mitarbeitern gegenüber auftut, ist kaum noch zu überbieten“, schreibt sie. Die gesamte Belegschaft werde unter psychischen Druck gesetzt, es werde systematisch versucht, die missliche Lage der Mitarbeiter auszunutzen. „So werden wir quasi gezwungen, Arbeitsverträge in Österreich zu akzeptieren oder werden zu zweifelhaften Castings eingeladen.“

Die Mitarbeiter würden seit Monaten massiv unter Druck gesetzt. „Das ist Mobbing in vollendeter Kunst.“ Es werde darauf abgezielt, dass sie „langsam die Nerven verlieren und aus lauter Verzweiflung vor der drohenden Arbeitslosigkeit keine andere Möglichkeit sehen, als sich zu beugen und einen Arbeitsvertrag zu unterschreiben, den sie unter normalen Umständen niemals akzeptiert hätten“. Auch sie bittet Lenz um Hilfe.

Der hat sich an Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) gewandt. „Wenn die Lufthansa durch die Überbrückungskredite der öffentlichen Hand an Air Berlin, gewollt oder ungewollt, schon einen Vorteil erlangt hat, dann muss sie jetzt auch anständig mit den Mitarbeitern umgehen“, findet er. Gerade die Ausgestaltung von Folge-Arbeitsverhältnissen über Tochterfirmen im europäischen Ausland „entsprechen nicht einem Unternehmen, das seiner sozialen Verantwortung gerecht wird“. Auf diese müsse die Politik die Lufthansa hinweisen, „auch wenn die Politik letztlich unternehmerische Entscheidungen nicht trifft“, so Lenz.

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