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Ein Berufsleben auf Achse: Detlef Karioth ist Chef von 1200 Bundespolizisten am Münchner Flughafen. 

Im Portrait: Der neue Bundespolizei-Chef Detlef Karioth 

Von den Brennpunkten ins Abklingbecken

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Die Bundespolizei am Flughafen München hat einen neuen Chef: Auf Peter Horst, der sechs Jahre am Moos-Airport war, folgt Detlef Karioth. Der 55-Jährige hat schon viel von den Krisenherden der Welt gesehen.

Flughafen – Wenn Detlef Karioth aus seinem Berufsleben plaudert, dann wähnt man sich in einem Fortgeschrittenen-Seminar für Internationale Politik, Weltkrisenmanagement und Flüchtlingspolitik. Der 55-Jährige ist Polizeidirektor bei der Bundespolizei. Doch den Bund hat der Familienvater zuletzt vor allem von außen gesehen.

Der Münchner gibt zu, dass er das Erdinger Moos nach allerhand Auslandseinsätzen schon ein bisschen als Abklingbecken betrachtet. Ausruhen will er sich in seinem schlichten Büro an der Nordallee dennoch nicht. Für ihn ist ein Flughafen, ein internationaler wie der Münchner noch dazu, ein Kosmos der besonderen Art. Bei der Betrachtung blitzt das durch, womit Karioth ins Berufsleben gestartet ist. An eine Uniform dachte er anfangs nämlich nicht.

Karioth kommt aus dem Saarland und absolvierte zunächst eine Ausbildung im Außenhandel. Erst im Alter von 20 Jahren kam Karioth zur Bundespolizei. Die hieß damals noch Bundesgrenzschutz. Der junge Mann wollte sich zunächst einmal nur für drei Jahre verpflichten. Doch dann wurde er vom Polizeivirus erwischt. Es sollte sich nachhaltig in ihm ausbreiten und wütet noch immer in ihm.

Wegbereiter der EU-Osterweiterung

Der angehende Polizist nahm einen langen Anlauf, um danach weiter springen zu können. Bis 1992 studierte Karioth Verwaltungswissenschaften an der Fachhochschule des Bundes, um dann sechs Jahre lang diverse Führungspositionen im gehobenen Dienst zu übernehmen – unter anderem am Flughafen Frankfurt.

Es folgten ein fünfjähriges Studium der Rechts- und Politikwissenschaften. Bis 2000 ging es für zwei weitere Jahre an die damalige Polizeiführungsakademie.

Der Grundstein für eine beachtliche internationale Karriere war gelegt. 1999 wurde Karioth von der US-Regierung zu einem Führungskräfteprogramm zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität eingeladen. 2001 wurde er im Rahmen des internationalen Krisenmanagements in den Kosovo geschickt.

Von 2002 bis 2007 war er einer der Wegbereiter der EU-Osterweiterung: In Rumänien beriet er das Innenministerium und die Grenzpolizei. Ein Jahr später erledigte er einen vergleichbaren Job in Bulgarien.

Danach forderte ihn wieder ein Krisenherd: Von 2006 bis Ende 2007, nach dem Krieg gegen Israel, wurde Karioth Leiter der Beratermission von Bundespolizei und Zoll im Libanon. Damit gerade fertig, musste er erneut ins Ausland – und wieder dorthin, wo es wehtut: als Leiter der deutschen bilateralen Polizeimission und Leitender Polizeiberater des Botschafters für Polizeiaufbau in Afghanistan.

Dem Land am Hindukusch blieb er 2010 treu, als er Leiter des Arbeitsstabs Polizeimission Afghanistan im Bundespolizeipräsidium in Potsdam wurde.

Danach sollte Karioths Berufsleben noch einmal eine Wende nehmen: Früher als die meisten anderen wurde er mit der Flüchtlingskrise konfrontiert. Leid und Elend bekam er zu einer Zeit zu Gesicht, als es das Thema Asyl noch nicht in die Fernsehnachrichten schaffte. „Aber auch damals sind schon hunderte Menschen auf der Flucht ums Leben gekommen“, erinnert sich der Polizeidirektor. Von 2009 an war er zwei Jahre lang Bundespolizei-Verbindungsbeamter im italienischen Innenministerium und dort auch für den Inselstaat Malta zuständig.

Das Mittelmeer war damals schon eine ebenso rege genutzte wie lebensgefährliche Flüchtlingsroute. In Italien blieb Karioth auch, als er Ende 2015 Beauftragter der Bundesregierung für die Flüchtlings-Hotspots in Griechenland und Italien wurde. Insgesamt sechs Jahre lebte Karioth in Rom. „Mir war damals wichtig, dass ich dorthin meine Familie mitnehmen konnte. Denn man unterschätzt schnell, wie wichtig der Rückhalt von Frau und Kind ist.“

Kariorths neuer Job mag weniger aufregend erscheinen, unbedeutender ist er sicher nicht. Im Erdinger Moos ist er für 1200 Beamte in vier Inspektionen verantwortlich – eine der größten Bundespolizeieinheiten in ganz Deutschland.

Flughafen: Ein Sicherheitsfilter

Der 55-Jährige macht keinen Hehl daraus, dass ihn die Herausforderung Großflughafen reize. Er begreift ihn als eigenen Kosmos, als Wirtschaftsmechanismus. „Auch die Bundespolizei muss ihren Anteil leisten, dass dieser Mechanismus funktioniert“, so der Diplom-Verwaltungswirt und Jurist.

Die Polizeiarbeit habe sich dramatisch verändert: Terrorabwehr sei heute zu einer realen und alltäglichen Herausforderung geworden. Ein Flughafen sei ein Sicherheitsfilter – für Deutschland, aber auch Europa. Was Karioth besorgt: „Gewalt und Waffeneinsatz gegen Polizisten wird zunehmend zum Alltag. Die Bedrohungslage nimmt zu.“

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