+
Zeugnisverleihung: Über die Skytrax-Urkunden freuen sich (ab 2. v. l.) Lufthansa-Finanzvorstand Ulrik Svensson, FMG-Chef Michael Kerkloh, der Münchner Lufthansa-Statthalter Wilken Bormann und Lufthansa-Chef Carsten Spohr. 

Interview 

Kerkloh: „Wir haben den Wow-Faktor“

  • schließen

Der Flughafen München ist der beste Flughafen Europas, Nummer vier in der Welt – und besitzt das beste Terminal. Seit gestern nun ist bekannt: München bleibt einziger Fünf-Sterne-Flughafen in Europa. Wie geht denn so was? Das wollten wir von FMG-Chef Michael Kerkloh wissen.

-Herr Kerkloh, das Terminal 2 ist zum besten Terminal der Welt gewählt worden. Was hat die Befragten überzeugt?

Michael Kerkloh:Um mit den Worten von Skytrax-Chef Edward Plaisted zu sprechen: „Der Flughafen München besitzt den Wow-Faktor“. Damit meint er unsere Professionalität und Kompetenz, die bayerische Gastfreundschaft, unser Wohlfühlambiente, unser außergewöhnliches Flair und die Mischung aus Tradition und Moderne. Gleichzeitig zeichnen uns die exzellente Umsteigequalität und die effizienten Prozesse in der Passagierabfertigung aus, die wir ständig vorantreiben und optimieren.

-Lag es am nagelneuen Satelliten, dass das T2 abgeräumt hat?

Kerkloh:Natürlich spielte der eine große Rolle. Die Eröffnung des Satelliten war für den Flughafen und besonders für das Terminal 2 ein Quantensprung und eine enorme Qualitätssteigerung. Mit dem neuen Gebäude hat das Terminal 2 die Zahl der gebäudenahen Abstellpositionen mehr als verdoppelt – zeitraubende Busfahrten zum Flugzeug sind kaum mehr nötig. Außerdem überzeugt der Satellit durch seine Architektur und das exklusive Gastronomie- und Shoppingkonzept. Hier fühlt sich jeder wohl.

-Apropos Satellit: Die Wege sind ja schon deutlich länger geworden. Welche Reaktionen der Reisenden bekommen Sie?

Kerkloh:Die Wege vom Check-in zum Flugzeug sind ja gar nicht länger. Insbesondere dann nicht, wenn man in Rechnung stellt, dass die Reisenden hier direkt vom Gebäude in das Flugzeug gelangen. Bevor es den Satelliten gab, mussten ja viel mehr Passagiere mit dem Bus zu einem auf einer Außenpositionen abgestellten Flugzeug fahren und dann bei Wind und Wetter über eine Treppe einsteigen. Das war deutlich langwieriger und unbequemer als heute. Und wer einen Weg am Münchner Airport als zu weit empfindet, sollte bedenken, dass es sich um einen Großflughafen mit Verbindungen in alle Welt handelt. Was man dafür braucht, erfordert natürlich einen entsprechenden Platz. Wir bekommen jedenfalls überwiegend positive Reaktionen zum Satelliten, weil die Atmosphäre und die Ausstattung als sehr angenehm empfunden werden. Besonders gut kommt der Marktplatz mit seinem Viktualienmarkt-Ambiente an.

-Was kann man denn im Alltag tun, um die Attraktivität eines Flughafenbereichs hoch zu halten?

Kerkloh:Wir arbeiten kontinuierlich an der Verbesserung unserer Serviceleistungen. Dabei nutzen wir sowohl das Feedback unserer Passagiere als auch die Erfahrung von Experten aus der Luftfahrtbranche. Überdies speisen auch unsere Mitarbeiter immer wieder gute Ideen und Verbesserungsvorschläge ein. Alle Vorschläge werden nach einem festen Verfahren geprüft und, wenn sie erfolgversprechend sind, realisiert und honoriert. Die positiven Rückmeldungen von unseren Fluggästen und die Preise, die wir für unsere Leistung bekommen, machen uns natürlich stolz. Aber es ist auch klar, dass das Thema Service und Aufenthaltsqualität nie abgeschlossen ist. Da müssen wir immer am Ball bleiben und uns weiterentwickeln.

-Wo holen Sie sich die Ideen für Verbesserungen: Spioniert man da auch bei der Konkurrenz?

Kerkloh:Natürlich schauen wir ständig, was woanders geschieht. Die Spitzen-Airports der Welt können immer voneinander lernen. Hier hat sich übrigens auch unser Sister-Airport-Netzwerk sehr gut bewährt. Durch die regelmäßigen Austauschprogramme mit Flughäfen in den USA, China, Thailand, Japan, Singapur und Südafrika erfahren unsere Mitarbeiter, wie die Aufgaben an anderen großen Airports gelöst werden.

- Der Flughafen München ist weiter Europas bester Airport. Weltweit ging es vom dritten auf den vierten Platz zurück. Woran lag’s?

Kerkloh:Auf diesem sehr hohen Niveau sind die Qualitätsunterschiede minimal und kleinere Verschiebungen nichts Außergewöhnliches. Fakt ist: Wir sind erneut „Europameister“ und gehören zu den Top Five weltweit. Ich möchte dabei betonen, dass diese Auszeichnung nicht nur die Flughafen München GmbH betrifft. Das ist vielmehr das Ergebnis der hervorragenden Arbeit, die alle Mitarbeiter von allen Unternehmen und Behörden am gesamten Flughafencampus tagtäglich leisten.

-Umbau und Sanierung des Terminal 1 stehen unmittelbar bevor. Mit welchen Faktoren wollen Sie die Aufenthalts- und Servicequalität erhöhen?

Kerkloh:Zum einen bekommen wir durch diese Maßnahmen mehr Platz, den wir dringend benötigen: Die Gesamtfläche der Erweiterung beträgt rund 80 000 Quadratmeter. Damit gewinnen wir zusätzliche Kapazität für sechs Millionen Fluggäste. Zum anderen können wir durch die Erweiterung auch im Terminal 1 ein hochwertiges Gastronomie-, Shopping- und Loungeangebot realisieren.

-Hand aufs Herz: Wo zeigen Skytrax und Ihre internen Erhebungen Verbesserungsbedarf?

Kerkloh:Kein Flughafen dieser Welt sollte von sich behaupten, perfekt zu sein. Auch wir nicht. Das geht schon deshalb nicht, weil das ständige Wachstum neue Herausforderungen mit sich bringt. Wenn die Zahl der Passagiere und der Flugbewegungen steigt, müssen Prozesse und Infrastruktur angepasst und verbessert werden. Neue Technologien – denken Sie an die voranschreitende Digitalisierung – spielen dabei eine entscheidende Rolle. Verbesserungsbedarf haben auch wir: etwa bei den Wartezeiten bei der Ein- und Ausreisekontrolle. Und natürlich beim Dauerthema Schienenanbindung nach München. Hier sind wir leider alles andere als Champions League.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Münchner hebt am Freitag mit der letzten Air-Berlin-Maschine ab
Das Ende von Air Berlin ist für den Münchner Michael Schmid ein Einschnitt besonderer Art: Er verliert ein Stück Familie und wird – Ehrensache – beim allerletzten Flug …
Münchner hebt am Freitag mit der letzten Air-Berlin-Maschine ab
Letzte Rettung Erdinger Moos
Nicht jedes Flugzeug, das im Erdinger Moos landet, wollte hierher. Etwa 20 Mal im Jahr steuern Piloten den Flughafen München an, wenn Passagiere auf einmal ärztliche …
Letzte Rettung Erdinger Moos
Dritte Startbahn als rote Linie
In den Koalitionsverhandlungen von CDU/CSU, Grünen und FDP muss die dritte Startbahn ein Thema sein. Das fordert der Freisinger Landtagsabgeordnete Benno Zierer von den …
Dritte Startbahn als rote Linie
Abgestürztes Flugzeugteil: Rätsel um fehlende Bolzen
Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung hat ihren Bericht zum abgestürzten Tragflächenteil abgeschlossen. Er gibt Rätsel auf. 
Abgestürztes Flugzeugteil: Rätsel um fehlende Bolzen

Kommentare