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Der Angeklagte am Landgericht Landshut im Gespräch mit seinem Verteidiger Jörg Kaiser.

Vor Gericht

Kokain-Übergabe direkt am Flugzeug

Flughafen/Landshut – Ein Flughafen-Sicherheitsmitarbeiter hat für die Nigeria-Connection beim Drogenschmuggel geholfen. Der Deutsch-Nigerianer wird zu drei Jahren Haft verurteilt.

Als Sicherheitskraft hatte ein Deutsch-Nigerianer am Flughafen München besondere Möglichkeiten, beim Drogenschmuggel zu helfen. Einmal nahm er im Mai 2012 direkt an der Maschinentür den Rucksack eines spanischen Drogenkuriers mit über 800 Gramm Kokain in Empfang. Nun bekam er im Prozess vor der 6. Strafkammer des Landgerichts Landshut die Quittung dafür. Der 45-Jährige wurde zu drei Jahren Haft verurteilt.

Staatsanwalt Thomas Rauscher zeigte sich in seinem Plädoyer „verunsichert, wie einfach man sich im sicherheitsrelevanten Bereich kriminell betätigen kann.“ Das die Sicherheitskräfte eher schlecht bezahlt seien, sei zwar keine Entschuldigung für den 45-Jährigen, aber ein Anreiz. Vorsitzender Richter Ralph Reiter folgte dem Antrag von Verteidiger Jörg Kaiser und verhängte eine Freiheitsstrafe von drei Jahren.

„Man möchte gar nicht daran denken, was ein böswilliger Mitarbeiter, der bis zum Eingang des Fliegers kommt, alles anstellen könnte“, erklärte Reiter. Es sei aber auch klar, dass die Beschäftigten nicht wöchentlich überprüft werden könnten und deshalb die Sicherheitsmaßnahmen nicht lückenlos seien.

Laut Anklage hatte sich der am Flughafen als Sicherheitskraft tätige Nigerianer mit deutschem Pass 2012 von der Nigeria-Drogen-Connection anheuern lassen. Damals sorgte dieser Ring mehrfach mit Kokain-Schmuggel von Brasilien nach England für Schlagzeilen.

Bei der angeklagten Tat im Mai 2012 übernahm der Angeklagte praktisch am Ausstieg den Rucksack des Kuriers. Die Tasche mit 836 Gramm Kokain deponierte er dann in seinem Spind im Umkleideraum. Der Spanier flog noch am selben Tag nach London und am nächsten Tag zurück nach München, von wo er gegen 20 Uhr erneut einen Flug in die britische Hauptstadt antrat – diesmal mit dem Rucksack, den ihm der Sicherheitsmitarbeiter im Gate-Bereich, also hinter der Sicherheitskontrolle, übergeben hatte. Dafür soll der Security-Mitarbeiter 2000 britische Pfund erhalten haben.

Der Spanier flog bei bei nächsten Schmuggelaktion auf, bei der der Deutsch-Nigerianer nicht mehr mitmachte. Der Kurier fiel durch seine Übernervosität in München auf und wurde festgenommen. Er hatte insgesamt ein knappes Kilo Kokain im Gepäck und wurde später zu einer Freiheitsstrafe von knapp drei Jahren verurteilt. Der Kurier packte über die Organisation und schließlich auch den Flughafen-Mitarbeiter aus.

Nachdem der 45-Jährige enttarnt worden war, benannte er einen Hintermann in England. Nach Angaben eines Beamten der Zollfahndung vor Gericht sei die Zusammenarbeit mit den britischen Behörden alles andere zufrieden stellend. Der dort verdächtige Nigerianer befinde sich noch auf freiem Fuß.

Der Angeklagte bestätigte vor der 6. Strafkammer sein umfassendes Geständnis. Er habe, so berichtete er, in seiner Heimat nach seinem Studium der Agrarwissenschaften keine Arbeit bekommen und sei dann 2001 als Asylbewerber nach Deutschland gegangen. Nach der Hochzeit mit einer Deutschen habe er sein Geld bis 2008 als Lagerarbeiter verdient. Nach den entsprechenden Sicherheitsüberprüfungen habe er den Job am Flughafen bekommen.

Während eines früheren Italienaufenthalts habe er einen Landsmann kennen gelernt, mit dem er später über Facebook wieder Kontakt bekommen habe. „Da wollte ich nach London ziehen, er hat mir Hilfe bei der Wohnungs- und Arbeitssuche angeboten“, berichtete der 45-Jährige. Bei den Gesprächen sei es dann auch um Drogen gegangen, um die Leute, die sein Landsmann nach Brasilien schicke – und natürlich um den Job des 45-Jährigen am Airport, mit dem das Aufdeckungsrisiko erheblich gemindert werden könnte.

Er habe zwar Bedenken gehabt, so der Angeklagte. Aber letztlich habe er sich quasi aus Dankbarkeit für die Hilfe, die ihm sein Landsmann angeboten habe, einmal überreden lassen.

Walter Schöttl

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