Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

Kommentar zum Wochenende

3. Startbahn: Die Politik hat die Hosen gestrichen voll

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Am Sonntag will Ministerpräsident Horst Seehofer die neuesten Zahlen vom Flughafen München analysieren, um dann eventuell zu entscheiden, wie es mit der dritten Startbahn weitergeht. Ein Beschluss ist überfällig, meint Redaktionsleiter Hans Moritz in seinem Kommentar zum Wochenende.

15 statt zehn Airbus A 350 und nun fünf A 380 von Frankfurt an den Flughafen München – Lufthansa wird in den kommenden Monaten 20 Großflugzeuge neu ins Erdinger Moos bringen, zehn mehr als ursprünglich geplant. Damit hat Deutschlands größte Fluggesellschaft neben ihrer Tochter Eurowings, die seit diesem Sommer ganz neu am Moos-Airport angedockt hat, das letzte Argument geliefert, dass eine Entscheidung über die dritte Startbahn überfällig ist. Doch die Politik tut nichts, sie hat die Hosen gestrichen voll – exakt fünf Jahre nach einem ersten ablehnenden Bürgerentscheid der (relativ weit weg lebenden und damit nicht betroffenen) Münchner.

Gegner und Befürworter haben genügend Argumente ausgetauscht. Da wird keiner mehr den anderen überzeugen. Wer heute den Bedarf für den Ausbau nicht sieht, wird ihn auch dann nicht sehen, wenn Passagier- und Flugzahlen weiter steigen. Ironie der Entwicklung: Die jüngste Netto-Zuwachs von Flugzeugen – hauptsächlich werden ja kleinere gegen größere und modernere Maschinen getauscht – ist ja auch ein Argument dafür, dass auf den beiden Bahnen doch noch Platz ist, auch zu attraktiven Start- und Landezeiten. Auf der anderen Seite zeigt die Langzeitentwicklung: Das Ende der Kapazität wird kommen.

Und dennoch drückt sich die Politik um eine Entscheidung. Die Stadt München kann sich irgendwann einen zweiten Bürgerentscheid nach 2012 vorstellen, anstatt als Anteilseigner selbst Ja oder Nein zu sagen. Die Staatsregierung behauptet zwar, für die dritte Bahn zu sein, will aber weiter abwarten beziehungsweise versteckt sich hinter München. Der Grund dafür ist klar: Angst vor dem Wähler. Heuer wird im Bund gewählt, 2018 im Land. Und danach? 2020 stehen Kommunalwahlen an, 2021 dann schon wieder die nächste Bundestagswahl.

Das grenzt schon an Arbeitsverweigerung einer repräsentativen Demokratie. Dabei braucht auch die Region eine Entscheidung, die nach zwölf Jahren Hin und Her beim Airportausbau immer stärker zermürbt wird. Herausforderungen werden nicht geringer, wenn man sie bis zum Sankt Nimmerleinstag vor sich herschiebt.

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