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Was leicht aussieht, muss erstmal gelernt werden: Wie man das Tablett hält und die Fluggäste bedient, lernen die Auszubildenden im Trainingscenter der Lufthansa. Dort spielen die angehenden Flugbegleiter auch die Rolle der Gäste.

Lufthansa sucht 4000 neue Mitarbeiter

Blick hinter die Kulissen: Fliegen lernen in der Trainings-Box

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München - Es ist eines der größten Job-Programme dieses Jahres: Lufthansa sucht über 4000 neue Mitarbeiter für die Kernmarke, aber auch für die Konzernableger Eurowings, Swiss, Austrian Airlines und City Line. Allein 2800 Flugbegleiter werden eingestellt. Ein Blick hinter die Kulissen.

Der Traum vom Fliegen beginnt in einem wenig ansehnlichen Gewerbegebiet in Schwaig im Landkreis Erding. Direkt vor den Toren des Flughafens München befindet sich das Lufthansa Training Center. Hier werden nicht nur Flugbegleiter, sondern auch Piloten ausgebildet. Es ist ein eigenes Unternehmen unter dem Dach von Deutschlands größter Fluggesellschaft. Seit acht Jahren wird das Kabinenpersonal nicht nur in Frankfurt, sondern auch im Erdinger Moos geschult. Unter anderem in Simulatoren.

5000 Flugbegleiter werden jedes Jahr in Schwaig aus- oder fortgebildet – nach Vorgaben des Bundesluftfahrtamtes und nach Richtlinien der Lufthansa. Wer 18 Jahre alt ist, Deutsch und Englisch spricht und eine abgeschlossene Schulausbildung hat, kann sich bewerben. Es gibt Voll- und Teilzeitstellen. Drei Monate dauert die Ausbildung im Trainingscenter, aber auch in der Luft.

In einer großen Halle stehen zwei große Boxen mit einer Flugzeugnase. Darin befinden sich viel Technik und vor allem Teile zweier Originalkabinen: eine von der Airbus-A320-Familie, die andere vom A340. „Das sind die Flugzeugtypen, die bei uns vorrangig im Einsatz sind“, erklärt Lufthansa-Sprecherin Bettina Rittberger. In den Simulatoren lassen sich viele Szenarien durchspielen.

Mina Dokubo, Chefausbilderin im Münchner Trainingscenter, erklärt: „Am Anfang steht die Sicherheit. Die angehenden Flugbegleiter lernen zunächst, wie sie sich in besonderen Situationen zu verhalten haben.“ Besondere Situationen werden im Trainingscenter per Knopfdruck ausgelöst. „Notlandung auf dem Wasser“, ruft Dokubo – und durch die Fenster sieht man das Meer bedrohlich schnell näher kommen. Plötzlich gibt es einen Schlag, ein lautes Rauschen kommt durch die Lautsprecher. Das Flugzeug steht. „Jetzt muss der Personal schnell und besonnen handeln“, sagt die Ausbilderin – und macht es gleich selbst vor: Sie sieht durch das Bullauge der Tür, öffnet sie und löst den aufblasbaren Notausstieg aus.

Nicht immer muss es so dramatisch zugehen. Wer schon einmal in einem Flugzeug gesessen ist, kennt die vielen verschiedenen Geräusche, die unterschiedlichen Gongtöne und knarzigen Durchsagen aus dem Cockpit. Befasst haben sich wohl die wenigsten damit. „Jedes Ding und Dong hat seine Bedeutung“, sagt die Ausbilderin. „Jeder Flugbegleiter muss jede Situation registrieren, erkennen und darauf reagieren können.“ Auch der Umgang mit besonderen Situation mit Fluggästen wird trainiert. Am Ende steht eine Prüfung nach den Vorgaben des Luftfahrtbundesamtes. Hier gibt es keine zweite Chance: „Wer durchfällt, ist raus“, sagt Dokubo. Das komme aber eher selten vor. „Schon bei der Auswahl sind wir streng.“

Elf Tage der Ausbildung, die übrigens von besonders geschulten Flugbegleitern vorgenommen wird, sind dem Service an Bord vorbehalten. Das geschieht in dem Reich, das unter anderem von Marion Hödl regiert wird. Hier sieht es nur ein bisschen wie in einem Flieger aus – Sitzreihen, Bordküchen und die Wägelchen, die offiziell Trolleys heißen. „Es ist eine Kunst für sich, sich in den meist extrem engen Küchen schnell zu bewegen, alles zu finden, für den Gast vorzubereiten, ohne sich ständig im Weg zu stehen“, sagt Hödl.

Auch der Kontakt muss gelernt werden: Wie hält man das Tablett, wie bedient man die Reihen, ohne einen Passagier zu vergessen, wie schiebt man den Trolley unfallfrei durch die Gänge? Im Trainingscenter spielen die angehenden Flugbegleiter – das Gros ist immer noch weiblich – auch die Gäste und erfahren so, wie ihr Service ankommt.

Warum stellt die Lufthansa, die doch eigentlich auf Sparkurs fliegt, so viele neue Mitarbeiter ein? Konzernsprecherin Rittberger erklärt: „Wir haben immer mehr Teilzeitmodelle, um Beruf und Familie, aber auch Studium unter einen Hut zu bringen. Außerdem benötigen wir wegen der neuen Gesetze zu den Bereitschaftszeiten weiteres Personal. Hinzu kommt die natürliche Fluktuation.“

Die Lufthansa sucht 600 Flugbegleiter in München und 800 in Frankfurt, 800 für die Swiss in Zürich, 360 für das die neue Tochterlinie Eurowings in Wien, Düsseldorf und Hamburg, 200 für Austrian Airlines in Wien und 30 für die CityLine in München. Darüber hinaus stellt der Kranich-Konzern 240 Piloten ein – und anderem für Eurowings, Austrian Airlines und SunExpress. Nicht zuletzt werden im Erdinger Moos 150 Service-Mitarbeiter am Boden gesucht und Auszubildende in über 30 Berufen engagiert.

Weitere Infos auf dem Karriereportal der Lufthansa: www.be-lufthansa.com.

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