Airlines mit Millionen gefördert

Magerl kritisiert: Flughafen erkauft sich Luftverkehr

München - Hat sich der Flughafen München den hohen Luftverkehr teuer erkauft? Grünen-Politiker Christian Magerl wirft der FMG vor, mit Förderungen den Bedarf nach einer dritten Startbahn erhöht zu haben.

Der Zeitpunkt der Entscheidung rückt näher: Im März will Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) seine Entscheidung über die dritte Startbahn am Flughafen München verkünden. Das Klima zwischen Gegnern und Befürwortern des Milliardenprojekts ist entsprechend angespannt.

Einer der entschiedensten Gegner der Startbahn, der Grünen-Politiker Christian Magerl, hat nun die Debatte erneut befeuert. In einem Schreiben wirft er der Flughafen München GmbH (FMG) vor, sich mit millionenschweren Subventionen mehr Flugbewegungen erkauft zu haben. Das sei ein „handfester Skandal“.

Konkret geht es um ein Förderprogramm des Flughafens. Zu Umfang und Art des Programms hatte Magerl eine Anfrage gestellt. Aus der Antwort vom Bayerischen Finanzministerium, die unserer Zeitung vorliegt, geht nun folgendes hervor: In den Jahren 2013 und 2014 hat die FMG 46 Airlines unterstützt, mit insgesamt 34 Millionen Euro. Pro Jahr wurden mit diesen Mitteln rund 9000 Flugbewegungen gefördert.

Magerl erklärte, er sei ob dieser Zahlen „mächtig erschrocken“. „Die FMG tut so, als platze ihr Flughafen aus allen Nähten. Gleichzeitig erkauft sie sich für irre viel Geld Flugverkehr“, kritisiert er. „Das hat vor dem Hintergrund der Startbahn-Debatte eine politische Dimension.“

Magerl rechnet vor: Pro geförderter Flugbewegung in den Jahren 2013 und 2014 hat die FMG 1889 Euro ausgegeben. Ohne diese Fördermittel, resümiert er, wäre der Rückgang der Flugbewegungen in beiden Jahren noch deutlicher ausgefallen.

2013 waren die Flugbewegungen am Flughafen München von 398 000 auf 382 000 gefallen. 2014 gingen sie auf 377 000 erneut zurück, 2015 stiegen sie auf 380 000 an.

In Bayerns Finanzministerium herrscht über Magerls Attacke betontes Unverständnis. „Das ist doch kalter Kaffee“, sagte eine Ministeriumssprecherin unserer Zeitung. „Das Förderprogramm gibt es seit mehr als 20 Jahren und hat schon allein deshalb mit der dritten Startbahn nichts zu tun.“ Die Fördermittel würden auch nur dann eingesetzt, wenn sich dadurch die Profitabilität des Flughafens erhöhe, so die Sprecherin. „Das sichert Arbeitsplätze.“

Bei der FMG betonte Sprecher Edgar Engert auf unsere Nachfrage hin, dass es sich bei dem Förderprogramm weder um Subventionen noch um Steuergelder handeln würde. „Es geht hier um eine befristete Marketing-Unterstützung bei der Neuaufnahme von Strecken.“ Ein derartiges Förderprogramm sei auch nicht München-spezifisch, sondern an den meisten europäischen Flughäfen gängige Praxis.   

Beatrice Ossberger

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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