Vor Gericht

Die Masche mit dem Mietwagen

Flughafen – Mit geliehenen Autos Schulden abstottern – die Idee brachte einen 58-jährigen Bosnier für 29 Monate hinter Gitter.

Angeblich verdiente er sich als Kaffeehändler sein Geld, tatsächlich wohl aber mit der betrügerischen Anmietung hochpreisiger Autos. Für zwei Betrugsfälle muss ein 58-jähriger Mann nun für zwei Jahre und fünf Monate hinter Gitter.

Am 9. Oktober 2014 hatte der einstige Diplom-Betriebswirt bei einem Münchner Autoverleih einen Mercedes Sprinter im Wert von 31 000 Euro angemietet und nicht mehr abgeliefert. Am 15. Februar war er dann am Flughafen aktiv. Diesmal war es ein BMW X1 für 40 000 Euro, der ihm übergeben wurde und dann auf Nimmerwiedersehen verschwand. Aufgrund eines internationalen Haftbefehls wurde der Mann im September vergangenen Jahres in seiner Heimat festgenommen und an die Landshuter Justiz ausgeliefert.

Beim Schöffengericht des Amtsgerichts Erding wurde er wegen Betrugs in zwei Fällen zu einer Freiheitsstrafe von 29 Monaten verurteilt. Dagegen legte er Berufung ein, so dass es vor der 5. Strafkammer des Landgerichts zu einer Neuauflage des Prozesses kam. Er habe, so seine Version, bei Geldverleihern in seiner Heimat einen Kredit über 6000 Euro aufgenommen, zu dem monatlich zehn Prozent Zinsen, also rund 600 Euro, gekommen seien. Er habe in seinem Gewerbe aber im Schnitt nur rund 1500 Euro verdient und sei deshalb in die Bredouille geraten. Von seinen Geldgebern sei er deshalb bedroht worden.

Um aus dem Schlamassel herauszukommen, habe er in München den Mercedes Sprinter besorgt und abgeliefert: „Ich habe geglaubt, dass damit meine Schulden beglichen sind.“ Er sei dann in Deutschland wieder seinen Geschäften nachgegangen und habe von einer Lederwaren-Messe in Hessen erfahren, bei der er auf ein Zusatz-Geschäft gehofft habe. Deshalb habe er den BMW X1 angemietet, sei damit zum Einkaufen in seine bosnische Heimat gefahren. Ehe er wieder nach Deutschland zurückkehren konnte, sei er seinen Gläubigern in die Hände gefallen: „Die haben mir die Autoschlüssel abgenommen und mich wieder bedroht, weil ich angeblich immer noch Schulden hatte.“

An dieser Version meldete Vorsitzender Richter Richard Findl Zweifel an, zumal der 58-Jährige bereits erheblich einschlägig vorbestraft war. Erstmals 2003 in München und in der Folge noch zweimal in Österreich, wobei es jeweils auch um betrügerisch angemietete Autos gehandelt hatte. Dafür hatte sich der Händler in St. Pölten eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und in Innsbruck weitere 22 Monate eingehandelt. In erster Instanz, so der Richter, habe er noch Glück gehabt; denn es hätte durchaus auch eine Verurteilung wegen Betrugs in besonders schwerem Fall mit erheblich höhererStrafe erfolgen können. Die Berufung, so machte der Richter klar, habe keine Aussicht auf Erfolg. Eine Ansage, die den Mann zur Rücknahme der Berufung veranlasste.

Walter Schöttl

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