Passagiere vermissen eine Kleinigkeit

Neuer Satelliten-Terminal: Schön, nur etwas fehlt

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Flughafen - Der neue Satelliten-Terminal am Flughafen München ist in Betrieb, der Airport bestätigt seinen Ruf als Organisations-Weltmeister. Nur eine Kleinigkeit hat ein Passagier vermisst.

Alle Wege führen nach Rom. Den modernsten hat am Dienstagmorgen Michael Kerkloh freigegeben:Es ist der Terminalsatellit am Flughafen im Erdinger Moos. Der Airport-Chef durchschnitt gemeinsam mit Lufthansa-Stationsleiter Burkhard Feuge das obligatorische Band, heute in Blau. Das Boarding für den ersten Flug konnte beginnen, Start um 6.30 Uhr. Kapitän Michael Silberhorn und Purser Günther Rieder brachten 100 Passagiere nach Rom-Fiumicino.

Vom Satelliten aus geht es natürlich nicht nur in die Ewige Stadt, sondern in die ganze Welt. Die Flughafen München GmbH (FMG) und die Deutsche Lufthansa haben sich das neue Abfertigungsgebäude eigenen Angaben zufolge 900 Millionen Euro kosten lassen, um die Kapazität des Terminal 2 um weitere elf Millionen auf 36 Millionen Passagiere pro Jahr zu erhöhen. Für den ersten Betriebstag waren 140 Flüge mit insgesamt knapp 20000 Passagieren koordiniert. Die erste Landung war bereits um 5.07 Uhr. Es war laut FMG-Sprecher Ingo Anspach ein Airbus A340 aus Hongkong mit 264 Passagieren an Bord.

Von technischen Pannen und Startschwierigkeiten war am Morgen nichts zu hören, was Kerkloh nicht verwunderte. „Wir haben da seit 1992 einen ziemlich guten Ruf“, spielt er grinsend auf den seinerzeit weltweit beachteten Flughafenumzug von Riem ins Erdinger Moos an. Außerdem seien FMG-Experten in der ganzen Welt unterwegs, um Flughafen in Betrieb zu nehmen. 

Neuer Terminal-Satellit: Kaffee gibt es nur in den Gastro-Bereichen zu kaufen

Auch die Passagiere sind gut gelaunt. Doch den ersten Schönheitsfehler bemerkt Robert Plischke: „Es gibt hier weder Kaffee noch Zeitungen.“ Der Ampfinger vermisst den Service, den er vom Terminal 2 gewohnt ist. Zeitungen werde es künftig geben, habe ihm eine Servicekraft gesagt. Die Kaffeeautomaten wohl eher nicht, denn da antwortet auch Kerkloh ausweichend: „Ach wir haben hier so schöne Gastronomiebereiche…“

Der neue Terminal-Satellit am Flughafen München ist freigegeben. 

Die Restaurants und Läden hält der FMG-Chef ohnehin für Highlights des 600 Meter langen Gebäudes. Als er bei der Eröffnung am Freitag die Bosse anderer Flughäfen über den Viktualienmarkt im Satellit führte, „da waren die Kollegen schon sehr beeindruckt“, erzählt er. Kerkloh setzt auf den Trumpf Bayern („Jeder soll wissen, dass er hier in München ist“), und noch mehr auf das Thema Komfort. Dank der 27 gebäudenahen Flugzeugabstellpositionen habe die Busfahrerei auf dem Vorfeld ein Ende. Die rund 100 Busfahrer der FMG müssten allerdings nicht um ihren Job fürchten, versichert Kerkloh. „Shuttledienste und andere Fahrten - es gibt noch genügend Einsatzmöglichkeiten für sie.

Nicht allerdings für die U-Bahn, die die Passagiere innerhalb einer Minute vom Terminal zum Satellit bringen. Die ist nämlich führerlos, was wiederum für Madeleine Thäter nichts Neues ist: „Das haben wir in Nürnberg schon lange.“

Die 25-Jährige kommt aus dem fränkischen Engelthal. Mit Barbara Weiß, Anthea Wagner, Sophie Linnert und Johanna Schiller hat sie noch vier Freundinnen aus dem 1000-Einwohner-Dorf mitgebracht. „Wir kennen uns schon seit dem Kindergarten und freuen uns auf Rom.“ Dass sie an einem historischen Flug teilnehmen, „haben wir vorher nicht gewusst“, erzählt Thäter. Von der Airline seien sie auch nicht benachrichtigt worden, dass der Flug vom neuen Abfertigungsgebäude aus erfolgen werde. „Aber das war ja auch kein Problem, denn wir haben uns hier sofort zurechtgefunden.“ So sieht es auch Robert Plischke, der mit seiner Irmgard sowie der Schwiegermutter Resi Dinter unterwegs ist. Eine Station wird die Papstaudienz sein – ein Geschenk für die Schwiegermutter zum 75. Auch ohne Kaffee ist so ein Abflug aufregend – zumal auch noch eine Blaskapelle spielt und Lebkuchenherzen verteilt werden.

Neuer Satelliten-Terminal am Flughafen am Netz: Bilder

Aufgeregt ist auch Claudia Hempel. Die Frau aus Fraunberg (Kreis Erding) arbeitet zwar schon seit 27 Jahren am Flughafen, doch der neue Duty-Free-Shop begeistert sie. „90 Meter lang, modern, exklusiv – einfach wow“, schwärmt sie und nimmt ihre junge Landshuter Kollegin Bettina Astner in den Arm. Die ersten Kosmetika habe sie schon verkauft, „aber klar ist es in den ersten Stunden noch ruhig“.

Am Mittwoch wird es übrigens ganz ruhig werden. Die Lufthansa hat aufgrund des Warnstreiks im öffentlichen Dienst die meisten Flüge gecancelt. Die Mitarbeiter können nochmal durchschnaufen, am Donnerstag beginnt dann der Alltag.

Rubriklistenbild: © dpa

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