Kommandozentrale gegen Angriffe aus dem Netz. Das Bild zeigt einen Teil des gestern eröffneten Information Security Hubs in der ehemaligen Luftpostleitstelle an der Südallee. Es handelt sich um ein Test-und Kongresszentrum zur Abwehr von Cyber-Attacken vor allem auf kritische Ifrastrukutr

Neues Abwehrzentrum gegen Cyber-Kriminalität 

In der Kampfarena gegen Viren und Würmer

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Wenn der Flughafen binnen drei Monaten mehrere Millionen Euro aufbringt und 170 Mitarbeiter mobilisiert, dann muss es etwas Wichtiges sein: Gestern ging der Information Security Hub offiziell in Betrieb – ein Test- und Abwehrcenter gegen Gefahren aus dem weltweiten Netz.

Flughafen – Es sind Zahlen, die einen am Laptop erschreckt auffahren lassen: Zwei bis dreimal pro Woche wird das Datennetz des Münchner Flughafens ernsthaft durch Hacker-Angriffe bedroht. Hinzu kommen täglich (!) 20 000 bis 50 000 kleinere Angriffe, die leicht abzuwehren sind. „Ruckeleien am Zaun“ nennt sie Marc Lindike salopp. Er ist Chef des neuen Information Security Hub (ISH), der am Mittwoch in der ehemaligen Luftpostleitstelle an der Südallee in Betrieb gegangen ist.

Es handelt sich um ein architektonisch futuristisch anmutendes Test- und Kongresszentrum, in dem internationale Experten der Datensicherheit zusammenkommen, um sich darüber auszutauschen, wie man gegen Viren, Würmer und Bots vorgeht, ehe sie ein gesamtes Firmennetz lahmgelegt oder, noch schlimmer, ganz zerstört haben. Es ist wie beim Hase-Igel-Spiel: Wenn sich die Kriminellen jeden Tag etwas Neues einfallen lassen, müssen auch die Abwehrmechanismen stets auf dem neuesten Stand sein.

Wie besorgniserregend leicht es ist, zum Hacker zu werden, zeigen einige Ausstellungsstücke. So gibt es in jedem gut sortierten Elektromarkt USB-Sticks zu kaufen, mit denen man in Sekundenbruchteilen einen Rechner infizieren und die Daten abgreifen kann. Ebenso gibt es Wlan-Router, die es den Cyber-Kriminellen erlauben, alle Informationen an einem Hot Spot einzusammeln.

Im ISH werden vor allem Datenexperten aus der Luftfahrt, von Flughäfen, der Industrie, aus Behörden und der Logistik zusammenkommen. Denn sie stehen für hochsensible Bereiche. Weil beispielsweise ein gehacktes Airport-System drastische Auswirkungen haben kann, ist es für Cyber-Attentäter ein beliebtes Ziel.

Lindike sagt, das ISH am Moos-Airport richte sich nicht nur an die eigene Branche. „80 Prozent der Systeme bei uns finden sich auch in jedem Einkaufszentrum, Bahnhof oder in großen Firmen. Nur 20 Prozent sind flughafenspezifisch.“ Für dieses Fünftel wird das Abwehrzentrum noch so ausgebaut, dass ein Flughafenbetrieb originalgetreu nachgestellt werden kann – einschließlich Licht- und Geräuschkulisse.

Das ISH umfasst vier Trainingsräume beziehungsweise IT-Labore, einen Regieraum und ein Amphitheater für Vorträge – alles vollgestopft mit Computern, Netzwerkkomponenten, Kameras und Beamern – um realistische Angriffe auf Computersysteme durchführen zu können.

Bei der Eröffnung sagte FMG-Geschäftsführer Thomas Weyer: „Als Flughafenbetreiber sind wir für die Funktionsfähigkeit einer kritischen Infrastruktur verantwortlich und müssen den Schutz vor Cyber-Attacken tagtäglich sicherstellen.“ Eine effektive Bekämpfung der IT-Kriminalität bedürfe der Innovation und Vernetzung. Besonders freute sich Weyer darüber, dass das Cyber-Lab das erste an einem europäischen Großflughafen sei – und das sogar mit einer eigenen Bierbar vom Airbräu.

Dirk Häger vom Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik sagte, vor 25 habe man nur die Regierung geschützt, heute die gesamte Wirtschaft und Gesellschaft. „In einer immer stärker vernetzten Welt nehmen auch die Angriffe zu, die immer weitreichendere Folgen haben. Das gilt gerade für kritische Infrastruktur wie Kliniken und Fabriken – oder eben Flughäfen.

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