+

Neues Zentrum gegen Cyber-Kriminalität 

Der Feind am Ende der Mail

  • schließen

Am Flughafen München starten und landen täglich hunderte Flugzeuge. In der gleichen Zeit sind hunderttausende Mails von und zum Moos-Airport unterwegs. Und jeden Tag sind Bösewichte darunter. Die FMG rüstet sich jetzt noch stärker gegen Cyber-Kriminalität.

Von Hans Moritz

Flughafen – Am Moos-Airport gibt es eine eigene Feuerwehr, die ausrückt, wenn es brennt. Alarm kommt jeden Tag auch aus dem Netz – virtuelle Feuermeldungen. Die FMG hat eigene Experten, die 24 Stunden rund um die Uhr darauf achten, dass das Datennetz von Deutschlands zweitgrößtem Flughafen nicht gehackt wird. Ein Angriff könnte im schlimmsten Falle den Flugbetrieb lahmlegen, der Schaden würde schnell in die Millionen gehen.

Nun will sich die FMG noch besser schützen, aber auch ihr Wissen weitergeben und sich mit anderen Cyber-Experten austauschen. Zu diesem Zweck entsteht soeben ein Zentrum für den Kampf gegen die Cyber-Kriminalität, ein so genannter Information Security Hub.

Für die Sicherheit und Unverletzlichkeit des Netzes ist am Flughafen Marc Lindike verantwortlich, einer von 300 IT-Experten bei der FMG. „Es sind ein paar hunderttausend Mails, die täglich hier ankommen oder abgesendet werden“, berichtet Lindike. Jeden Tag befänden sich im Posteingang Mails, die das Netz oder Rechner lahmlegen, Daten abfischen oder wichtige Funktionen außer Kraft setzen sollen. „Bislang ist das noch niemandem gelungen. Wir konnten alle Gefahrenquellen rechtzeitig entdecken und entschärfen“, sagt Lindike.

Das FMG-Netz sei vielfach geschützt – durch Schutzringe, Schleusen und Firewalls. „Es kommt schon mal vor, dass die erste oder zweite Zone durchbrochen wird. Aber bislang war immer rechtzeitig Schluss“, versichert der Cyber-Experte. „Wenn wir eine riskante Mail mit einem möglicherweise gefährlichen Anhang herausfiltern, wird sie abgefangen und genau untersucht.“ Entweder werde sie dann vernichtet oder entschärft zugestellt.

Weil sich gerade die Cyber-Kriminalität rasant entwickelt, setzt die FMG in Sachen Sicherheit noch eins drauf: Ende Januar 2018 geht der neue Information Security Hub in Betrieb, ein Kompetenzzentrum in Betrieb. Hier werden die IT-Spezialisten des Flughafens zusammen mit Experten renommierter IT-Dienstleister Verteidigungsstrategien testen und nach neuen Lösungen im Kampf gegen Cyber-Kriminalität suchen. „Produkte und Dienstleistungen sollen unter realistischen Bedingungen erprobt und Abwehrstrategien entwickelt werden“, erklärt der IT-Sicherheitschef. Angesiedelt wird der Security Hub in der alten Luftpost-Leitstelle an der Frachtallee. Partner sind laut FMG-Sprecher Ingo Anspach drei Firmen, die seit vielen Jahren Systeme entwickeln, um hochsensible Firmennetze zu schützen.

Das neue Kompetenzzentrum dient nicht nur dem Flughafen. Primäre Zielgruppe sind laut Anspach andere Flughäfen, Fluggesellschaften, die Luftverkehrsbranche insgesamt, aber auch Unternehmen aus den Bereichen Mobilität und Industrie.

Lindike vergleicht das neue Zentrum mit der Feuerwehr: „Auch wenn es so gut wie nie passiert, dass ein Flugzeug in Flammen aufgeht, so muss man den Ernstfall doch immer wieder trainieren. Bei der Sicherheit im Netz ist das auch so.“ Bisher sei nie etwas passiert. „Aber wenn der Fall eintritt, müssen wir gewappnet sein, damit die Abläufe am Flughafen nicht gefährdet werden.

Nicht nur Mails können das Netz der FMG gefährden. Auch USB-Sticks und CD-Roms können das Einfallstor sein. Michael Zaddach, IT-Chef der FMG, berichtet im aktuellen Flughafenmagazin, dass nach Warnungen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik im Sommer offene PC-Schnittstellen gesperrt werden müssen. Auch in diesem Fall ist laut Zaddach nichts passiert. Die Konsequenz aus dieser buchstäblich virtuellen Gefahr: Es gibt nun ein eigenes Programm, damit nur bekannte und zugelassene Programme per Stick oder CD ausgeführt werden können. Und einmal mehr seien die Mitarbeiter für die Gefahren sensibilisiert worden, die auf diese Weise per Knopfdruck den gesamten Flughafen gefährden können.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Drei Jahre nach dem Urteil schnappt die Falle zu
Über drei Jahre nach seiner Verurteilung ist ein 33 Jahre alter Franzose am Flughafen den Behörden ins Netz gegangen.
Drei Jahre nach dem Urteil schnappt die Falle zu
Todesangst am Tag des OEZ-Amoklaufs
Ein gefeuerter Koch verbreitete bei der Firma LSG am Flughafen Panik. Fast eine halbe Stunde lang hatte er zwei Menschen in seiner Gewalt. Nun wurde er verurteilt.
Todesangst am Tag des OEZ-Amoklaufs
Zoll erwischt Schmuggler - Er versteckte 230.000 Euro in einer Waschmittelflasche
Geldwäsche einmal anders: Zöllner haben am Münchner Flughafen einen Geschäftsreisenden erwischt, als er in einer Waschmittelflasche in seinem Koffer mehr als 230.000 …
Zoll erwischt Schmuggler - Er versteckte 230.000 Euro in einer Waschmittelflasche
Air-Berlin-Mitarbeiter „massiv unter Druck“
Ende Oktober ging der letzte Air-Berlin-Flug von München nach Tegel. Seitdem sind viele Mitarbeiter im Ungewissen. Ihre Hilferufe an die Politik blieben bislang ungehört.
Air-Berlin-Mitarbeiter „massiv unter Druck“

Kommentare