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„Lassen Sie uns nicht im Regen stehen“: Mit diesen Worten erhielt Staatskanzleichef Marcel Huber (M.) einen Regenschirm mit den besten Karten von (v. l.) Konrad Huber, Markus Geier, Simon Oberhofer, Martin Falkenberg und Alfred Huber.

Postkarten-Aktion gegen die dritte Startbahn

Liebesgrüße aus Berglern

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München/Berglern - 1050 „Busserl für Horst Seehofer“ übergab die BI Berglern am Montag in der Bayerischen Staatskanzlei. Mit dieser Aktion wollen die Startbahngegner dem Ministerpräsidenten in ihrem Sinne den Rücken stärken, „wenn Parteifreunde nerven“.

Der Berglerner Startbahnprotest lebt. Dieses Zeichen wollte die örtliche Bürgerinitiative setzen. Und es ist ihr gelungen: 1050 Postkarten haben Aktive um Martin Falkenberg binnen drei Wochen im Juni an die Berglerner verteilt und wieder eingesammelt – alle mit einem „dicken Busserl für Horst Seehofer“, viele mit persönlichen Anschreiben und auch Kunstwerken von Kindern. Die Initiatoren hatten am Montagnachmittag einen Termin in der Bayerischen Staatskanzlei in München, um die Karten sowie einen Brief persönlich zu übergeben. Staatsminister Marcel Huber hatte dazu eingeladen.

Der CSU-Politiker versprach, die gelbe Postkiste mit den Karten an den Ministerpräsidenten zu übergeben und nannte die Aktion „eine charmante Form, Position zu beziehen“. Die Berglerner waren zufrieden. „Das ist ein großer Erfolg“, sagte BI-Sprecher Martin Falkenberg, der das Ziel von mindestens 1000 Karten ausgegeben hatte.

Für die Übergabe nahm sich der Staatskanzleichef rund eine Viertelstunde Zeit, um die Argumente zu hören. „Wir sind keine Flughafengegner“, sagte Falkenberg zu ihm. Doch nun sei es wichtig, Augenmaß zu bewahren. „Die Leute haben Angst“, berichtete Falkenberg dem CSU-Politiker von Gesprächen mit Berglernern – Angst vor gesundheitlichen Belastungen durch Lärm und Abgase oder auch vor dem Wertverlust ihrer Eigenheime.

Bürgermeister Simon Oberhofer erläuterte dem Staatskanzleichef die besondere Belastung Berglerns, durch die jetzige Nordbahn plus – im Falle ihrer Errichtung – die dritte Piste. Insbesondere das Ortszentrum mit 120 Schulkindern sowie 200 Mädchen und Buben in Krippe und Kindergarten werde betroffen sein.

Marcel Huber versicherte, dass in die Entscheidung über den Flughafenausbau „alle Argumente einfließen“ und Sorgen von betroffenen Bürgern ernst genommen würden. Solche Großprojekte würden heutzutage nicht mehr am Grünen Tisch beschlossen. Über seinen Chef sagte Huber: „Ihm geht es ganz ehrlich um das Beste Bayerns und seiner Bürger.“ Der Ministerpräsident sei „an einem Punkt seiner Laufbahn, an dem er nichts mehr beweisen muss“.

„Man fühlt sich ernst genommen“, sagte Falkenberg im Anschluss – vielleicht gerade weil das Ganze von Anfang nicht bierernst angelegt war. Die Busserl-Karten spielen mit der Hoffnung vieler Startbahngegner, dass der Ministerpräsident inhaltlich auf ihrer Seite steht – zumindest hatten seine Aussagen im November beim Besuch Attaching bei einigen diesen Eindruck entstehen lassen.

Etwa 30 Aktive hatten 3000 Karten an alle Haushalte der 2700-Einwohner-Gemeinde verteilt. Sie informierten samstags an Ständen vor der Bäckerei und einmal an der Kirche nach dem Gottesdienst. Auch Pfarrer Gregor Bartkowski gab danach der BI ein „Busserl“ für Seehofer mit. Das macht die Aktiven stolz. „Das war ein Signal an viele alteingesessene Berglern“, meinte Konrad Huber.

Beim Einsammeln der unterschriebenen Karten führten die Helfer oft gute Debatten und hatten die eine oder andere lustige Begegnung. „Einer hat mir gesagt: ,I bin scho gegen die dritte Startbahn. Aber die Kartn unterschreib i ned, weil i dem Seehofer koa Bussi geben mog“, erzählte Falkenberg lachend. Doch meist sei dieser augenzwinkernde Protest gut angekommen, und darauf setzen die Berglerner auch bei Seehofer. „Wir haben durchaus mit dem hintergründigen Humor des Ministerpräsidenten gerechnet“, sagte Markus Geier bei der Übergabe.

Nach Jahren, in denen die BI Berglern nicht so sichtbar war, „ist wieder was am Wachsen“, ist Geier überzeugt. „Für kleinen Aktionen wie diese kriegt man auch die Aufmerksamkeit“, meint der Berufsschullehrer. In diese Richtung wollen die Aktiven weiter planen. Schon am Montagabend saß der harte Kern wieder zusammen.

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