Rettung in letzter Sekunde: der Einsatz im Juli 2015.

 Erklärung unter Tränen verlesen

Prozess um Flughafenbaby: „Ich wollte sie nicht töten“

Flughafen/Landshut – Die Mutter des Flughafenbabys hat am Dienstag im Prozess vor dem Landshuter Landgericht ihr Schweigen gebrochen.

Allerdings bestreitet die Erzieherin aus Heidenheim den Vorwurf des versuchten Totschlags und der gefährlichen Körperverletzung an der neugeborenen Tochter: „Ich habe ihr die Nabelschnur nicht um den Hals gewickelt, habe sie nicht stranguliert und wollte sie nicht töten.“

Der 24-Jährigen wird vorgeworfen, am 30. Juli 2015 auf der Toilette des Parkhauses P 20 am Münchner Flughafen ein Mädchen zur Welt gebracht, es dann mit der Nabelschnur stranguliert, in die Toilettenschüssel gestopft und die Spülung betätigt zu haben. Das Kind wurde gerettet und lebt bei Pflegeeltern.

Zum Prozessauftakt hatte die Erzieherin, gegen die inzwischen weitere Ermittlungen wegen mutmaßlicher früherer Schwangerschaften laufen, keine Angaben zu den Vorwürfen gemacht. Am Dienstag verlas sie eine Erklärung. Darin schilderte sie unter Tränen, dass sie bereits während des Fluges aus Dubai nach München Schmerzen im Unterleib und Rücken gehabt habe.

"Ich habe meiner Mutter gesagt, dass ich mich übergeben habe"

Mit ihren Eltern im Parkhaus, habe sie erneut Schmerzen im Unterleib verspürt. „Danach lief es warm die Beine runter. Ich habe gedacht, ich hätte in die Hose gepinkelt.“ Das sei offenbar der Blasensprung gewesen. Sie sei auf die Toilette, habe sich draufgesetzt, Blut gesehen und einen stechenden Schmerz verspürt. Sie habe „gedrückt“ und den Körper angespannt. Danach sei ihr „total schlecht“ gewesen. „Ich habe meiner Mutter gesagt, dass ich mich übergeben habe.“ Die Mama habe frische Kleidung über die Kabinentür geworfen und Schuhe darunter durchgesteckt. In Panik habe sie sich umgezogen und Blut weggewischt. Was mit ihrer blutigen Kleidung geschehen sei, wisse sie nicht.

Auf der Heimfahrt habe sie erneut Ausfluss und Schmerzen gehabt. Nach der Ankunft im Elternhaus sei ihr Verlobter aufgetaucht. Schließlich sei man zum Essen gegangen. Danach habe sie für einen Reise nach Düsseldorf Koffer gepackt. 

Schwangerschaft soll die erste gewesen sein

Abschließend beteuerte die 24-Jährige, dass sie das Kind nicht töten wollte. „Ich möchte Verantwortung übernehmen und es zu mir holen.“ Vorsitzender Richter Markus Kring hielt ihr vor, dass die Aussage erhebliche Lücken habe. Daher beantwortet die Angeklagte die Fragen des Gerichts, aber nicht die der Staatsanwaltschaft und des Nebenklägers.

Sie beteuerte, ihre Schwangerschaft erst sechs bis acht Wochen vorher wahrgenommen zu haben: „Es gab Bewegungen im Bauch und dazu die Gewichtszunahme.“ Klar wies sie die Frage nach früheren Schwangerschaften zurück: „Nein, das war die erste.“ Die Tochter habe sie – entgegen gutachterlicher Meinung – nie in der Hand gehabt. Sie sich der Geburt nicht bewusst gewesen. Beim Umziehen habe sie immer mit dem Rücken zur Kloschüssel gestanden. Den Abend mit dem späteren Austausch von Intimitäten mit dem Verlobten kommentierte sie so: „Das war nicht mehr da, ich hatte damit abgeschlossen.“

Der Prozess geht in die Verlängerung. Verteidiger Dr. Adam Ahmet will, dass sich ein gynäkologischer Gutachter zur Frage einer möglichen vorzeitigen Plazentaablösung äußert. Außerdem sieht er im psychiatrischen Gutachten Defizite. Die Angeklagte habe den Prozessbeteiligten, was ihre Glaubhaftigkeit angehe, eine „harte Nuss“ aufgegeben, erklärte Richter Kring. Es gebe vieles, das rational gegen ihre Version spreche.

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