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Trauriges Ende einer langen Reise: Im August 2008 landete ein Emirates-Airbus A 380 außerplanmäßig am Münchner Flughafen, weil ein Mädchen (9) schwer erkrankt war. Doch die Ärzte konnten der Kleinen nicht mehr helfen. Die Maschine war von Dubai nach New York unterwegs.

Sanitätsflughafen München

Letzte Rettung Erdinger Moos

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Nicht jedes Flugzeug, das im Erdinger Moos landet, wollte hierher. Etwa 20 Mal im Jahr steuern Piloten den Flughafen München an, wenn Passagiere auf einmal ärztliche Hilfe benötigen. Dann läuft eine Maschinerie aus Feuerwehr, Rettungsdienst und Bundespolizei an.

Flughafen - Der Fall ist in die Flughafengeschichte eingegangen: Im August 2008 musste ein Airbus A 380 von Emirates auf dem Weg von Dubai nach New York im Erdinger Moos zwischenlanden, weil ein neunjähriges Mädchen plötzlich akut lebensbedrohlich erkrankt war. Doch die Ärzte konnten der Kleinen nicht mehr helfen. Sie starb auf halber Strecke einer langen Reise.

Längst nicht jeder Fall endet derart tragisch. Doch dass sich Piloten aufgrund einer plötzlichen Erkrankung eines Passagiers oder Crew-Mitglieds kurzfristig entscheiden, den Münchner Flughafen anzusteuern, kommt gar nicht so selten vor. 17 Mal war es allein in diesem Jahr der Fall. Der Grund liegt auf der Hand: „Wir sind einer von wenigen Sanitätsflughäfen in Deutschland“, erklärt Flughafen-Sprecherin Kathrin Stangl im Gespräch mit unserer Zeitung. „Das heißt: Rund um die Uhr halten wir medizinisches Personal und auch Ärzte vor. Im Ernstfall können die Maschinen auch mitten in der Nacht landen“, so Stangl.

Sobald ein Pilot einen gesundheitlichen Notfall meldet, informiert die Verkehrsleitung nicht nur den Medizinischen Dienst des Flughafens, sondern auch die Flughafenfeuerwehr mit eigenem Rettungswagen sowie über die Integrierte Leitstelle Erding den Rettungsdienst, in der Regel die Malteser mit eigener Wache am Airport, die Johanniter oder das Bayerische Rote Kreuz.

„Die Maschinen steuern nach dem Aufsetzen in der Regel eine Außenposition in der Nähe der Landebahn an“, berichtet Stangl. Arzt und Sanitäter gingen danach an Bord, zeitgleich werde das Gepäck des Patienten ausgeladen. „Es geht in jeder Hinsicht darum, keine Zeit zu verlieren“, so die Airport-Sprecherin – „zum einen, um den Patienten so schnell wie möglich versorgen zu können, zum anderen, damit die Maschine rasch wieder in die Luft kommt“. Der Kranke wird danach im Rettungswagen der Flughafenfeuerwehr vom Vorfeld gebracht und dann vom öffentlich-rechtlichen Rettungsdienst übernommen. Der fährt ihn ins Krankenhaus – in der Regel in die Kliniken Erding oder Freising. Ist eine Spezialbehandlung erforderlich, kommt auch schon mal der Hubschrauber.

In vielen Fällen wird laut Stangl zudem die Bundespolizei informiert. „Das ist vor allem dann nötig, wenn der Reisende aus dem Nicht-Schengen-Raum kommt und keine Papiere für Deutschland oder Europa hat“, erklärt Christian Köglmeier, Sprecher der Bundespolizei, auf Anfrage. Die Beamten könnten zwar kurzfristig Notfall-Papiere ausstellen, „aber wenn es um Leib und Leben geht, dauert auch das zu lange“, so Köglmeier. In diesen Fällen würden Bundespolizisten den Patienten ins Krankenhaus begleiten und bis zum Ende des Aufenthalts oder der Ausstellung besagter „Emergency Documents“ bei ihm bleiben. „Rechtlich liegt dann keine Einreise vor“, so der Sprecher. Grundsätzlich werde die Bundespolizei immer dazu geholt, wenn vor der – ungeplanten – Einreise Ausweis und/oder Visa kontrolliert werden müssen.

Das gleiche Procedere wird übrigens auch dann angewendet, wenn ein Passagier im Transitbereich ein Notfallpatient wird. Das war erst am Mittwoch dieser Woche der Fall. Ein Iraker war kurz vor dem Weiterflug nach Denver kollabiert. Er kam mit Polizeibegleitung ins Erdinger Klinikum. Am gleichen Abend trat er laut Köglmeier etwas verspätet, aber wieder fit die Weiterreise an.

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