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Bayerisches Prestigeobjekt ohne Chance: Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber und Wirtschaftsminister Erwin Huber im Jahr 2007 mit einem Transrapid-Modell.

25 Jahre Flughafen

Schattenseite des Flughafens: „Gut erreichbar nur aus der Luft“

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Straße und Schiene sind auch für einen Flughafen wichtig. Die Erschließung ist seit der Eröffnung im Erdinger Moos vor 25 Jahren ein Problem.

München – Über den Flughafen München gibt es einen bösen Satz: „Gut erreichbar ist er nur aus der Luft.“ Ganz aus selbiger gegriffen ist diese Einschätzung nicht, schon gar nicht, wenn man von Osten kommend Deutschlands zweitgrößte Luftverkehrsdrehscheibe erreichen möchte. Die mangelhafte Erschließung durch Straße und Schiene ist das Einzige, was die unversöhnlichen Gegner und Befürworter des Moos-Airports eint.

Immerhin: In den vergangenen Jahren ist einiges in Bewegung geraten. Das hat das Umland auch Horst Seehofer zu verdanken, der 2011 verkündet hatte, über die dritte Startbahn rede er frühestens wieder, wenn die Planungen für Straße und Schiene „unumkehrbar vorangekommen“ seien.

Flughafentangente Ost - die meistbefahrene Straße Bayerns

Von Westen her ist der Flughafen bestens angebunden – durch zwei S-Bahn-Linien mit zwei Haltestellen auf dem Campus, die Autobahn A 92 München-Deggendorf sowie die vierspurige Zentralallee, die direkt in die Terminals mündet. Eher mau sieht es von Osten aus. Sieht man von zwei Buslinien ab, die nach Erding beziehungsweise Landshut führen, gibt es bislang nur eine zweispurige Staatsstraße, die am stärksten frequentierte in ganz Bayern. Die St. 2580 ist besser bekannt als Flughafentangente Ost. Die FTO gilt als berüchtigt, denn sie ist kurvenreich und nur zweispurig. Regelmäßig ereignen sich auf ihr schwere Unfälle.

Fertig sein sollte die FTO bereits zur Flughafeneröffnung 1992. Sie vernetzt die A 92 und die A 94. Auf der Länge von über 30 Kilometern durchschneidet sie zwei Landkreise, aber keine einzige Ortschaft. Wegen zahlreicher Klagen ist sie erst seit Ende 2010 durchgängig befahrbar.

Schon damals stand fest: Die FTO ist zu klein. In zwei Bereichen soll sie daher ausgebaut werden – zwischen Erding-Süd und Erding-Nord auf fast vier Kilometern Länge dreispurig, zwischen Erding-Nord und der Abzweigung zum Flughafen auf annähernd sechs Kilometern Länge vierspurig. Wann die Bagger anrollen können, weiß niemand. Die Planfeststellungsverfahren laufen. Den CSU-Kreisverbänden Erding und Ebersberg geht das nicht weit genug: Sie forderten vor wenigen Tagen den durchgängigen vierspurigen Ausbau.

Transrapid - nur als Modell am Münchner Flughafen

Ebenfalls ein weitgehend leeres Versprechen ist bis dato die Schienenanbindung. Bisher endet die S-Bahn in Erding. Der S-Bahn-Ringschluss von hier bis zum Flughafen und weiter bis Freising zurück nach München hat schon viele Verkehrsminister kommen und gehen sehen.

Es hätte noch eine Möglichkeit gegeben, von der Münchner Innenstadt an den Flughafen zu kommen – mit dem Transrapid. Daraus ist nie etwas geworden, den Zug gab es nur einige Jahre als Modell im München Airport Center. Die Magnetschwebebahn war ein Prestigeprojekt des damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber. Sie sollte im Zehn-Minuten-Takt zwischen dem Hauptbahnhof und dem Flughafen mit Tempo 350 hin- und herpendeln. Doch von Anfang an gab es Kritik an dem Vorhaben – zu teuer, zu kurze Strecke. Denn die ursprünglich kalkulierten Kosten von 1,85 Milliarden Euro waren auf über drei Milliarden Euro explodiert. Als Günther Beckstein 2007 Stoiber ablöste, war es einer seiner ersten Amtshandlungen, den schnellen Gleiter für immer aufs Abstellgleis zu schicken.

Zukunftsprojekt: Südostbayern soll näher an den Flughafen rücken

Im Westen des Flughafens ist heute die Neufahrner Kurve bereits im Bau. Sie ermöglicht dann auch Regionalbahnen, den Flughafen anzufahren. Für den Abschnitt zwischen Flughafen und Erding mit neuem Halt sowie Wendeanlage in Schwaigerloh steht der Planfeststellungsbeschluss kurz bevor. In Erding hat Oberbürgermeister Max Gotz (CSU) erfolgreich für einen längeren Tunnel durch seine Stadt gekämpft. Für diesen Bereich dürfte das Genehmigungsverfahren 2018 beginnen. Der Startschuss steht auch hier in den Sternen.

Die Regionalbahn soll via Walpertskirchener Spange nach Erding und an den Flughafen kommen – mit einem neuen gemeinsamen Bahnhof auf dem Gelände des heutigen Erdinger Fliegerhorsts. Den will die Luftwaffe bis 2021 geräumt haben. Aber auch für dieses Mammutprojekt, das Südostbayern bis Salzburg näher an MUC heranrückt, gilt: Über den Baubeginn gibt es auch 25 Jahre nach der Eröffnung nur Spekulationen.

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