Wolfgang Krebs alias Edmund Stoiber begeisterte die Besucher in der Airbräu-Tenne. Foto: pir

Der schnelle Brüterle und andere Störfälle

Flughafen - Er sei echter als der echte Stoiber, wird Wolfgang Krebs gerne nachgesagt. Im Flughafenwirtshaus Airbräu, „dieser Kathedrale der unfiltrierten Schluckseeligkeit“, zapfte er gestern den Aviator an und schenkte den Flughafenmanagern und Politikern mächtig ein.

Flughafen - „Das war wie immer besser als auf dem Nockherberg“, jubelte Michael Kerkloh. Der Flughafenchef war begeistert von der Starkbierrede des Wolfgang Krebs. Der war in seiner Paraderolle als Edmund Stoiber geschlüpft und ließ niemanden ungeschoren, der als Ehrengast zum Starkbieranstich in der Airbräu-Tenne eingeladen war. Selbst die Idee, aufgrund der stagnierenden Zahl der Flugbewegungen, auf eine dritte Startbahn zu verzichten und sogar die zweite „als Flugübungsgelände für jugendliche Brachvögel“ zu renaturieren, hielt Kerkloh für charmant. „Aber nur, wenn in den anderen Flugzeugen tatsächlich jeweils 700 Passagiere sitzen würden.“ Auch die Politiker aus dem Umland waren sehr angetan von der Rede, die FMG-Sprecher Ingo Anspach mit viel Wortwitz geschrieben hat.

Hallbergmoos in

1000 Puzzelstücken

Der Hallbergmooser Bürgermeister Klaus Stallmeister zum Beispiel übe seinen Job in einer echten Metropole aus, in der es ganz viele Hallen und noch mehr Moos und ein Gewerbegebiet mit einem echt bayerischen Namen gebe, freute sich Stoiber. „Dieser Munich Airport Business Park“ ist mittlerweile übrigens zu 276 Prozent vermietet.“ Stallmeister hatte jüngst erklärt: Fehlt eine Vision von der Entwicklung des eigenen Ortes, dann wäre dies, wie ein Puzzle mit 1000 Teilen zu legen, ohne das Bild zu kennen. Stoiber: „Schön, dass Sie das einmal klargestellt haben, Herr Bürgermeister, denn viele hatten vermutet, dass Hallbergmoos genau so entstanden ist.“

Oberding will

die Luther-Bibel

Mit einem eindrucksvoll international angehauchten Gewerbegebiet könne auch Oberding aufwarten, sagte Stoiber. Bürgermeister Helmut Lackner habe schließlich die „Munich Airport Service and Trade Area“ auf seinem Gemeindegrund angesiedelt, abgekürzt MASTA. „Da heißt es jetzt also ,Masta la vista Baby‘, wenn der Hotelshuttle kommt und den Terminator zum Terminal bringt. Das alte Problem der Oberdinger bestehe darin, diesen ständigen Geldfluss in die eigene Gemeinde zu kanalisieren, ohne dass es dabei zu unkontrollierten Überschwemmungen kommt. „Da hilft es dann ein wenig, wenn man schnell mal so eine nagelneue Gemeindebücherei auf die Beine stellt, die dann natürlich neben einer Erstausgabe der Luther-Bibel auch noch etliche andere exklusive Druckwerke beherbergen muss.“ Auch beim neuen Schulhaus habe sich die Gemeinde nicht lumpen lassen. „Wo man hinschaut, wirklich alles vom Feinsten für ihre Kleinsten.“ Leere Kassen oder Sparzwänge würden eh nur noch die älteren Bewohner kennen, „die sich noch an jene Geschichten erinnern können, die dereinst vor der Flughafeneröffnung an den Lagerfeuern von Schwaig, Oberding, Niederding und Notzing erzählt wurden“. Oberdinger Schülern, die dass Phänomen „Verschuldung“ erklärt haben wollen, empfahl Stoiber einen Klassenausflug in die Freisinger Kämmerei.

Der Erdinger

Kreisel-Ringschluss

Auch die Stadt Erding plagen keine Geldprobleme, aber die Sorgen um den Ringschluss und die „Süd- oder Nordeinseifung, äh -einschleifung“. Bis das Ministerium alle Zahlen und Fakten auf den Tisch legt, könnten sich die Herzogstädter ja mit den Ringen vergnügen, „die sie eh jeden Tag unter den Augen, äh vor ihren Augen haben“. Als Beispiel nannte Stoiber „das Kreiselverkehrsparadies auf dem Weg zum Gewerbepark West“. Stoiber hob im Stile seiner Hauptbahn-Rede an: „Sie steigen in den Kreisel ein. Und wer diesen verkehrstechnischen Kreislaufkollaps überstanden hat, kommt irgendwann mit einem leichten Schleudertrauma im Gewerbepark West an. Euphorisiert durch massive Schwindelgefühle kaufen die Leute dann dort hemmungslos alles, was ihnen in die Finger fällt.“

FTO-Pläne aus

der Bronzezeit

Als „einen echten Durchbruch für den gesamten Landkreis“ feierte Stoiber das letzte Teilstück der Flughafentangente und die Verbindung zwischen A 92 und A 94. Im Zuge dieser Baumaßnahme kam es zu Ausgrabungen, bei denen Fundstücke aus der Bronzezeit entdeckt wurden. Stoiber: „Dass sich darunter auch erste Pläne für die FTO befanden, ist aber von offizieller Seite nie bestätigt worden.“ Gespannt ist er schon, wo die Nordumfahrung verlaufen soll. Schließlich „erwarten einige Bürgermeister aus der Region, dass diese Umfahrung schon kurz hinter Prag von der B 388 a in Richtung Flughafen München abzweigt.

Eitting plant

Lastwagenblockade

Jeder wolle die Entlastung, aber keiner die neue Straße vor seiner Haustür haben. Stoiber vermutete, dass „im erbarmungslosen Trassenkampf“ der Eittinger Bürgermeister Georg Wiester schon in Kontakt mit seinem Rewe-Logistikcenter stehe, „um gegebenenfalls großräumige Lkw-Blockaden zu organisieren“.

Nebenerwerbslandrat

Bayerstorfer

Stoiber findet es zudem erstaunlich, „dass die Kommunalpolitiker aus dem Erdinger Raum auf einmal davon absehen, von ihrem angestammten Recht auf Bayerstorfers Meinung Gebrauch zu machen und eigene Gedanken entwickeln“. Zumal der „blondeste Parteivorsitzende der CSU/CSU“ (Stoiber über Stoiber) eine hohe Meinung von „Nebenerwerbslandrat Bayerstorfer“ hat. „Wie lange wird der wohl noch mit dem Traktor seine Kreise durch das Erdinger Moos ziehen?“, fragt er. Mit Bayerstorfer auf der großen Bühne wäre die CSU auf der sicheren Seite, damit sich das Guttenberg-Debakel nicht wiederhole: „Ich habe mir extra noch mal Bayerstorfers Abschlussarbeit als Landwirtschaftsmeister von der Höheren Landbauschule Rottalmünster angeschaut, da stammt garantiert alles aus eigenem Anbau.“

Kaderschmiede für Päpste: Freising

Ausführlich widmete sich Stoiber der „schönen Domstadt Freising, diese Synthese aus Braukunst und Baukunst, Kaderschmiede für Päpste und wertkonservativer Fels in der Brandung globaler Überflutungen“. Hier sei man schon gegen die Kernkraft gewesen, bevor diese überhaupt erfunden war. „Und von der Laufzeitverlängerung für Atommeiler hat man hier erst recht nichts gehalten, weil die Freisinger schon seit Heinrich dem Löwen jeder Brückentechnologie misstrauen.“ Seit dieser Zeit ungefähr werde Freising von Oberbürgermeister Dieter Thalhammer regiert, „von dem immer noch manche glauben, er sei Mitglied der SPD“. Auf Nachfrage, rechnete der OB vor, dass er noch genau ein Jahr einen Monat und fünf Tage im Amt sei. Nun rätselte Stoiber, wer „diese leidende Schichtgestalt, ähem scheidende Lichtgestalt“ nachfolgen könne. Christian Magerl, „dieser grüne Vogelflüsterer“ habe schon 20 Jahre Opposition im Bayerischen Landtag hinter sich. „ Soll der jetzt auf seine alten Tage auf einmal anfangen richtig zu arbeiten?“. Bei der SPD herrsche unterdessen die traditionelle Unentschlossenheit. Stoiber vermutet: „Hier könnte es auf Eva Bönig rauslaufen, die als Kindergartenleiterin natürlich optimale Voraussetzungen für die Führung des Freisinger Stadtrates mitbringt.“ Ratlos gibt sich „das größte politische Talent seit Otto von Freising“ (Stoiber über Stoiber) bezüglich des CSU-Kandidaten: Kneipenwirt Tobias Eschenbacher („Wahlspruch: Freibier statt Sozialismus“) oder Rudolf Schwaiger („Rechtsanwalt, Schöngeist und Bruder - von Landrat Michael Schwaiger“) oder doch der sich bisher verweigernde „Freisinger CSU-Ortsvorsitzende Erich Irrlichter äh Irlsdorfer“.

Aschewolke

durch Rauchverbot

Der ehemalige Ministerpräsident kennt sich aber nicht nur im Flughafenumland, sondern auch direkt am Airport aus. Er erinnerte an die Aschewolke als es tagelang „Betten statt Boarden“ hieß, und der Airport bot phasenweise mehr Übernachtungsmöglichkeiten als Oberding. Dabei nehme deren Bürgermeister Lackner für seine Gemeinde in Anspruch, dass auf jeden Oberdinger zwei Hotelbetten fallen. Die Asche, da ist sich Stoiber sicher, komme aber nicht von irgendwelchen isländischen Vulkanen. „Für mich war das eine unmittelbare Folge des bayerischen Rauchverbotes in Restaurants und Gaststätten. Wenn man Millionen von Rauchern von heute auf morgen vor die Tür schickt, muss das ja schließlich zum Himmel stinken.“

Nach Diktatur

verreist

„Der christlich soziale Heilsbringer“ (Stoiber über Stoiber) blickte aber auch auf das gesamte Weltgeschehen. Selbst er hätte nicht gedacht, „dass langjährige autokratische Herrscher wie Husni Mubarak, Ben Ali oder Roland Koch plötzlich aus ihren Ämtern verschwinden“. Er ließ die „Bilder von den Tagen des Zorns“ aufleben: „Tausende von Demonstranten, die den verhassten Machthaber mit aller Gewalt aus dem Amt jagen wollen und eine Polizei, die unbarmherzig gegen die Protestierer vorgeht. Ja, so war das in Stuttgart - und dann später ja auch in Tunis und Kairo. Aber während Ben Ali und Mubarak nach Diktatur verreist sind, hat der Mappus sich einfach gesagt: Oben bleiben.“ Zwar sorgten die schwäbischen Schwingungen auch außerhalb Baden-Württembergs für Turbulenzen, aber „Stuttgart 21 ist keine Gefahr für Bayern. Die größte Gefahr für Bayern geht im Augenblick von Hannover 96 aus.“

Geltechnisch

manipulierte Arbeit

Apropos FC Bayern: Der beste Trainer wäre der ehemalige Verteidigungsminister, der die Schwächen der Abwehr schnell erkannt hätte und durch schnelle Überraschungsangriffe punkten würde, was der ehemalige Gorch-Fock-Kommandant sicher bestätigen könne. Stoiber, der schon zu Beginn nicht mit einem Aviator, sondern Plagiator anstieß, weiß auch, warum KT bei seiner Doktorarbeit abgeschrieben hat: „Der hatte halt damals wahnsinnig viel zu tun, als Politiker, Vater und Freiherr, da kann es einem schon mal passieren, dass man zwischen Schreib- und Wickeltisch den Überblick verliert und deshalb versehentlich eine Arbeit einreicht, die eben nicht ganz sauber ist.“ Freilich gebe es aber auch die Auffassung, der Mann habe von Anfang an und mit voller Absicht gel-technisch manipuliert und sollte deshalb nicht nur seinen Doktortitel und das Ministeramt, sondern auch mindestens sechs bis acht Vornamen dafür abgeben.

Ernste Worte

zur Kernenergie

Schlimmer ist für die „Brüsseler Spitze in Sachen Demokratie- äh Bürokratieabbau“ die 180-Grad-Wende der Bundesregierung in der Energiepolitik zu erklären. „Da wurde man als Zuschauer schon einer massiv erhöhten Röttgen-Strahlung ausgesetzt.“ Und er sprach über unseren Wirtschaftsminister: „Der schnelle Brüterle, hatte bei dem Thema ja neulich auch einen Störfall.“

Wortspiele bei diesem heiklen Thema? Hier schaffte es Stoiber, respektive Krebs, respektive Redenschreiber Anspach, den Spagat zwischen Kabarett und Ernsthaftigkeit, als er zur „politischen Kernschmelze“ bemerkte: „Wer jetzt die Laufzeiten der Atommeiler verkürzt, um die eigene zu verlängern, unterschätzt die Halbwertszeiten im Wählergedächnis.“

Ohnehin, so erzählte Gastgeber Gerhard Halamoda, habe die FMG lange überlegt, ob sie die Veranstaltung wegen der Katastrophe in Japan ausfalllen lassen sollte. Halamoda: „Wir haben einen besseren Weg gefunden und eine Spendenbox aufgestellt.“ Die reichlich gefüllte Kasse werde, „großzügig von uns aufgestockt“, dem japanischen Generalkonsul in München übergeben, der sie dann dem Roten Kreuz weiterleite. (pir)

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