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Von Polizei umstellt war das LSG-Gebäude.

Bedrohung bei LSG am Flughafen

Todesangst am Tag des OEZ-Amoklaufs

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Ein gefeuerter Koch verbreitete bei der Firma LSG am Flughafen Panik. Fast eine halbe Stunde lang hatte er zwei Menschen in seiner Gewalt. Nun wurde er verurteilt.

Flughafen – 22. Juli 2016 – an diesem Tag herrschte in München Angst und Schrecken. Auch ein 47-jähriger Freisinger verfolgte zuhause die Berichte über den Amoklauf am OEZ, trank acht Bier und radelte zum Flughafen. Dort verbreitete er selbst mit vorgehaltener Schreckschusswaffe Panik. Zwei Opfer leiden seither unter posttraumatischen Belastungsstörungen. Der gelernte Koch ist derzeit in der Justivollzugsanstalt Landshut und bleibt wohl hinter Gittern. Das Amtsgericht Erding verurteilte ihn gestern zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung.

Mit Schlafstörungen, Reizdarm und Angst in Menschenmengen leidet eine 56-jährige Luftsicherheitskontrolleurin noch heute unter den Folgen der Tat. Eindringlich schilderte die Frau die Todesangst, die sie empfand. Sie und ein Kollege kontrollierten gerade einen Bäckermeister, der um 22 Uhr zur Nachtschicht kam. Da betrat der Angeklagte das Foyer und schoss in die Luft.

Die Kontrolleurin und der Bäckermeister hechteten unter den Empfangstresen, der zweite Sicherheitsmann flüchtete. Die folgenden 25 Minuten wurden zum Horror für die beiden Verbliebenen. „Die Situation war ja schon angespannt. Wir sollten wegen dem Amoklauf besonders wachsam sein“, sagte die 56-Jährige vor Gericht aus. „Mir war klar: Jetzt werde ich genauso erschossen, wie die Leute in München.“

Der Angeklagte beteuerte, dass er niemandem Schaden zufügen wollte – nur sich selbst: „Ich wollte mich richten“, erklärte der 47-Jährige. Den Selbstmord habe er mit einem japanischen Tanto-Messer begehen wollen, das er neben drei Wurfsternen in einem Rucksack dabei hatte.

Der Koch hatte bis zu seinem Rauswurf im Oktober 2015 beim Lufthansa-Caterer LSG gearbeitet. In der Firma ging das Gerücht, der 47-Jährige habe via Facebook rechtsradikale Äußerungen verbreitet. Das wies der Mann auch gestern von sich und behauptete, dass seine Facebook-Seite manipuliert worden sei.

Die Betroffenen seines Kurzschlusses, wie der Freisinger die Aktion gestern nannte, wussten von all dem nichts. Sie hörten nur den Schuss und sahen die wie echt wirkende Walther-Pistole auf sich gerichtet. 25 Minuten lang, bis der Eindringling sich ergab. Inzwischen hatten Dutzende schwer bewaffnete Polizisten das Haus umstellt. Weil um 22 Uhr Schichtwechsel war, bekam die ganze Firma die Notsituation mit. Mehrere Mitarbeiter kamen ins Foyer und wurden von dem 47-Jährigen wieder die Treppe hochgescheucht.

Der Angeklagte legte Wert darauf, dass er nie direkt auf jemand gezielt habe. Die Hauptgeschädigten empfanden das anders. Besonders hart war es für den 50-jährigen Bäckermeister. Er ist herzkrank und trägt einen Defibrillator in der Brust. „Ich hatte wahnsinnige Herzschmerzen und Angst, dass der Defi losgeht“, sagte er aus. Er habe mit seinem Leben abgeschlossen gehabt.

Diese Notlage entging aber auch dem Eindringling nicht. Gemeinsam mit der Wachfrau half er dem 50-Jährigen auf einen Stuhl. Daraufhin rief der Angeklagte dreimal einen Notarzt an. Das habe ihn schließlich vom Suizid abgebracht, sagte der Angeklagte.

Richter Björn Schindler wertete dieses Verhalten strafmildernd, sah aber die Vorwürfe der Anklage voll bestätigt. Er verurteilte den 47-Jährigen wegen Verstößen gegen das Waffengesetz, vorsätzlicher Körperverletzung, Nötigung und Freiheitsberaubung. Als Geiselnahme habe er die Tat nicht gewertet, weil der Angeklagte keine Forderungen gestellt habe, erläuterte der Richter. Er folgte der psychiatrischen Sachverständigen Dr. Sylvia Apelt, dass der Angeklagte wegen seiner narzisstischen Persönlichkeit und der Alkoholisierung vermindert schuldfähig sei. Der Freisinger war in der Folge auch zweimal in geschlossenen Einrichtungen.

Das Sammelsurium an Samurai-Schwertern, das der 47-Jährige zuhause hatte, wurde eingezogen. Der als Nebenklägerin auftretenden Wachfrau billigte Schindler Schadenersatzanspruch zu. Über die Höhe wird noch ein Zivilgericht entscheiden.

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