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Auf und davon: Die niederländische Billig-Airline Transavia schließt im Herbst ihre Basis am Flughafen München. Die Fluggesellschaft begründet den Schritt mit einer strategischen Neuausrichtung. 

Billigflieger schließt Basis am Flughafen MÜnchen

Transavia macht den Abflug

Zum Winter ist Schluss. Die Billig-Airline Transavia schließt ihre Basis am Flughafen München Ende Oktober – erst vor zwölf Monaten hatte sich der niederländische Billigflieger im Erdinger Moos angesiedelt. Startbahngegner fühlen sich in ihrer Kritik bestätigt.

München - Es war dann doch nur eine kurze Zwischenlandung, die Transavia am Flughafen München hingelegt hat. Zwölf Monate nachdem sich die niederländische Billig-Airline im Erdinger Moos angesiedelt hat, kündigte Transavia gestern eine „strategische Neuausrichtung“ an. Zum Ende des Sommerflugplans, also ab November, werde die Basis am Flughafen München mit den vier stationierten Flugzeugen geschlossen.

Transavia-Chef Mattijs ten Brink begründete den Schritt mit veränderten Marktgegebenheiten. Man wolle sich in München künftig nur noch auf Flüge in die Niederlande konzentrieren. „Deshalb und aufgrund der sorgfältig ausgewerteten Profitabilitätsaussichten ist eine Basis in München nicht länger Teil dieser Strategie.“ Bis Ende Oktober sollen der aktuelle Flugplan und alle bereits gebuchten Tickets gültig bleiben. Das Unternehmen kündigte darüber hinaus an, „sozialverträgliche Vereinbarungen“ mit Piloten, Flugbegleitern und dem Bodenpersonal in München treffen zu wollen.

Die Flughafen München GmbH reagierte mit Bedauern auf die Nachricht. FMG-Sprecher Ingo Anspach betonte aber, dass der Mobilitätsbedarf durch diese Entscheidung nicht weniger werde. „Wir müssen nun abwarten, wie sich andere Airlines engagieren, um die Transavia-Slots zu besetzen.“ Auf die Prognose von vier Prozent mehr Flügen im Jahr 2017 wirke sich der Transavia-Rückzug nur wenig aus, sagte Anspach. Weil die Flüge bis Ende Oktober noch planmäßig stattfinden. Der Anteil der Transavia-Flüge am Gesamtbewegungsaufkommen des Flughafens betrage rund zwei Prozent. Transavia fliegt nach eigenen Angaben derzeit etwa 100 Flüge pro Woche von München aus zu 21 Zielen.

Der „Low-cost-Carrier“, wie sich die Air France-KLM-Tochter Transavia selbst nennt, war im März 2016 in München mit aggressiven Kampfpreisen gestartet und hatte um ein junges, Internet-affines Publikum geworben. Als Starthilfe am Flughafen München bekam die Airline ein „ereignisbezogenes Förderprogramm“. Das sei bei neuen Fluglinien üblich, sagte Flughafen-Chef Kerkloh damals. Die Förderung sollte maximal drei Jahre gewährt werden – so lange hat es Transavia aber nicht am Flughafen München ausgehalten.

Grund dafür ist offenbar die starke Konkurrenz im Billigflugsektor. Nach Transavia siedelte sich auch die Lufthansa-Tochter Eurowings am Flughafen München an – und wirbt zum Start im März ebenfalls mit Schnäppchenflügen. Außerdem war Transavia unzufrieden mit den vorgegebenen Abflugzeiten. „Wir konnten ihnen wegen der angespannten Slot-Situation nicht alle Wünsche realisieren“, sagt Anspach. Die Folge waren lange, für die Airline wohl zu unrentable Bodenzeiten.

Auswirkungen hat die Rückzugs-Entscheidung auch auf die Debatte um die dritte Startbahn. Gegner sehen sich mit dem Transavia-Abflug im Aufwind. „Die FMG versucht durch finanzielle Anreize, Airlines in München zu stationieren, um somit ein künstliches Wachstum zu generieren“, sagt Helga Stieglmeier vom Aktionsbündnis AufgeMUCkt. Der Rückzug von Transavia zeige: „Es gibt diesen Bedarf nicht.“ Auch Christian Magerl von den Grünen sagt: „Mit dem Rückzug von Transavia bricht das komplette prognostizierte Wachstum des Flughafens München zusammen. Das Strohfeuer, das Flughafen-Chef Kerkloh durch Subventionierung neuer Flugbewegungen entzündet hat, ist schon nach einem Jahr wieder erloschen.“ Der Freistaat solle die Pläne für die dritte Startbahn endgültig beerdigen.

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