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Vorsicht Andrang: Zu den Hauptverkehrszeiten müssen Flugreisende – unser Bild entstand im Terminal 2 – mit längeren Wartezeiten rechnen. Verpasst ein Passagier seine Maschine, kann der Airport mit schuld sein.  

Verpasster Türkei-Flug 

Lange Warteschlange: Flughafen muss zahlen

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Flughafen/Erding – Verpassen Reisende wegen einer überlangen Warteschlange vor der Sicherheitskontrolle ihren Flieger, muss der Flughafen einen Teil der Kosten für die entgangene Reise bezahlen. So entschied das Amtsgericht Erding in einem Fall, der europaweit für Aufsehen sorgen dürfte.

Zwei Stunden vor Abflug sollte man am Flughafen sein. Doch selbst diese eherne Regel ist kein Garant dafür, rechtzeitig im Flieger zu sitzen. Denn der Weg vom Check-In bis ans Gate kann weit und hindernisreich sein.

So war es auch bei einer Familie aus Augsburg, deren Fall nun vor dem Amtsgericht Erding landetet – und das Zeug hat, europäische Reiserechtsgeschichte zu schreiben. Es war am 25. Oktober 2015, als die Familie nach Angaben von Gerichtssprecher Dr. Stefan Priller in die Türkei fliegen wollte. Um 13.40 Uhr sollte der Flug starten, das Boarding begann planmäßig um 13.05 Uhr.

Der Kläger und seine Begleiter begaben sich, nachdem sie um 12.22 Uhr am Modul C im Terminal 1 eingecheckt hatten, zur Sicherheitskontrolle, an der sich eine lange Schlange gebildet hatte.

Wegen des großen Andrangs wurden sie und andere Passagiere nach einiger Zeit von einem FMG-Mitarbeiter aufgefordert, sich ins Modul B zu begeben, um dort die Kontrolle zu durchlaufen. Dabei wies der Kläger den Bediensteten darauf hin, dass er befürchte, seinen Flug zu verpassen. Der jedoch versicherte ihm laut Priller, er werde den Flug sicher erreichen.

Doch es sollte anders kommen: Die Maschine hob ohne die Schwaben ab. Notgedrungen, so der Justizsprecher, musste die Familie erst einmal wieder nach Hause fahren. Erst am nächsten Tag klappte alles.

Das Versäumnis verursachte Mehrkosten in Höhe von 613,96 Euro. Die wollte der Kläger von der FMG erstattet haben. Denn es habe ein so genannte Organisationsverschulden des Flughafens vorgelegen. Der müsse seine Sicherheitskontrolle so organisieren, dass es den Passagieren möglich ist, rechtzeitig am Gate zu sein.

Die beklagte FMG wies das Ansinnen zurück und erwiderte, es bestünde keine vertragliche Beziehung zwischen Flughafenbetreiber und Fluggast, sondern lediglich zwischen Letzterem und seiner Fluggesellschaft. Damit könne auch keine Vertragsverletzung der FMG gegenüber der Augsburger Familie vorliegen, sollten bei dem Ablauf der Sicherheitskontrolle tatsächlich Pflichten verletzt worden sein.

Das Amtsgericht Erding sah das anders und gab dem Kläger weitgehend Recht. Zu den Pflichten der FMG hätte, zitiert Priller aus dem Urteil, „die effektive organisatorische Abwicklung des Zugangs zum Flug gehört, insbesondere also der Sicherheitskontrolle der Fluggäste“.

Es stellte aber auch Versäumnisse der Kläger fest. Denn die Familie hätte aus der Warteschlange heraustreten und verantwortliches Personal darauf aufmerksam machen müssen, dass sie ihren Flug zu versäumen drohe. Das Mitverschulden wurde mit 20 Prozent festgesetzt. Das Urteil ist rechtskräftig (Amtsgericht Erding, Az. 8 C 1143/ 16).

Hans Moritz

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